Treffen in Großentaft

Arbeitskreis kritisiert: Es hapert bei der Fleischvermarktung

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Zu Besuch im Stall bei Familie Krieg: Unser Bild zeigt von links Josef Krieg, Nicolai Krieg, Kathrin Krieg mit Greta sowie Immo Georg vom Landesbetrieb Landwirtschaft.

Der Arbeitskreis Mutterkuhhalter hat bei einem Treffen in Eiterfeld kritisiert, dass es bei der Fleischvermarktung deutliche Difizite gibt. 

Großentaft – Es sind hauptsächlich Nebenerwerbslandwirte, die sich im Arbeitskreis Mutterkuhhalter regelmäßig treffen. Immo Georg vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) organisiert die Zusammenkünfte. Kürzlich wurden in Großentaft Höfe und Herden besichtigt bei Nicolai Krieg, Rainer Krieg, Reinhard Krieg und Augustin Etzel.

Nicolai Krieg ist mit seinen 39 Jahren Junglandwirt. Zur Zeit ist der Maschinenbau-Ingenieur mit dem Anbau des Stalls beschäftigt. Die neue Halle soll als Heu- und Strohlager dienen. 23 Mutterkühe, zwei Bullen und sieben Mastbullen leben auf dem Hof. Letztere stehen friedlich zusammen, haben Auslauf und lassen sich sogar streicheln.

Erst mit einem Endgewicht von 390 bis 480 Kilo sind sie schlachtreif. Der Landwirt erhält pro Kilo 3,40 Euro. Das ist zu wenig, da sind sich alle Besucher einig. Von den 80 Hektar werden 25 Hektar als Grünland bewirtschaftet. Es fällt auf, dass die Tiere noch eine persönliche Beziehung zum bäuerlichen Personal haben. Natürlich hilft die ganze Familie mit: Ehefrau Kathrin und Vater Josef mit Ehefrau Tanja. Die zweijährige Tochter Greta geht ohne Angst mit den Tieren um. Wegen der Futterknappheit 2018 wurde der Betrieb von 28 Kühen auf 23 Kühe reduziert. Als Rasse bevorzugen die Kriegs eine Mischung aus Blond Aguitaine und Charolais.

Nach einer Kaffeepause geht es zur Weidenbesichtigung von Rainer Krieg. Er bewirtschaftet als Nebenerwerbslandwirt zehn Hektar, davon vier Hektar Ackerland. Sechs Kühe und ein Bulle eilen zutraulich zu den Besucher an den Zaun. Es sind verschiedene Rassen. Rainer Krieg bemerkt dazu: „Die Tiere müssen gesund sein, die Rasse ist mir zweitrangig. Ich habe eine Zeit lang den Samen genommen, den der Tierarzt im Gepäck hatte.“ So finden sich auf seiner Weide Irishman, Limousin und Fleckvieh. Für Rainer Krieg ist der Nebenerwerbslandwirt ein Hobby, das er mit Leidenschaft betreibt.

Reinhard Krieg bewirtschaftet einen Biobetrieb. Auch seine sechs Kühe und der Bulle gehören diversen Rassen an, unter anderem Fleckvieh und Glan. Reinhard Krieg sagt: „Ich bin jetzt 55 Jahre und bewege mich auf den Ruhestand zu. Den großen Stall habe ich vermietet. Von den zu bewirtschaftenden 52 Hektar sind 14 Hektar Wiese.“

Auch Augustin Etzel bewirtschaftet einen Biobetrieb. Er hält auf drei Hektar Weide Vogesenkühe. Die Rasse Vogesen ist vom Aussterben bedroht. Augustin Etzel: „Die Rasse hat mir einfach gefallen, und die großen geschwungenen Hörner sind doch beeindruckend.“ Seine acht Kühe und der Bulle kommen sofort angerannt, als sie sein Auto sehen. Wie immer hat er ihnen etwas Schrot mitgebracht. Augustin Etzel hat den Ruf eines Kuh-Flüsterers. Viele holen sich bei ihm Rat, wenn es mit ihren Tieren Probleme gibt.

Eines haben die Arbeitskreisteilnehmer gemeinsam: Es geht nicht in erster Linie um den Profit. Die Beschäftigung mit den Tieren macht ihnen Spaß. Für sie ist es gleichzeitig Hobby und Entspannung. Und das kommt den Tieren zu Gute. Allerdings zahle es sich bei der Vermarktung nicht aus: Das Fleisch liegt in der Theke neben dem Fleisch aus der Massentierhaltung und diversen, nicht gekennzeichneten Rassen. Immo Georg weiß: „In Frankreich ist das anders, da sind die Fleischrassen extra ausgezeichnet. Man kann Limousin-Fleisch verlangen und bekommt es auch.“ 

Kontakt: Georg Immo, z 06631/786169 oder per E-Mail: Immo.Georg@llh.hessen.de

Von Christa Desoi

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