Wissensschätze heben

Akademie Burg Fürsteneck sucht Zeitzeugen der deutsch-deutschen Geschichte

Fürsteneck – Eine Burg mit bewegter Geschichte: René Schultens (links) und Akademie-Leiter Hartmut Piekatz suchen noch Zeitzeugen. Foto: Sabrina Mehler

Fürsteneck. Die Akademie Burg Fürsteneck in Eiterfeld sucht Zeitzeugen der innerdeutschen Grenze. 

Wie haben Sie die Zeit erlebt, als die deutsch-deutsche Grenze errichtet wurde und wie, als sie Jahrzehnte später endlich niedergerissen wurde? Was war das für ein Gefühl, den ersten Schritt durch das Loch im Maschendrahtzaun zu gehen, wie, als die Trabi-Kolonnen Rasdorf erreichten? Die Akademie Burg Fürsteneck sucht für ihr neues Projekt „Wissensrouten“ Zeitzeugen, die sich an damals erinnern.

„In unserer Region schlummern Wissensschätze, die aufgeweckt werden wollen“, sagt Projektleiter René Schultens. Der Workshop, den die Burg in drei aufeinander folgenden Jahren anbieten will, dreht sich um die deutsch-deutsche Geschichte – von den Folgen des Zweiten Weltkriegs bis zur friedlichen Wiedervereinigung. „Viele Erinnerungen verblassen oft über die Jahre hinweg oder werden mit der Zeit verfälscht“, glaubt Schultens. Jetzt könne noch vieles für die Nachwelt festgehalten werden, denn auch viele Zeitzeugen des Mauerbaus leben noch und können berichten. „Wir haben jetzt noch die Chance, die Geschichte in ihrer ganzen Bandbreite aufzuarbeiten.“

Die Akademie hat sich für ihr Projekt Kooperationspartner gesucht. In diesem Jahr, in dem es um die innerdeutsche Teilung und den regionalen Bezug geht, ist die Point Alpha Stiftung mit im Boot. Im kommenden Jahr hat die Marktgemeinde Eiterfeld ihre Unterstützung zugesagt. Denn Thema wird dann die Vorgeschichte der Teilung sein und insbesondere die Burg Fürsteneck im Mittelpunkt stehen. Während der Nazi-Zeit war hier eine Schaltzentrale nationalsozialistischer Umtriebe. „Aber die Burg gab später eine Antwort auf diese Schrecken: Sie wurde ein Ort der demokratischen Bildung“, sagt Schultens. Deshalb sind nicht nur, aber vor allem auch Eiterfelder Bürger aufgerufen, sich am Projekt zu beteiligen und ihr Wissen über die Burg zu teilen.

Im Jahr 2020 ist der Verein Natur und Lebensraum Rhön (VNLR) Kooperationspartner. Thema wird dann „die große Teilungs- und Wiedervereinigungsgeschichte sein, in die auch die gesamte Rhön einbezogen wird.“

Zu echten Wissensrouten werden die Beiträge der Zeitzeugen, da die Teilnehmer der Workshops Audiobeiträge erstellen werden. Diese werden auf einer Internetseite auf einer Online-Landkarte veröffentlicht. „Man kann die Wissensrouten dann zu Hause am PC anhören oder auch über das Smartphone, wenn man gerade am Point Alpha steht“, erklärt der Projektleiter.

Die Teilnehmer werden bei ihrer digitalen Arbeit von einem Medien-Trainer begleitet. Vorkenntnisse sind nicht nötig: „Die Software ist ganz einfach zu bedienen.“ Schultens sucht ohnehin Menschen „wie du und ich“, die authentisch sind und über ihre Erfahrungen von früher berichten wollen. Und er ist sich sicher: „Jeder, der hier aufgewachsen ist, kann dazu etwas erzählen. Vielen ist gar nicht bewusst, welcher Wissensschatz in ihren Köpfen schlummert.“ In jedem Jahr finden zwei dreitägige Workshops statt, die aufeinander aufbauen: der erste vom 24. bis 26. August und der zweite vom 7. bis 9. Dezember. Während die Teilnehmer zunächst lernen, was Geschichte überhaupt ist und was es bedeutet, Zeitzeuge zu sein, geht es später um das Schreiben von Texten und deren Einsprechen für die Audioguides. Unterstützt wird das Projekt vom Hessischen Volkshochschulverband (HVV). (sam) 

Wer interessiert ist, der kann sich bei René Schultens unter Telefon (06672) 92020 oder per E-Mail melden. Die beiden Workshops im August und Dezember kosten insgesamt 58 Euro – inklusive Übernachtung und Verpflegung. 

bildung@burg-fuersteneck.de

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