Orgelkonzert mit Iris und Carsten Lenz in Neukirchen

Vier Hände für Mozart

Außergewöhnlich: Das Ehepaar Iris und Carsten Lenz begeisterte die Besucher in der Neukirchener Kirche mit Orgelklängen von Mozart. Foto: Jeuthner

Neukirchen. Die historische Wagner-Orgel in der evangelischen Kirche in Neukirchen mag sich gewundert haben, als plötzlich vier Hände und vier Füße statt der gewohnten zwei ihre Manuale und Pedale bedienten und ihr das gesamte Leistungsspektrum abverlangten.

Eines der führenden Orgel-Duos in Europa war der Bitte des Pfarrers Thomas Funk gefolgt und hatte zu einer kleinen Nachtmusik eingeladen. Anlässlich des 255. Geburtstages Wolfgang Amadeus Mozarts am 27. Januar standen Orgelwerke des Komponisten auf dem Programm.

„Die beiden Orgelkünstler haben sich durch Konzerte in vielen Ländern Europas einen Namen gemacht“, erzählte Thomas Funk. „Sie haben auch in Russland und in Großstädten der USA gespielt, zum Beispiel in New York, Chicago, Philadelphia … „ und fügt mit einem Schmunzeln hinzu „und heute spielen sie eben in Neukirchen.“

Durch die von den beiden Künstlern mitgebrachte Technik war es möglich, dem Orgelspiel - das üblicherweise im Verborgenen stattfindet –auf einer Leinwand für jedermann sichtbar zu folgen. Überwältigend, was da – teilweise mit überkreuzten Händen und in rasenden Tempo - zu sehen war. „Für Mozarts Orgelstücke fehlen einem einzelnen Organisten eigentlich immer drei bis acht Finger“, erklärte Carsten Lenz, „das ist Musik für Walzen. Und deswegen“, so Lenz, „spielen wir diese Stücke zu zweit.“

Große Fantasien

Mit den beiden großen „Fantasien“ KV 594 und KV 608 hatten die beiden Organisten das Publikum im Nu begeistert, ein Publikum, das fasziniert den Bewegungen von Iris und Carsten Lenz auf der großen Leinwand folgte und nun feststellen musste, dass für das Orgelspiel und hier speziell für die Interpretation der Mozartschen Werke neben dem musikalischen Können auch ein massiver körperlicher Einsatz nötig ist. Mit Händen und Füßen entlockten die Musiker dem Instrument, das sogar über ein integriertes Harmonium verfügt und als eines der größten im Original erhaltenen Instrumente aus dieser Werkstatt bisher immer nur zweihändig gespielt worden war, hinreißende Orgelmusik.

Das „Adagio für Glasharmonika“ indessen kommt in einer „Fassung für vier Füße“ gänzlich ohne Hände aus, und auch dabei bewiesen die Meister ihr erstaunliches Können. Ein außerordentliches Erlebnis nicht nur für Anhänger der Orgelmusik, das mit der Kleinen Nachtmusik und dem Türkischen Marsch einen würdigen Abschluss fand.

Ein weiteres Konzert mit Iris und Carsten Lenz findet am 13. Mai, 19.30 Uhr in der evangelischen Kirche in Niederaula statt.

Von Elfriede Jeuthner

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