Peter Göb initiierte Präventionsprogramm: Ziel Motorradunfälle vermeiden

Nicht das Leben riskieren

Peter Göb (links) und Ricky Lowag (rechts) appellieren an die Motorradfahrer, sich gut vorzubereiten. Foto: Karl-Heinz Burkhardt

Bad Hersfeld. Peter Göb ist Beamter bei der Polizei-Autobahnstation in Bad Hersfeld - und begeisterter Motorradfahrer. Zusammen mit einem Kollegen aus Baden-Württemberg hat er das Projekt „Rennleitung 110“ ins Leben gerufen, mit dem die beiden auf sportliche Motorradfahrer einwirken wollen.

Die beiden 34 Jahre alten Polizisten mit dem gemeinsamen Hobby haben gleich ein ganzes Maßnahmenbündel geschnürt, um schweren oder gar tödlichen Unfällen in der Biker-Szene vorzubeugen.

Selbst schon Glück gehabt

„Zweimal hätte meine Fahrt beinahe an einer Leitplanke geendet“, sagt der Hünfelder Peter Göb. Er hat sich danach zum Fahrsicherheitstraining angemeldet; und das hätte ihm schon manches Mal das Leben gerettet. „Gerade zu Saisonbeginn kann man richtiges Bremsen, den richtigen Umgang mit der Maschine nicht oft genug trainieren“, sagt Göb.

Über ein polizeiinternes Internet-Forum lernte Göb den seelenverwandten Ricky Lowag aus Östringen kennen, und zusammen erstand man eine Maschine und rief das Internetforum Rennleitung-110.de ins Leben.

Dort, im weltweiten Netz, wollen die Mitglieder von „Team Rennleitung“ ihre „Sportfreunde“ zum verantwortungsbewussten Umgang mit den hoch motorisierten Maschinen bewegen.

„Bei allem Spaß, den uns das Fahren solcher Sportgeräte bereitet, sollten wir weder das Leben noch den Führerschein diesem Hobby opfern“, sagt Göb. Denn die Straßen seien der denkbar ungünstigste Ort, um sich zu beweisen. Ein wichtiges Ziel der beiden Polizisten heißt: Wir wollen die sportlich ambitionierten Motorradfahrer von ihrem riskanten Treiben auf öffentlichen Straßen wegbringen und zum Fahren auf geschlossenen Rennstrecken animieren.

„Es gibt nicht zu wenige Rennstrecken, eher ist es der Preis, der die meist doch jungen Motorradfahrer abschreckt, dort zu trainieren. Denn für einen Tag geführtes Fahren müsse man schon so zwischen 100 und 150 Euro veranschlagen. „Wir wollen aber mit den Anbietern von Sportfahrtraining die Preise nach unten verhandeln“, nennt Göb ein weiteres Ziel von Rennleitung 110, zu denen viele via Facebook einen aktiven Austausch pflegen.

Einen Vorteil sieht der Hünfelder Familienvater Göb darin, dass die Mitglieder von „Team Rennleitung“ als Zweiradfahrer den oftmals zu schnell fahrenden Motorradfans auf Augenhöhe begegnen und so eine bessere Akzeptanz erreichten. Wenn er mit seiner BMW unterwegs sei und einen Temposünder an einer Ampel wieder einhole, so würde er ihn schon auf den Tempoverstoß ansprechen und ihm sein Kärtchen überreichen. Nur wenn das Delikt „ganz derb“ wäre, gewänne der Polizist in ihm die Oberhand.

Gemeinsam mit der Polizei

Vor drei Wochen gab es ein Gespräch beim Polizeipräsidium Osthessen. Die Behörde befürwortet das Projekt, erklärt Göb. Inwieweit eine Zusammenarbeit möglich ist, soll in einem weiteren Gespräch in der nächsten Woche geklärt werden. „Wir wollen uns mit der Abteilung Prävention zusammensetzen und etwas ausarbeiten, so Göb.

Neben der Aufklärung verfolgen die beiden weitere Ziele, die das Zweiradfahren sicherer machen sollen. Zusammen mit der Aktion MEHRSi setzen sie sich für Unterfahrschutz an Leitplanken ein, betonen in Zusammenarbeit mit der bayerischen Firma Held Bikerfashion den Wert von Sicherheitsbekleidung, und auch das Tragen von neongelben Westen könne vor Unfällen bewahren.

Von Ulrich Schmid

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