Karl Quanz, der Gründer des SPD-Ortsvereins Eiterfeld, feiert jetzt 80. Geburtstag

Immer für die Allgemeinheit

Karl Quanz Foto: chd

Eiterfeld. Ende der 50-er Jahre als Sozialdemokrat in Eiterfeld aufzutreten, das war etwas Exotisches. Das erfuhr Karl Quanz am eigenen Leibe, als er dort einen SPD-Ortsverein gründete. „Es wurde gleichgesetzt mit „Kommunist sein. Selbst meine Mutter fragte mich: Wie kannst Du ein Kommunist sein?“, erzählt Karl Quanz.

Quanz, der jetzt seinen 80. Geburtstag feierte, war in Eiterfeld aufgewachsen. Als er nach erfolgreich bestandener Gesellenprüfung keine Stelle als Maurer erhielt, ging er ins Rheinland nach Bad Godesberg. Jahre später kam er auf Drängen seiner Frau nach Eiterfeld zurück. „Inzwischen war ich Sozialdemokrat. Das Programm der SPD empfand ich als schlüssig und passend für mich als Arbeiter. So habe ich das auch immer öffentlich vertreten“, sagt er.

1962 kandidierte die SPD zum ersten Mal bei den Gemeindewahlen. Aus Unerfahrenheit stellte die Opposition zwei Listen auf. „Damit kamen wir nicht in die Gemeindevertretung. So konnten wir keine erfolgreiche Oppositionsarbeit leisten“, erkannte Quanz. 1968 stellte die Opposition gemeinsam unter dem Namen Bürgervereinigung Eiterfeld-Fürsteneck eine Liste neben der FWG und der CDU auf. Quanz: „Mit dieser Liste erlangten wir die Mehrheit.“

Übergangsbürgermeister

Nach dieser Wahl war Karl Quanz für ein halbes Jahr Übergangsbürgermeister von Eiterfeld. Quanz: „Für mich galten immer zwei Grundsätze: ich wollte kein Büromensch werden und ich wollte nie einen Vorteil für meine Person. Also schauten wir uns nach einem geeigneten Bürgermeisterkandidaten um“. Die Wahl fiel schließlich auf Winfried Plappert. Er arbeitete damals im Landratsamt Hünfeld.

Inzwischen häuften sich bei Quanz die ehrenamtlichen Aufgaben: Er war als SPD-Vertreter im Ortsbeirat Eiterfeld, der Gemeindevertretung Eiterfeld und er war SPD-Abgeordneter im Kreistag Hünfeld sowie im Kreistag Fulda.

Seit 1946 ist er Mitglied der Gewerkschaft Bau Steine Erden. Viele Jahre gehörte er dem Bezirksvorstand der IG Bau an. Lange Jahre war er beim DGB Fulda als Kreisvorstandsmitglied aktiv. Seit 1948 ist er Mitglied in der Feuerwehr Eiterfeld. Er war Vorsitzender der AOK-Vertreterversammlung, und er gehörte viele Jahre dem AOK-Vorstand in Fulda an.

1980 bekam er den Ehrenbrief des Landes Hessen überreicht. 1992 ehrte man ihn mit der Georg-Stieler-Medaille. 1998 erhielt er die Ernennungsurkunde als Ortsgerichtsschöffe in Hünfeld. Lange Jahre war Karl Quanz als Schöffe tätig, auch im Verwaltungsgerichtshof Kassel. Außerdem war er Vertreter in der Handwerkskammer Kassel. In der Baugewerbe-Innung Hünfeld war er fast 15 Jahre lang Gesellenprüfer.

Die vielen Ehrungen füllen inzwischen einen großen Schuhkarton. „Für die Generation, der ich angehöre, gab es nur Arbeit. Ich habe nie gefragt: Was bringt mir das ein? Für mich war es selbstverständlich, meine Freizeit für die Allgemeinheit zu opfern. Nur seit dem Tod meiner Frau habe ich nicht mehr die Kraft für die vielen Ehrenämter“, berichtet der 80-Jährige.

Von Christa Desoi

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