Die Interessengemeinschaft Landschaftsschutz Rothenkirchen (IGEL) übt massive Kritik an Flächenauswahl

Windkraft in Wehrda: Sorge um die Mopsfledermaus

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Wollen die Mopsfledermaus schützen: Bernd Enzeroth (links) und Gerd Frauenrieder von der Interessengemeinschaft IGEL. Die Karte zeigt das Windvorranggebiet HEF 55 in Wehrda mit vier geplanten Anlagen. Vor allem die beiden Anlagen rechts im Bild an der Grenze zum Kreis Fulda sind laut der beiden problematisch.

Wehrda. Die Interessengemeinschaft Landschaftsschutz Rothenkirchen (IGEL) sorgt sich weiterhin um die Mopsfledermaus und hat deshalb die Kritik an den Windvorranggebieten HEF 55 in Haunetal-Wehrda und FD 10 im Landkreis Fulda erneuert.

Erhebliche Fehler und Fehleinschätzungen in Bezug auf das Tier werfen Gerd Frauenrieder und Bernd Enzeroth den Verantwortlichen bei der Planung vor. Ein fünfseitiges Schreiben hat der IGEL-Vorstand vor Kurzem an das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung geschickt.

Willkürlich festgelegt

Darin kritisiert die Interessengemeinschaft für die Fläche HEF 55 vor allem das ihrer Meinung nach bewusste Inkaufnehmen der Zerstörung der Mopsfledermauspopulation in Haunetal-Neukirchen, die willkürliche Festlegung der Schutzradien beziehungsweise Schutzzonen von Fledermaushabitaten sowie widersprüchliche Aussagen zur Flächenbewertung bei der ersten und zweiten Offenlegung. Konkret fordert die IGEL: Keine Windenergieanlagen an der südlichen Kreisgrenze Hersfeld-Rotenburg zu Fulda.

Eine Antwort auf ihr jüngstes Schreiben haben die Initiatoren noch nicht erhalten. Die Interessengemeinschaft wurde vor etwas mehr als zwei Jahren gegründet und hat zurzeit 178 Mitglieder, davon rund 20 aus Haunetal. „Tendenz steigend“, so Frauenrieder mit Blick auf die Mitgliederzahl.

Beste Voraussetzungen

„Der Wald mit Eichen, Buchen und Kiefern bietet beste Voraussetzungen für die Mopsfledermaus“, sagt Bernd Enzeroth, der selbst viele Jahre Förster gewesen ist. Einen 1000-Meter-Puffer zwischen Windenergieanlagen und den Wochenstuben der Mopsfledermaus halten er und Gerd Frauenrieder für nicht ausreichend. Auch vom Ministerium anerkannte und beauftragte Institute würden 5000 Meter empfehlen. „Das Gebiet hätte gar nicht ausgewiesen werden dürfen“, meinen Enzeroth und Frauenrieder, die betonen, nicht generell gegen erneuerbare Energien zu sein. „Uns geht es um die Fledermaus!

Im Privatwald bei Wehrda möchte die Juwi AG vier Windkraftanlagen errichten. Ende 2016 ist bereits ein Windmessmast installiert und in Betrieb genommen worden (wir berichteten). „Aktuell stellen wir die Antragsunterlagen für das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz vor. Aller Voraussicht nach werden wir sie im Mai oder Juni einreichen“, teilt Juwi-Sprecher Felix Wächter zum Stand der Dinge mit.

Das sagt das Ministerium

„Sachverhalt wird derzeit geprüft“

Als Reaktion auf das Schreiben der Interessengemeinschaft teilte Wolfgang Harms als Sprecher des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung auf HZ-Nachfrage folgendes mit: „Der Teilregionalplan Energie Nordhessen wurde am 7. Oktober 2016 von der Regionalversammlung Nordhessen beschlossen und liegt uns derzeit zur Prüfung vor. Dabei geht es im Wesentlichen um die Vereinbarkeit mit dem Landesentwicklungsplan, aber auch um die Frage, ob rechtlich erhebliche Abwägungsmängel vorliegen, die einer Genehmigung entgegenstehen. In diesem Zusammenhang wird auch der von Ihnen angesprochene Sachverhalt (betrifft die Mopsfledermaus und deren Schutzraum, Anmerkung der Redaktion) geprüft. Nach Abschluss der Prüfung hat die Landesregierung die Entscheidung über die Genehmigung zu treffen. Wir bitten um Verständnis, dass wir dieser nicht vorgreifen können.“

Angestrebt werde das sogenannte formale Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz, einem Teilgebiet des Umweltrechts. Wenn das Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde die Vollständigkeit der eingereichten Unterlagen offiziell bestätigt hat, werden die Unterlagen ausgelegt. Die Bürger haben dann die Gelegenheit, mögliche Einwände schriftlich mitzuteilen. Diese werden in einem öffentlichen Erörterungstermin diskutiert und sollen in die Entscheidungsfindung einfließen.

„Für uns ist der Klageweg eine Option“, stellt der IGEL-Vorstand schon jetzt klar, allerdings fehle es dafür aktuell nicht nur am Geld, die Gemeinschaft selbst könne zudem gar nicht klagen. „Das müsste dann zum Beispiel die Gemeinde oder ein Naturschutzverband tun.“

Mit der Gemeinde meinen Enzeroth und Frauenrieder Burghaun, zur Haunetaler Verwaltung hat die Interessengemeinschaft eigenen Aussagen zufolge keinen Kontakt. 

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