Alte Schätzchen

Schrauber-Serie: Dieter Kollmann hat einen Fuhrpark von Zweirad-Oldtimern

Dieter Kollmann aus Neukirchen mit seinem Oldtimer-Fuhrpark: eine MV Augusta, hinten ein restaurierter Schlepper und rechts eine BMW R25/3. Dieter Kollmann sitzt auf seiner Ardie BD 176 aus dem Jahr 1955.
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Dieter Kollmann aus Neukirchen besitzt einen ganzen Fuhrpark aus Oldtimern. Auf dem Foto zu sehen sind vier von insgesamt sieben von ihm restaurierte Maschinen. Links eine MV Augusta, hinten ein restaurierter Schlepper und rechts eine BMW R25/3. Dieter Kollmann sitzt auf seiner Ardie.

Für Dieter Kollmann ist das Restaurieren alter Motorräder ein Hobby. Zu seinen besonderen Schätzchen gehört eine Ardie. Das Motorrad aus dem Jahr 1955 ist heute kaum noch bekannt.

Neukirchen - Dieter Kollmann hat im Laufe der Zeit an insgesamt sieben Zweirädern und einem alten Schlepper geschraubt. Für ihn etwas ganz Besonderes ist seine Ardie BD 176 aus dem Jahr 1955. Das Besondere an der Marke Ardie, benannt nach dem Werkgründer Arno Dietrich: der Bekanntheitsgrad. „Kaum einer kennt die noch“, sagt Kollmann.

So war die Überraschung groß, als Kollmann als bekannter Haunetaler Hobby-Restaurateur auf einer Geburtstagsfeier vor 15 Jahren angesprochen wurde, dass in der Garage eines älteren Herrn im Nachbardorf ein wahrer Schatz stünde. Die Rede war von einem Ardie Motorrad aus dem Jahr 1955. Prompt redete Kollmann mit dem Herrn und frage ihn, ob er das schon länger nicht bewegte Mottorad haben könnte. Für 200 Euro durfte er das Gefährt abholen. „Das Motorrad war in einem wirklich schlechten Zustand“, erzählt Kollmann, „ich musste viel daran machen.“

Schrauber-Serie: Der Zweirad-Oldtimer Ardie BD 176 in Bildern

Die restaurierte Adie BD 176 von Dieter Kollmann aus Neukirchen.
Die restaurierte Adie BD 176 von Dieter Kollmann aus Neukirchen.
Die restaurierte Adie BD 176 von Dieter Kollmann aus Neukirchen.
Die restaurierte Adie BD 176 von Dieter Kollmann aus Neukirchen.
Schrauber-Serie: Der Zweirad-Oldtimer Ardie BD 176 in Bildern

Weil man heutzutage nur schwer an passende Ersatzteile für solche alten Modelle käme, stellte sich das als ziemlich problematisch heraus. Gebaut wurden Ardie Motorräder von der Ardie-Werk Aktiengesellschaft zwischen 1919 und 1958 in Nürnberg. „Früher war Nürnberg eine wahre Hochburg, wenn es um die Zweiradindustrie ging“, erklärt Kollmann, dort habe man alles an Ersatzteilen bekommen, was man brauchte.

Aufgrund der Schließungen vieler Zweiradherstellerwerke sei das heute nicht mehr so einfach. Die Rettung: „Jemand aus Reutlingen wollte seine Ardie im Internet verkaufen“, sagt Kollmann. Er kaufte die Maschine des privaten Anbieters und entnahm ihr die nötigen Erstatzteile, um seine Ardie zu restaurieren. Die Teile, die er nicht brauchte, verkaufte er im Internet weiter.

Damit die Ardie auch äußerlich in neuem Glanz erstrahlen konnte, ließ Kollmann den Tank durch eine Firma verchromen. Die typischen Linierungen, die alle per Hand auf den Lack gemalt werden, durften dabei nicht fehlen. Die Tank-Linierung bekam die Maschine auf einer Messe in Kassel. Die restlichen schwarzen und goldenen Linien wurden durch eine Firma ergänzt.

Schrauber Kollmann: „Habe schon immer ein Faible für alte Motorräder gehabt“

Das Restaurieren alter Motorräder ist Dieter Kollmanns Hobby. „Ich habe schon immer ein Faible für alte Motorräder gehabt“, sagt der 76-Jährige, der schon als Jugendlicher Moped gefahren ist. Auch ein alter Schlepper, den sein Vater früher in der Landwirtschaft nutzte, wurde durch ihn wieder auf Vordermann gebracht. „Alle Maschinen sind fahrtüchtig“, erklärt Kollmann. Dennoch stehen sie ohne Batterie und mit leerem Tank in den Garagen, damit durch die Stehzeit nichts kaputt gehen kann.

Seine erste Maschine war eine BMW R25/3 im Jahr 1971, die er viele Jahre gefahren sei und die bis heute angemeldet ist. Dann folgte eine seltene MV Augusta Typ Ipotesi. „Die Augusta wollte ich schon immer wegen ihrem Klang haben“, sagt Kollmann. Zwei weitere BMW Motorräder – die Kollmann restaurierte und fahrtüchtig machte – später, bekam er in 2005 die Ardie. Im Laufe der Zeit hat Kollmann bereits sieben Motorräder restauriert. „Ich mache alles an den Maschinen selbst“, sagt der Hobby-Restaurateur und Pensionär stolz. Das technische Verständnis habe er sich selbst beigebracht. Nur die Lackierungsarbeiten lässt er von Firmen vornehmen.

War vor der Pflege durch Dieter Kollmann in schlechtem Zustand: die Ardie BD 176 aus dem Jahr 1955. Heute spiegelt man sich im neuen Chrom.

Tipps und Hilfe bekommt er bei seinen Restaurierungsarbeiten von seinen Freunden aus dem Motorradstammtisch. „Dort führen wir unsere Benzin-Gespräche“, sagt der Mitbegründer des Clubs. „Dort hilft man sich. Denn gerade die Technik neuartiger Modelle ist eine Herausforderung“, erklärt Kollmann, der sich eher für alte Modelle interessiert. Auch das Nummernschild, das als Platzhalter fungiert, hat Kollmann restauriert und dem Original nachempfunden. AH steht dabei für die amerikanische Besatzungszone Hessen. Der heutige Kreis Hersfeld-Rotenburg war damals die amerikanische Zone 30. Die 1955 steht für das Baujahr.

Zur 750 Jahrfeier in Neukirchen im Jahr 2013 wurde die restaurierte Ardie ausgestellt und habe viel Lob erhalten, berichtet Kollmann. „Ein altes Schätzchen in neuem Glanz.“

Autogramm: Die Ardie BD 176

  • Geschwindigkeit (km/h): 100
  • Hubraum (ccm): 171
  • Getriebe: Viergang
  • KW/PS: 7,72/10,5
  • Leergewicht (kg): 124
  • Baujahr: 1955
  • Stückzahl: 3000
  • Originalpreis: 1525 DM

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