Die Seele des Hauses soll erhalten bleiben

Rainer und Sabine Reul planen Abschied vom Schullandheim Villa Phantasia

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Betreiben das Schullandheim Villa Phantasia: Rainer und Sabine Reul wollen jedoch in drei bis vier Jahren in den Ruhestand wechseln und suchen deshalb schon einen Nachfolger, der das „Herzensprojekt“ in ihrem Sinne weiterführt. Das Bild rechts unten zeigt die ehemalige Gaststätte, die laut Immobilienanzeige 1920 gebaut wurde, noch ohne das Nebengebäude.

Rainer und Sabine Reul sind mithilfe der VR-Immobilien GmbH auf der Suche nach einem Nachfolger für ihr Lebenswerk, das Schullandheim Villa Phantasia in Oberstoppel.

In spätestens drei bis vier Jahren wollen sie sich zur Ruhe setzen und das Haus verkaufen. Weil sie ihr „Herzensprojekt“, wie der Rheinländer Rainer Reul die Villa Phantasia nennt, aber nicht an irgendwen veräußern möchten, haben sie mit der Suche bereits jetzt begonnen. 

Denn von heute auf morgen verkaufe sich ein solches Objekt sicher nicht. Bei einigen Kunden habe das öffentliche Inserat indes für Irritationen gesorgt, weiß Rainer Reul, alle sollen nun über den Stand der Dinge informiert werden.

Wir wollen uns Zeit lassen und jemanden finden, der ähnlich tickt“, erklärt er. Keinesfalls solle aus dem Schullandheim eine „Mc-Donalds-Farm“ werden. „Es macht immer noch wahnsinnig viel Spaß“, betont Rainer Reul, doch spätestens mit 66 Jahren müsse auch mal Schluss sein. Rainer Reul wird nächstes Jahr 63, seine Frau 60. 

Kinder wollen nicht übernehmen

„Ich habe mit 14 Jahren angefangen zu arbeiten und wir haben einen Zwölf-Stunden-Tag hier“, so Rainer Reul. Zwar haben die Reuls drei Kinder, die ebenfalls im Bereich Bildung und Erziehung tätig sind, das Schullandheim übernehmen wollten sie aber nicht, wofür Rainer Reul durchaus Verständnis hat.

Der aus der Friedens- und Anti-Atomkraftbewegung kommende „Querkopp“, wie er sich selbst schmunzelnd bezeichnet, ist gelernter Buchdrucker und kam über ehrenamtliche Kinder- und Jugendarbeit zunächst zum Deutschen Jugendherbergswerk. 

Als Angestellter habe er aber schnell feststellen müssen, dass auch dort das Geld wichtiger sei als der Mensch, und das sei mit seinen Prinzipien und Vorstellungen nun mal nicht vereinbar gewesen.

In ganz Deutschland gesucht

Die Reuls entschlossen sich, in die Selbstständigkeit zu wechseln. In ganz Deutschland suchten sie nach einem geeigneten Objekt oder Grundstück und wurden schließlich in Oberstoppel fündig. „Der Preis war ok, das Gelände war stark“, berichtet Reul. 

Der ehemalige Gasthof Burgruine Hauneck am Waldrand mit Blick in die Rhön habe schon länger leer gestanden, daneben war noch Platz für einen Neubau. 1999 wurde laut Reul mit dem Bau des eigentlichen Schullandheims mit rund 100 Betten begonnen, im Sommer 2000 startete der Betrieb. 

Die einstige Gaststätte wird unter anderem noch als Speisesaal genutzt. „Die ersten Klassen kamen aus Nordrhein-Westfalen – aus Herscheid, Gelsenkirchen und Recklinghausen“, erinnert sich Reul.

Stammgäste und Grundschullehrer

Heute komme ein Großteil der Kinder aus Offenbach-, Kassel- und Frankfurt-Mitte. In der Regel seien es Grundschullehrer und Stammgäste, die mit ihren Klassen nach Oberstoppel kommen, ab und an sind auch Kinder von Förder- und Hauptschulen zu Gast. 

Die meisten bleiben drei Tage, wobei die Reuls ihnen nicht nur eine Unterkunft, sondern auch ein Programm anbieten. Mit einer Regel müssen übrigens alle Schüler klarkommen: „Bei uns herrscht Handyverbot!“ Buchungen für das Jahr 2020 liegen laut Rainer Reul bereits vor, auch die regelmäßigen Veranstaltungen wie das Fest der Kulturen oder der Herbstmarkt sollen vorerst weiter stattfinden. Und der „Noch-Herbergsvater betont erneut: „Wir wollen das Haus verkaufen, aber nicht dessen Seele.“

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