„Ich will zeigen, dass es besser geht“

Bürgermeisterwahl in Haunetal: Interview mit Herausforderer Timo Lübeck (CDU)

Timo Lübeck (CDU) möchte seine Heimatgemeinde voranbringen: Der 37-jährige Haunetaler tritt am 1. November gegen Bürgermeister Gerd Lang an.
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Timo Lübeck (CDU) möchte seine Heimatgemeinde voranbringen: Der 37-jährige Haunetaler tritt am 1. November gegen Bürgermeister Gerd Lang an.

Am 1. November wird in der Marktgemeinde Haunetal der Bürgermeister gewählt. Gegen Amtsinhaber Gerd Lang tritt Timo Lübeck (CDU) an. Wir haben ihn zum Interview gebeten.

Haunetal kann mehr, lautet ihr Wahl-Credo. Woran hapert es denn?

(überlegt länger und lacht) Vieles plätschert momentan so vor sich hin, ohne dass es wirklich vorangeht. Ich will zeigen, dass es besser geht. Warum sollten wir nicht auch Dinge hinkriegen, die man in Eiterfeld, Hauneck oder Burghaun geschafft hat?

Was wollen Sie konkret besser machen als der Amtsinhaber und wo wollen Sie anfangen?

Grundsätzlich werbe ich für mich und nicht gegen den Mitbewerber. Die Frage bei jeder Wahl ist doch, unabhängig davon, wie man die Bilanz bewertet: wer ist der bessere Kandidat für die kommenden Jahre und die Aufgaben, die jetzt anstehen? Dafür bringe ich politische Erfahrung, ein gutes Netzwerk und jede Menge Lust, etwas zu bewegen, mit. Mit mir gibt es eine echte Zukunftsperspektive im Rathaus. Anfangen möchte ich bei einem Punkt, auf den ich bei meinen Ortsrundgängen von vielen Bürgern immer wieder angesprochen wurde. In der Bauverwaltung muss einiges anders organisiert und neu geregelt werden. Das werde ich mir sehr genau anschauen und dann entscheiden. Ein anderes Trauerspiel ist leider, dass es im Gewerbegebiet heute immer noch so aussieht wie vor sechs Jahren. Mich stört die Diskussion, wer in der Vergangenheit angeblich was versäumt hat. Wir müssen es jetzt mit mehr Initiative hinbekommen. Dass es ein paar Tage vor der Wahl nun plötzlich große Jubelmeldungen gibt, zeigt doch nur, dass wenig getan wurde und dies jetzt kaschiert werden soll.

Wo sehen Sie die Stärken Haunetals und welche Schwächen gilt es auszugleichen?

Eine Stärke ist, dass viele ehrenamtlich mit anpacken. Deshalb ist auch das neue IKEK-Programm eine Chance für die Gemeinde. Es wurde aus der Bürgerschaft heraus entwickelt, das gefällt mir. Im Kern ist es eine Auflistung verschiedenster Projekte, um die sich in den letzten Jahren nicht gekümmert wurde. Wenn es jetzt in die Umsetzungsphase geht, ist es wichtig, im Rathaus jemanden zu haben, der organisiert, dass die Maßnahmen professionell und aktiv abgearbeitet werden. Beim Kita-Anbau hat das zuletzt nicht funktioniert. Das darf uns bei IKEK nicht wieder passieren. Eine Schwäche sind ganz klar unsere Radwege, wenn man die überhaupt so nennen kann. Hier muss sich etwas tun. Und das wird es mit mir auch.

Professionelle Broschüren, Videos und prominente Unterstützung vom Ministerpräsidenten – wie hat sich der Wahlkampf in Zeiten von Corona verändert?

Es ist schade, dass es das Duell der Hersfelder Zeitung diesmal nicht gibt. Da hätten sich sicher viele Bürger und auch ich mich drauf gefreut. Ganz klassisch bin ich von Haustür zu Haustür gelaufen und habe fast überall geklingelt. Ganz oft wurde mir auch geöffnet, sodass ich mit vielen Bürgern sprechen konnte. An der frischen Luft kann man die Abstände auch gut einhalten. Auf die üblichen Wahlkampfveranstaltungen habe ich verzichtet und stattdessen versucht, die Menschen über das Internet und im persönlichen Gespräch zu erreichen.

Vor allem das Video von Volker Bouffier kam aber nicht überall gut an….

Ein deutsches Sprichwort sagt: „Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“ Für seine Unterstützung bin ich Volker Bouffier, den ich seit Jahren kenne und sehr schätze, dankbar. Dafür rechtfertige ich mich ganz sicher nicht. Ein guter Draht nach Wiesbaden ist hilfreich und den habe ich durch die CDU. Ob man ein guter Bürgermeister ist, hängt aber nicht vom Parteibuch ab, sondern davon, wie man mit Menschen umgeht und Projekte vorantreibt. Meine Überzeugung ist, dass man nur erfolgreich sein kann, wenn man parteiübergreifend zusammenführt. Zu vielen in der SPD und in der GfH habe ich einen guten Draht, und bin sicher, dass wir gemeinsam etwas Gutes für Haunetal zustande bringen werden.

Ob von der Karnevalsbühne oder aus dem Fußballverein: Sie sind Haunetal ohnehin bekannt. Ist das ein Vor- oder Nachteil?

Es ist natürlich ein Vorteil, wenn man sich nicht überall erst vorstellen muss. Ich glaube, es hilft schon, wenn man die eigene Gemeinde, die Vereine, die Feuerwehren und die Menschen nicht nur vom Erzählen kennt, sondern seit vielen Jahren mit Engagement mittendrin dabei ist.

Sie sind in Haunetal für viele der Timo. Bleiben Sie im Erfolgsfall auch nach der Wahl der Timo oder sind Sie dann Herr Lübeck?

So ein Amt verändert sicherlich jeden ein wenig, aber ich hoffe, trotzdem der Alte zu bleiben. Und wenn nicht, gibt es hoffentlich Familie und gute Freunde, die mich schnell wieder auf den Boden zurückholen (lacht). Auch den Schorsch (Lübecks Paraderolle beim Haunetaler Karneval, Anmerkung der Redaktion) wird es bestimmt weiterhin geben, das könnte ich der Hilde auch gar nicht antun ...

Immer wieder kritisieren Kommunalpolitiker die mangelnde finanzielle Ausstattung der Kommunen, es gibt zahlreiche Vorgaben zu erfüllen – trotzdem scheint das Bürgermeisteramt auch für junge Menschen attraktiv zu sein. Was macht für Sie den Reiz aus?

Mich reizt es, da, wo ich zu Hause bin, Verantwortung zu übernehmen und zu zeigen, dass es besser geht. Ich würde in keiner anderen Gemeinde kandidieren. Wir haben im Landkreis ja eine Reihe jüngerer Bürgermeister. Da hat man gesehen, dass mit ihnen nicht nur die Welt nicht untergegangen ist, sondern es meistens sehr erfolgreich läuft.

Eigentlich hätte die Wahl schon im August stattfinden sollen. Welchen Einfluss hat Corona auf die Wahlbeteiligung?

Da kann ich natürlich nur spekulieren. Vermutlich wird die Briefwahlbeteiligung etwas höher sein. In jedem Fall hoffe ich, dass möglichst viele Wähler ihre Stimme abgeben. Es geht schließlich um die Frage, wie es in den nächsten Jahren in Haunetal weitergehen soll. Dafür gibt es zwei klare Alternativen – entweder wie bisher, mit einem Bürgermeister, der in erster Linie Einzelkämpfer ist. Oder mit meinem Angebot einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit, einer frühzeitigen Einbindung der Gemeindegremien, Ortsbeiräte und Bürger sowie einer zeitgemäßen Kommunikation.

Ihr Wunschergebnis für den Wahlausgang?

Den warte ich nun demütig ab. In den letzten Wochen habe ich versucht, deutlich zu machen, warum ein Wechsel im Rathaus gut für die Zukunft von Haunetal wäre. Jetzt entscheiden die Wähler.

Zur Person

Timo Lübeck (37) wurde in Bad Hersfeld geboren und lebt im Haunetaler Ortsteil Rhina. Nach dem Realschulabschluss absolvierte er in der Haunetaler Gemeindeverwaltung seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. 2004 ging Lübeck nach Berlin, um beim CDU-Politiker Friedbert Pflüger zu arbeiten, für den er schließlich den Bürgermeisterwahlkampf in der Hauptstadt organisierte. Von 2011 bis 2016 war Lübeck Büroleiter des heimischen Bundestagsabgeordneten Helmut Heiderich. 2012/2013 absolvierte er außerdem ein berufsbegleitendes Kompaktstudium zum Public-Affairs-Manager an der Quadriga Hochschule in Berlin. 2017 kandidierte der Haunetaler selbst für den Bundestag. Von 2014 bis 2020 war Lübeck Vorsitzender des CDU-Kreisverbands. Aktuell arbeitet er bei K+S im Bereich Kommunikation. In der Kommunalpolitik engagiert der 37-Jährige sich seit über zehn Jahren. Zu seinen Hobbys zählen der Karneval und Fußball. Timo Lübeck ist ledig und hat keine Kinder.

Lübecks Ziele kurz zusammengefasst

• Zustand der Radwege

verbessern

• Feuerwehren ordentlich ausstatten

• Kita-Anbau realisieren

• Baugrundstücke und freie Immobilien besser vermarkten

• Angebot für betreutes Wohnen im Alter schaffen

• Ansiedlungen für das Gewerbegebiet akquirieren

• Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung

• Vereine bei der Jugendarbeit unterstützen

• Zeitgemäße Kommunikation über Homepage, App und Mitteilungsblatt

• Bahnhalt sichern und Bahnhofsumfeld entwickeln

• Einstieg in interkommunale Zusammenarbeit schaffen

Leserfragen: Was möchten Sie von den Bewerbern wissen?

Die in der Vergangenheit gut besuchten Wahlforen unserer Zeitung müssen dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie leider ausfallen. Wir geben Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, trotzdem die Gelegenheit, den Kandidaten Fragen zu stellen. Senden Sie diese bitte bis zum 22. Oktober 2020 per E-Mail an redaktion@hersfelder-zeitung.de. Bitte geben Sie in der E-Mail nicht nur an, an wen sich Ihre Frage richtet, sondern auch Ihren Namen und Ihren Wohnort. Und: Die Fragen sollten nicht bereits in unseren Interviews gestellt worden sein. Ihre Fragen und die Antworten der Kandidaten werden dann in der HZ veröffentlicht. (Nadine Maaz)

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