Serie: Die weite Welt und wir

Holger Schäfer aus Haunetal lebt seit zwei Jahren in Hongkong

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Holger Schäfer aus Haunetal in seinem Büro in Hongkong.

In unserer Serie „Die weite Welt und wir“ erzählen Menschen aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg, die im Ausland leben, ihre Geschichten. Wenn auch Sie, liebe Leser, jemanden kennen, der ausgewandert ist oder seit längerer Zeit in einem anderen Land lebt, dann freuen wir uns über einen Kontakt.

Hongkong/Haunetal. Heute Hongkong, morgen Haunetal: Über 9000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen den beiden Welten, in denen Holger Schäfer zu Hause ist. Der Haunetaler lebt seit knapp zwei Jahren in der sogenannten Sonderverwaltungszone an der Südküste Chinas. Beim Kreditversicherer Euler Hermes, eine Gesellschaft der Allianz Versicherung, ist er Geschäftsführer der Region Asien und Pazifik.

14 weitere Länder gehören dazu: Australien, China, Indien, Indonesien, Japan, Malaysia, Neuseeland, Philippinen, Singapur, Südkorea, Sri Lanka, Taiwan, Thailand und Vietnam – und in den meisten ist Schäfer mehrmals pro Jahr.

Das Foto hat Schäfer von seinem Balkon aus gemacht. Zu sehen der Victoria Harbour, ein natürlicher Hafen zwischen Hong Kong Island und der Halbinsel Kowloon in Hongkong.

„Hongkong ist eine sehr spannende Stadt“, erzählt der 52-Jährige, der selbige zuvor auch nur von kürzeren Geschäftsreisen kannte. „Aber ganz anders als alle Städte, in denen ich zuvor gelebt habe.“ Das Leben dort sei hektisch und anstrengend, berichtet Schäfer, und es werde viel und lange gearbeitet. „Die Hongkong-Chinesen sind sehr fleißig.“ 

Wenn Schäfer aus seinem Appartement mit gläserner Front im 42. Stock schaut, blickt er auf die Skyline Hongkongs mit beeindruckenden Hochhäusern hinab. Von seinem Elternhaus in Haunetal, das er vor einigen Jahren umbauen und renovieren ließ, sieht er den Garten, die Nachbarhäuser und ganz viel Grün. „Hier hört man die Vögel, in Hongkong die Stadt“, sagt Schäfer schmunzelnd.

Ins Büro fährt der 52-Jährige mit dem Taxi. Taxi oder U-Bahn, das seien die üblichen Fortbewegungsmittel, denn nicht nur Autos, auch die Parkplätze in Hongkong seien sehr teuer – von verstopften Straßen ganz abgesehen. Auf seine Leidenschaft, das Motorradfahren, muss Schäfer deshalb ebenfalls verzichten.

Die Verständigung läuft in der Regel auf Englisch, wie ohnehin im Geschäftsleben üblich, oder mit Hilfe von Übersetztern. Chinesisch spricht der Haunetaler – bis auf wenige Wörter – nicht.

Von der Welt hat Schäfer schon viel gesehen. Bevor es nach Hongkong ging, hat er sechs „erfolgreiche Jahre“ in der australischen Metropole Sydney gelebt und gerarbeitet, und auch nach Los Angeles hat es ihn bereits verschlagen. Privat ist der Haunetaler ebenfalls viel und gerne unterwegs – gemeinsam mit seiner Frau Gina, die er in Sydney kennengelernt hat und die nun zwischen Australien und Hongkong pendelt. 

„Wir versuchen das Leben gemeinsam zu genießen“, sagt Schäfer. Davon zeugen zahlreiche Fotos und Videos auf seinem Handy. Den Überblick über seine Koffer und Klamotten scheint Schäfer zu behalten. „Ich habe gelernt, mit leichtem Gepäck zu reisen und bin es gewöhnt, mich zu organisieren“, erklärt er lachend. Auch die Zeitverschiebungen bereiten ihm offenbar keine Probleme.

Die Mutter von Holger Schäfer und seine Ehefrau Gina.

Dass die standesamtliche Hochzeit in Kopenhagen und nicht in Haunetal-Neukirchen stattfand, hat übrigens rein praktische Gründe: „Dort gab es wesentlich weniger Papierkram zu erledigen.“ Gefeiert wurde schließlich aber doch in der Heimat: Im Kurparkhotel in Bad Hersfeld, international mit Gästen auch aus dem Ausland.

Etwa alle zwei Monate ist Holger Schäfer in Haunetal. Die Besuche verbindet er mit den regelmäßigen Vorstandstreffen in der Pariser Zentrale. Der Kontakt zu Familie und Freunden sei nie abgerissen, obwohl er inzwischen seit fast 30 Jahren weg sei – Facetime und WhatsApp sei Dank.

Wenn der 52-Jährige vom Frankfurter Flughafen kommt, die Autobahn verlässt und über den Sternberg fährt, genießt er den Blick aufs Haunetal. „Heimat ist Heimat und das hat sich nie geändert, egal ob ich in München oder Sydney gelebt habe“, sagt Schäfer. Wobei die Bedeutung mit dem Alter wieder zunehme. „In jungen Jahren will man die Welt entdecken, später wird die Heimat wieder wichtiger.“

Dass er als Jugendlicher in der elterlichen Gastwirtschaft und im Stall helfen musste, habe ihn nicht nur geprägt, sondern sicher auch seine Karriere gefördert, meint Schäfer rückblickend. Er wisse, wie man sich fokussiert, die Ärmel hochkrempelt und dass von nichts, nichts kommt.

In die Heimat zurückkehren, das kann er sich durchaus vorstellen – spätestens zur Rente. Damit sei auch seine Frau einverstanden.

Zur Person: 

Holger Schäfer (52 Jahre) kommt aus einem Haunetaler Ortsteil und hat 1985 am Obersberg sein Abitur gemacht. Bei der Allianz in Fulda absolvierte er anschließend eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann und ein Trainee-Programm. Über verschiedene Stationen im Unternehmen kam er schließlich zu seiner jetzigen Position bei Euler Hermes als Geschäftsführer für die Region Asien Pazifik. Schäfer hat unter anderem einige Jahre in München gelebt, in London und Los Angeles. Er ist der jüngste von vier Brüdern, die Eltern hatten früher eine Gastwirtschaft und eine Hühnerfarm. (nm)

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