„Gewerbegebiet wird sich füllen“

Sommerinterview mit Haunetals Bürgermeister Gerd Lang

Genießt den Blick in die Landschaft: Haunetals Bürgermeister Gerd Lang am Sternberg zwischen Wetzlos und Stärklos, im Hintergrund links ist der Stoppelsberg zu sehen.
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Genießt den Blick in die Landschaft: Haunetals Bürgermeister Gerd Lang am Sternberg zwischen Wetzlos und Stärklos, im Hintergrund links ist der Stoppelsberg zu sehen.

Über aktuelle Herausforderungen in der Gemeinde Haunetal sprach Nadine Maaz im Sommerinterview mit Bürgermeister Gerd Lang.

Seit dem zwölften Lebensjahr ist Gerd Lang in Stärklos zu Hause. Für die Landschaft in Haunetal kann sich der Bürgermeister aber immer noch begeistern. Über aktuelle Herausforderungen und mehr sprach Nadine Maaz mit ihm.

Wie ist die Marktgemeinde Haunetal bisher durch die Krise gekommen?

Wir sind meiner Einschätzung nach bisher gut zurechtgekommen. Was mir besonders wichtig ist, ist dass die meisten Bürger geduldig und diszipliniert mit der Situation umgegangen sind. Das haben wir zum Beispiel beim ersten Bauernmarkt nach der Corona-Pause gemerkt. Im Interesse der Allgemeinheit müssen individuelle Bedürfnisse nun auch mal zurückstehen, aber das funktioniert. Gemeinsam mit der Kirche hatten wir anfangs beabsichtigt, alle, die nicht mobil sind, zu unterstützen. Das war aber gar nicht nötig, da sich schnell Hilfsangebote über Familie, Nachbarn und Ehrenamtliche etabliert haben. Das ist sicher ein Vorteil des Lebens auf dem Land, wo die Solidarität – wie in Haunetal – stark ausgeprägt ist. Bei manchem hat sich in den vergangenen Wochen auch der Blick für die schöne Landschaft geschärft, die Verwaltung hat dadurch vermehrt Hinweise auf reparaturbedürftige Schilder oder andere Auffälligkeiten bekommen. Von den Menschen honoriert worden ist die Abstimmung mit allen Bürgermeistern und dem Landrat. So gab es keinen Wettlauf um neue Lockerungen. Das war richtig, richtig gut.

Welche Einschränkungen gab es im Rathaus und für die Bürger?

Um auch im Corona-Fall weiter einsatzbereit sein zu können, hatten wir unter anderem das Bauhof-Team in zwei Schichten eingeteilt. Natürlich konnte deshalb nicht alles immer sofort erledigt werden, die meisten Bürger haben dafür aber Verständnis. Im Rathaus wurden eilige Anliegen nach telefonischer Anmeldung bearbeitet.

Haushaltssperre ja oder nein, darüber gab es zuletzt Dissens zwischen Ihnen und der Gemeindevertretung. Wie ist es aktuell um die Gemeindefinanzen bestellt?

Mit den Gemeindefinanzen sind wir im Moment recht zufrieden. Es wurden bisher nur sehr wenige Stundungsanträge von Gewerbetreibenden gestellt, aber niedriger ausfallen wird auch die Einkommenssteuer. Schwieriger wird es voraussichtlich 2021 und vielleicht noch 2022, je nachdem, wie sich die Konjunktur wieder erholt. Eine Haushaltssperre halten der Gemeindevorstand und ich zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht und wenig sinnvoll, weil man die Zahlen noch gar nicht hat. Ähnlich haben sich ja auch das Wirtschaftsministerium, kommunale Spitzenverbände und der Landrat positioniert.

Müssen trotzdem Projekte auf Eis gelegt werden?

Bis jetzt müssen keine geplanten Projekte auf Eis gelegt werden. Ich stimme in diesem Zusammenhang mit dem Ministerium und den kommunalen Spitzenverbänden überein: Wenn die Kommunen als großer Auftraggeber vieler Firmen in der Region jetzt nicht antizyklisch arbeiten und wir nun die Arbeiten und Bauprojekte stoppen würden, wäre das fatal und das falsche Signal. Große Investitionen sind ja in der Regel ohnehin langfristig angelegt und es gibt Dinge, die müssen einfach gemacht werden, nämlich wenn es um die Daseinsvorsorge geht. Die Sanierung des Hochbehälters in Müsenbach ist ein Beispiel und wichtig für die Trinkwasserversorgung.

Alle warten auf eine Ansiedlung im Gewerbegebiet in Neukirchen, vielen geht es nicht schnell genug. Wo hakt es?

Ich habe es schon mehrfach erläutert. Das Problem war: So wie das Gewerbegebiet ursprünglich konzipiert war, konnte sich dort niemand ansiedeln. So waren etwa Flachdächer nicht erlaubt. Um das zu ändern und die komplette Behördenhierarchie bis zur Regionalkonferenz zu durchlaufen, hat es ohne Verzögerung rund zwei Jahre gedauert. Jetzt liegt der Vertrag mit Edeka beim Notar und zwei weitere Verträge sind in Aussicht. Darüber hinaus gibt es weitere Gespräche mit Interessenten. Das Gewerbegebiet wird sich in nächster Zeit füllen.

Ein großes Thema ist der Brandschutz. Der Technische Prüfdienst hat einige Mängel an bestehenden Gebäuden festgestellt. Wie geht es nun weiter?

Die letzte gemeinsame Sitzung mit dem Kreisbrandinspektor, einem Vertreter der Unfallkasse Hessen und den gemeindlichen Gremien ist noch nicht lange her, das Ergebnis: Sperrvermerke sind keine Lösung. Wir müssen den Brandschutz voranbringen, daran führt kein Weg vorbei. Für Wetzlos, Schletzenrod, Stärklos beispielsweise brauchen wir ein neues Fahrzeug, auch dafür müssen wir aber gewährleisten, dass dieses in einem Haus untergebracht wird, das den Normen entspricht, sonst wird das Fahrzeug nicht gefördert. In Meisenbach, Müsenbach, Mauers und Odensachsen besteht ebenfalls Handlungsbedarf. Das Thema wird uns in den nächsten Jahren noch beschäftigen, aber wir bewegen uns in die richtige Richtung. Bewährt haben sich die regelmäßigen Absprachen zwischen der Verwaltung und den Wehrführern.

Wie geht es Ihnen derzeit persönlich und wie verbringen Sie den Sommer?

Corona hat uns in gewisser Weise entschleunigt. Viele Termine, die nicht durch Telefonkonferenzen ersetzt werden konnten, sind weggefallen. Ganz besonders schade fand ich allerdings, dass auch viele Jubiläen und Feiern entfallen sind, egal ob Hochzeitsjubiläen, der Gemeindefeuerwehrtag, Kirmessen, das Haune-Rock-Festival oder 70 Jahre VdK Haunetal. Den Sommer verbringe ich mehr oder weniger zu Hause. Mit Haus und Hof ist immer was zu tun und mehr Zeit für die Familie zu haben, ist natürlich auch schön. Bei all dem Negativen ist das ein positiver Aspekt.

Die Stimmung zwischen Ihnen und der Gemeindevertretung ist seit geraumer Zeit frostig. Kann das so weitergehen?

Wir haben viele Sachthemen, die vor uns liegen, angefangen bei der Feuerwehr. In der nächsten Sitzung soll außerdem über das Integrierte Kommunale Entwicklungskonzept (IKEK) beraten werden. Ich bin mir sicher, dass wir da Konsens erzielen und zu guten Ergebnissen kommen werden.

Am 1. November wird gewählt. Wie lange haben Sie überlegt, wieder anzutreten und welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Die erste Wahlperiode liegt fast hinter mir. Das Bürgermeisteramt ist eine interessante und bürgernahe Aufgabe, die mir Spaß macht. Ich habe 2014 angekündigt, für zwei Amtszeiten zur Verfügung zu stehen und ich stehe zu meinem Wort. Von daher musste ich nicht darüber nachdenken.

Haben Sie denn in sechs Jahren ausreichend „abgeliefert“?

Das würde ich so sehen. Wir haben Liegengebliebenes aufgenommen und Bewährtes weiterentwickelt, aber auch eine Menge Neues angefasst. Ich sage bewusst wir, denn vieles wurde in der Gemeindeverwaltung erarbeitet und ist von den Gremien mitgetragen worden. Beispiele sind die erfolgreiche Bewerbung für das IKEK-Programm, das erweiterte Angebot im Mehrgenerationenhaus, die Beschaffung und der Einsatz des Bürgerbusses, der Umbau und die beantragte Erweiterung der Kita, wir haben das Gewerbegebiet vorangebracht, die Hausaufgaben im Bereich Wasser/Abwasser erledigt und das Verwaltungsgebäude modernisiert. Das macht Lust auf mehr.

Zur Person

Gerd Lang (62) wurde in Köln geboren und ist 1969 nach Stärklos gezogen. Mit seiner Frau Hannelore hat er eine Tochter und einen Sohn. Nach einer Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Einzelhandel entschied er sich für eine berufliche Zukunft im Staatsdienst und begann die Ausbildung beim Bundesgrenzschutz, bevor er für den gehobenen Kriminaldienst des Bundes studierte. 1995 wurde der Stärkloser nach einem weiteren Studium für den höheren Polizeidienst zum Kriminalrat ernannt. Von 2003 bis 2006 war Lang Abteilungsleiter Staatsschutz im Landeskriminalamt, bis 2009 Vizepräsident des thüringischen Landesamts für Verfassungsschutz. Ab 2010 leitete er das Bildungszentrum der Thüringer Polizei, seit 2103 zugleich den Fachbereich Polizei der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung. Im September 2014 wurde er mit 56,9 Prozent und zwei Gegenkandidaten zum Bürgermeister gewählt. Gerd Lang mag Fitness, Joggen, Fußball, Wandern und Lesen.

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