„Von Nörglern nicht beirren lassen“

Bürgermeisterwahl in Haunetal: Interview mit Amtsinhaber Gerd Lang

Haunetals Bürgermeister Gerd Lang vor dem Rathaus
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Haunetals Bürgermeister Gerd Lang möchte den eingeschlagenen Weg fortsetzen und am 1. November wiedergewählt werden. Sein Konkurrent ist Timo Lübeck.

Am 1. November wird in der Marktgemeinde Haunetal der Bürgermeister gewählt. Amtsinhaber Gerd Lang (parteilos) tritt erneut an. Wir haben ihn zum Interview gebeten.

Als Sie vor sechs Jahren die Wahl gewonnen haben, war das durchaus eine Überraschung, da Sie im Gegensatz zu den anderen Kandidaten kommunalpolitisch noch gar nicht engagiert waren. Was für ein Typ Bürgermeister sind Sie inzwischen?

Ich bin ein Bürgermeister, der bürgernah und für alle Probleme offen ist. Das merke ich häufig, wenn Bürger mich anrufen oder in mein Büro kommen und auch von Problemen erzählen, die den privaten Bereich betreffen. Das ist ein Zeichen, dass die Menschen mir gegenüber Vertrauen haben, und ich versuche dann, im Rahmen meiner Möglichkeiten zu helfen. Es gibt natürlich Dinge, da kann man nicht helfen oder nur einen Rat geben, wohin man sich sonst wenden kann. Was ich aber immer wieder merke, ist, dass, wenn Hilfe angeboten wird, diese auch gerne angenommen wird und das erfüllt mich auch selbst. Zu den Aufgaben eines Bürgermeisters gehört nicht nur das Organisieren, sondern auch Hilfe anzubieten und zu leisten.

Immer wieder kritisieren Kommunalpolitiker die mangelnde finanzielle Ausstattung der Kommunen, es gibt zahlreiche Vorgaben zu erfüllen – trotzdem scheint das Bürgermeisteramt noch attraktiv zu sein. Was macht für Sie den Reiz aus?

Wir haben gewisse Ziele, die wir uns setzen, die wir im Vorstand besprechen und die dann in der Gemeindevertretung beraten und beschlossen werden. Es gibt Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen, als langjährig erfahrener Behördenleiter ist mir das sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen. Natürlich könnte die finanzielle Ausstattung besser sein, trotzdem haben wir es geschafft, fünfmal hintereinander einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Das ist ein Novum für Haunetal seit Einführung der Doppik. Wir priorisieren nach Sparsamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit und leisten uns keine Prestigeobjekte. Viele Vorhaben stimmen wir mit den Ortsvorstehern oder dem GBI und den Feuerwehren ab. Das alles ist der Reiz, der dem Amt innewohnt. Allein hat der Bürgermeister natürlich nur beschränkte Möglichkeiten, er braucht die Bürger und die gemeindlichen Gremien.

Was wollen Sie besser machen als ihr Konkurrent und was steht als Nächstes an?

(überlegt) Ich vergleiche mich nicht mit meinem Konkurrenten. Ich bin jetzt seit sechs Jahren in Haunetal tätig und der Auffassung, dass wir uns in dieser Zeit sehr gut aufgestellt haben, und dass wir diesen Weg, den wir eingeschlagen haben, konsequent weitergehen sollten, ohne uns von Nörglern und Meckerern beirren zu lassen.

Wir haben in der Gemeinde ein starkes bürgerschaftliches Engagement, das wir weiter fördern müssen. Das ist mir ganz wichtig. Wenn wir eine gewisse Politikverdrossenheit spüren, hat das meist mit Parteipolitik zu tun. Im Vordergrund sollten aber immer Sachthemen und das Gemeinwohl stehen. Wir sind stolz, dass wir uns im IKEK-Programm durchsetzen konnten, und jetzt gilt es, die gemeinsam mit Bürgern entwickelten Ziele im Rahmen unserer Möglichkeiten umzusetzen. Auf die Fördermöglichkeiten für Private und die kostenfreien Beratungen möchte ich in diesem Sinne alle Bürger noch mal hinweisen. Es lohnt sich.

Worauf sind Sie besonders stolz, und was hätte besser klappen können?

Wir haben hier ein Team, das gut zusammenarbeitet, ob das die Kita, der Bauhof oder die Verwaltung ist. Das funktioniert sehr gut, und das gefällt mir. Wir sind stolz auf den Haushaltsausgleich. Auch der Rechnungsprüfungshof hat uns eine solide Haushaltsführung bescheinigt, was uns sehr freut.

Was ich ändern könnte? Ich habe mir mit Blick auf die kooperative Zusammenarbeit bisher selbst eine gewisse Zurückhaltung auferlegt. Das haben die Gremienmitglieder nicht immer richtig verstanden. Ich hätte hier und da deutlichere Aussagen treffen können. Das werde ich ändern.

Kurz vor der Wahl konnten Sie jüngst den ersten Grundstücksverkauf im Gewerbegebiet verkünden. War das Taktik oder reiner Zufall?

Wenn man Verhandlungen mit Firmen oder Konzernen führt, geht das nicht von heute auf morgen. Es handelt sich um komplexe Verhandlungen, die nun mal ihre Zeit dauern, was sicher so nicht jedem klar ist. Für den Abschluss mit der Firma Breul haben wir etwa ein Jahr verhandelt, das ist nichts Besonderes. Dass wir die Abschlüsse jetzt getätigt haben, hat sich so ergeben. Wir führen aktuell auch noch weitere Gespräche, und es sieht gut aus, dass wir bald den nächsten Vertrag fixieren können. Wie ich schon oft gesagt habe: Wir werden das Gewerbegebiet füllen.

Wo sehen Sie die Stärken Haunetals, und welche Schwächen gilt es auszugleichen?

Haunetal ist ein Standort, der relativ gut liegt, wenn wir uns auch nicht mit Kommunen vergleichen können, die unmittelbar an der Autobahn liegen. Wir haben eine wunderschöne Landschaft, die wir touristisch nutzen können. Auch hier haben wir in den letzten Jahren schon deutliche Fortschritte erzielt, und wir wollen daran weiter arbeiten. Im Rahmen von IKEK könnten wir versuchen, Ferienwohnungen anzubieten, da besteht tatsächlicher Bedarf. Die Lebensmittelversorgung ist gesichert und die ärztliche Versorgung ist gewährleistet. Im Pflegebereich versuchen wir ebenfalls, etwas zu etablieren. Ein Wunsch, der im Jugend-Workshop aufkam, ist ein Haune-Park auf den nicht mehr genutzten Tennisplätzen in Rhina, zum Beispiel mit Halfpipe oder anderen Outdoorsportgeräten zu errichten sowie einen Mehrgenerationenspielplatz in Neukirchen.

Was uns fehlt, ist Wohnraum. Auch für Firmen, die sich ansiedeln, wäre es schön, wenn die Mitarbeiter hier wohnen könnten. Wir wollen deshalb eine Initiative starten, um für die Vermietung von leer stehenden Wohnungen und Häusern zu werben und den Verkauf von nicht genutzten privaten Bauplätzen. Aktuell gibt es nur fünf freie gemeindliche Baugrundstücke. Ansonsten kann ich keine Schwäche ausmachen.

Kein Zeitungsforum, keine großen Infoveranstaltungen – wie hat sich der Wahlkampf in Zeiten von Corona verändert?

Vieles ist gleich geblieben: Ich gehe durch die Ortschaften, spreche mit den Menschen und verteile Flyer. Ich habe auf insgesamt neun coronagerechten Veranstaltungen den Dialog angeboten, der von den Menschen angenommen worden ist. So ein Forum ist eine schöne Sache, da es aber nicht stattfinden darf, komme ich auch ohne Forum zurecht.

Eigentlich hätte die Wahl schon im August stattfinden sollen. Welchen Einfluss hat Corona auf die Wahlbeteiligung?

Wir haben seitens der Gemeindeverwaltung alles so vorbereitet, dass die Wahl ohne Probleme stattfinden kann und niemand Angst haben muss. Wer dennoch unsicher ist, kann seine Stimme natürlich per Briefwahl abgeben. Die Briefwahl ist eine Option. Nicht wählen ist keine Option!

Ihr Wunschergebnis für den Wahlausgang?

Ich verstehe die Frage nicht (lacht) ... Ich möchte wiedergewählt werden, die Prozente sind dabei nicht das Entscheidende.

Zur Person

Gerd Lang (62) Polizeidirektor a.D., wurde in Köln geboren und ist 1969 nach Stärklos gezogen. Mit seiner Frau Hannelore hat er eine Tochter und einen Sohn. Nach einer Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Einzelhandel entschied er sich für eine berufliche Zukunft im Staatsdienst und begann die Ausbildung beim Bundesgrenzschutz, bevor er für den gehobenen Kriminaldienst des Bundes studierte. 1995 wurde der Stärkloser nach einem weiteren Studium für den höheren Polizeidienst zum Kriminalrat ernannt. Von 2003 bis 2006 war Lang Abteilungsleiter Staatsschutz im Landeskriminalamt, bis 2009 Vizepräsident des thüringischen Landesamts für Verfassungsschutz. Ab 2010 leitete er das Bildungszentrum der Thüringer Polizei, seit 2103 zugleich den Fachbereich Polizei der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung. Im September 2014 wurde er mit 56,9 Prozent zum Bürgermeister gewählt. Gerd Lang mag Fitness, Joggen, Fußball, Wandern und Lesen und er ist ehrenamtlicher Vorsitzender des VdK-Ortsverbands Haunetal.

Langs Ziele kurz zusammengefasst:

• Haushalt weiter konsolidieren und die Leistungsfähigkeit der Verwaltung erhalten

• Das Gewerbegebiet weiter erfolgreich vermarkten

• Die touristischen Infrastrukturen ausbauen, zum Beispiel durch ein Radewegekonzept für Haunetal und den Bereich Tourismus in der Verwaltung stärker verankern

• Machbarkeitsstudien „Alt werden in Haunetal“ auf den Weg bringen und umsetzen

• Einstellung eines Mitarbeiters für Leerstands-, Flächen- und Mietmanagement als IKEK-Maßnahme

• Freiflächengestaltung entlang des Rhinabaches und Sanierung der Kreisstraße 45.

• Wohnfunktion in allen Ortsteilen sichern, stärken und ausbauen

• Initiierung Erinnerungsprojekt zum jüdischen Leben in Rhina und Wehrda

• Umsetzung „Haune-Park“ aus dem IKEK-Jugend- und Zukunftsworkshop am Festplatz in Neukirchen und den Tennisplätzen in Rhina

• Den Breitbandausbau und die Digitalisierung weiter voranbringen

Leserfragen: Was möchten Sie von den Bewerbern wissen?

Die in der Vergangenheit gut besuchten Wahlforen unserer Zeitung müssen dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie leider ausfallen. Wir geben Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, trotzdem die Gelegenheit, den Kandidaten Fragen zu stellen. Senden Sie diese bitte bis zum 22. Oktober 2020 per E-Mail an redaktion@hersfelder-zeitung.de. Bitte geben Sie in der E-Mail nicht nur an, an wen sich Ihre Frage richtet, sondern auch Ihren Namen und Ihren Wohnort. Und: Die Fragen sollten nicht bereits in unseren Interviews gestellt worden sein. Ihre Fragen und die Antworten der Kandidaten werden dann in der HZ veröffentlicht. (Nadine Maaz)

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