Finanzierung der Pfarrstelle steht auf der Kippe

Spendenprojekt vor dem Aus? Kirchenretter in Wehrda suchen Mitstreiter

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Gemeindeversammlung: Wie es mit der Pfarrstelle in Wehrda weitergehen soll, darüber diskutierten etwa 50 Bürger und Vertreter der Kirche jetzt vor Ort. Vorn sitzend ab Zweiter von links Martina Weß vom Kirchenvorstand sowie Dekan Dr. Frank Hofmann und Pröpstin Sabine Kropf-Brandau, die die Veranstaltung moderierten. 

Die Pfarrstelle in Wehrda wird teils über Spenden finanziert. Wie es nach 2022 weitergehen soll, steht zur Diskussion. Ende März soll eine Grundsatzentscheidung getroffen werden.

Wie soll und kann es mit dem kirchlichen Leben in Wehrda, Rhina, Schletzenrod und Wetzlos weitergehen? Können und wollen Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde weiter mit Spenden dazu beitragen, dass „für das Wehrdaer Pfarrhaus“ eine volle Pfarrstelle zur Verfügung gestellt werden kann? Das war Thema einer Gemeindeversammlung am Dienstagabend in der Wehrdaer Kirche, die von rund 50 Frauen und Männern besucht und von Pröpstin Sabine Kropf-Brandau und Dekan Dr. Frank Hofmann geleitet wurde. 

Die Versammlung sollte dem Kirchenvorstand ein „Stimmungsbild“ für die von ihm am 24. März zu treffende Grundsatzentscheidung über das Projekt „Pfarrer vor Ort“ liefern.

Um das Gemeindeleben trotz Strukturreform und damit einhergehender Pfarrstellenreduzierung „zu schützen und lebendig zu halten“, hatten „Kirchenretter“ im Rahmen eines landeskirchenweit beachteten Pilotprojekts mit persönlichem und finanziellem Einsatz dafür gesorgt, dass für die Jahre 2017 bis 2022 jährlich 15 000 Euro aufgebracht werden, um eine volle, von der Gemeindemitgliederzahl allein nicht mehr zu rechtfertigende Pfarrstelle zu finanzieren. Treibende Kraft war damals – und ist auch jetzt wieder – der Patron der Wehrdaer Kirche, Tim Freiherr von Campenhausen. Gleich nach der vom Dekan vorgetragenen Erläuterung des aktuell geltenden Pfarrstellenfinanzierungssystems betonte er, dass Kirche und Pfarrer Institutionen seien, die das gesellschaftliche Leben einer Gemeinde prägen. Deshalb kämpfe er dafür, dass der Pfarrer vor Ort bleibe: „Amtshandlungssicherstellung reicht nicht. Ausübung des Glaubens kann nur gelebt werden, wenn der Pfarrer da ist.“ Vom „kleinen gallischen Dorf Wehrda“ müsse trotz aller, gerade bei der Renovierung der Kirchen erlebter Zumutungen und Zweifel das Signal ausgehen: „Wir geben nicht auf!“ Vor diesem Hintergrund bot von Campenhausen unter Beifall an, dass er seinen persönlichen Jahresspendenbetrag auf 7000 Euro erhöhen werde, wenn weitere Spender den Topf mit insgesamt noch einmal 12 000 Euro weitere fünf Jahre lang füllen.

Tim von Campenhausen, Patron der Wehrdaer Kirche

Martina Weß beleuchtete die Problematik aus Sicht des Kirchenvorstands. Dieser wünsche sich mindestens fünf neue Mitstreiter, die bereit seien, sich mit Tatkraft und neuen Ideen als „Kirchenretter“ einzubringen: „Es kann nicht sein, dass viele profitieren, aber nur wenige aktiv sind.“ Sie machte die Fortführung des Projekts davon abhängig, dass sich bis zum 22. März fünf neue Aktive finden. Ähnlich äußerten sich Maria Wepler und Dorothee Stuckardt. 

Starker Unmut über die schleppende Renovierung des Wehrdaer Gotteshauses, die immer langwieriger und teurer geworden und für die ebenfalls gespendet worden sei, wurde in der sich anschließenden Diskussion deutlich. „150 000 Euro hätten gespart werden können“, meinte Ralf Stuckardt. „Lasst uns das Geld lieber in die Pfarrstelle stecken“, forderte ein anderer Redner. Ein weiterer wies auf die Belastung hin, die ein Pfarrer aushalten müsse, wenn er wisse, dass seine Stelle von Spenden abhängig sei. Klaus Billing sah „ein großes Maß an Resignation“ und sprach sich gegen einen weiteren Griff in die Taschen der Gemeindeglieder aus. 

Der ehemalige Pfarrer Steffen Blum plädierte leidenschaftlich dafür, aktiv zu bleiben und das Projekt fortzuführen. Ähnlich äußerte sich die große Mehrheit. 

Von Wilfried Apel

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