Sie sollen an jüdische Mitbürger erinnern

Das Gedenken wachhalten: Weitere Stolpersteine in Rhina verlegt

Das Bild zeigt Ortsvorsteher Thorsten Nuhn, Ortschronist Kurt Bolender, Bürgermeister Timo Lübeck, der Vorsitzende des Heimatvereins Hans-Jürgen Nemluvil, Pfarrerin Nelli Michels und Pfarrer Thomas Funk mit Stolpersteinen in der Hand.
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Erinnerten an das Schicksal einstiger jüdischer Mitbürger in Rhina: Ortsvorsteher Thorsten Nuhn, Ortschronist Kurt Bolender, Bürgermeister Timo Lübeck, der Vorsitzende des Heimatvereins Hans-Jürgen Nemluvil, Pfarrerin Nelli Michels und Pfarrer Thomas Funk.

Weitere Stolpersteine, die die Erinnerung an einstige jüdische Mitbürger wachhalten sollen, sind jetzt im Haunetaler Ortsteil Rhina verlegt worden.

Rhina – „Stolpersteine sollen Menschen anregen, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, und die Erinnerung wachhalten.“ Mit diesen Worten eröffnete Haunetals Bürgermeister Timo Lübeck die zweite vom Heimatverein Rhina ausgehende Initiative zur Verlegung von Stolpersteinen. Zum Gedenken an die ehemaligen jüdischen Rhinaer hatten sich etwa 50 Mitbürger eingefunden und wohnten der Verlegung der Stolpersteine bei.

Pfarrerin Nelli Michels führte in ihrer kurzen Betrachtung aus, dass echtes Verstehen nur gelingt, wenn wir das Herz erreichen. Mögen wir über die Steine stolpern und innehalten. Pfarrer Thomas Funk aus Neukirchen meinte, dass Stolpersteine unsere Gedanken zum Stolpern bringen und uns diese nicht zuletzt heute mahnen würden, uns für eine faire und gerechte Welt einzusetzen.

Ortschronist Kurt Bolender, der sich seit Jahrzehnten für die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte Rhinas einsetzt, hatte die biografischen Fakten der jüdischen Mitbürger, denen ein Stolperstein gesetzt wurde, in verschiedenen Quellen recherchiert und zusammengestellt. Die Rhinaer Jugendlichen Ina Becker, Samuel Grobek, Morris Bolender, Luka und Julius Nuhn haben schließlich die Kurzbiografien unter Leitung von Silvia Becker vorgetragen.

Für Familie Sally Klebe: Samuel Grobek (vorn im Bild) legte weiße Nelken auf den Stolperstein. Das komplette Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken.

So wurde bei der zweiten Gedenkfeier folgenden ehemaligen jüdischen Mitbürgern gedacht: Bernhard Katz (Viehhändler), Emma Katz – von Frankfurt aus nach Lodz/Polen deportiert; Josef Klebe, stirbt 1942 in Theresienstadt, Tochter Jette Oppenheim, geb. Klebe, heiratete 1920 Emanuel Oppenheim, beide wurden nach Litauen deportiert und dort getötet, ebenso auch Tochter Else Oppenheim; Leopold Katz (Soldat im 1. Weltkrieg, kehrte als Kriegsbeschädigter zurück) sowie Bertha und Fredy Katz wurden nach Litauen deportiert; Sally Klebe (Manufaktur- und Kurzwarenhändler) stirbt 1937 in Rhina, seine Frau Lina und ihre Kinder Frieda, Miriam, Senta und Herbert werden 1941 in das Getto von Minsk deportiert und umgebracht; Victor Moritz (Manufakturenhändler) und seine Frau Karoline fliehen 1939 nach Frankfurt und werden von dort nach Litauen deportiert und ermordet.

Da der Künstler Gunter Demnig, von dem die Stolperstein-Initiative ursprünglich vielerorts ausging, dieses Mal nicht selbst zur Verlegung kommen konnte, verlegte Heino Katzer vom Bauhof die Steine. Die Feierstunde wurde von Elena Töws, Akkordeon, und Eckhard Möbius, Violine, mit jüdischen Liedern musikalisch umrahmt.

Bürgermeister Timo Lübeck dankte zum Schluss allen Akteuren der Gedenkfeier und lud im Namen des Heimatvereins Rhina und dessen Vorsitzenden Hans-Jürgen Nemluvil noch zu einem Imbiss am Dorfgemeinschaftshaus ein. (Brunhilde Miehe)

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