Geschichtsexkursion von Schülern in Haunetal

Auf den Spuren der jüdischen Mehrheit in Rhina

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Der jüdische Friedhof in Rhina: Spuren des Nazi-Terrors.

Rhina. Schüler der Alexander-von-Humboldt-Schule in Lauterbach haben den Haunetaler Ortsteil Rhina erkundet. Es war der einzige Ort in Preußen, der bis 1905 eine jüdische Mehrheitsbevölkerung hatte.

Unter sachkundiger Führung von Kurt Bolender, der sich ausführlich mit der jüdischen Geschichte seines Heimatortes auseinandergesetzt hat, ging die Gruppe durch den Ort und ließ sich zeigen, wo die jüdischen Familien einst gewohnt haben. Viele betrieben Geschäfte, zum Beispiel mit Eisenwaren und Schuhen, und es gab eine Bäckerei. Sie boten damit der Bevölkerung bequeme und nahe Einkaufsmöglichkeiten. Die Juden lebten im Dorf verteilt in enger Nachbarschaft zu den Christen und waren auch in den Vereinen engagiert. Am Schabbat (Samstag) verrichtete die christliche „Schabbesmagd“ die Arbeiten, die den Juden an diesem Tag verboten waren.

Kurt Bolender mit einer Schülerin am früheren Standort der Synagoge. Heute steht dort das Dorfgemeinschaftshaus. Fotos: Lindenthal/nh

1933 änderte sich alles sehr schnell. Wer konnte, verließ den Ort. Am 10. November 1938 wurde die Synagoge in Brand gesteckt. An ihrer Stelle steht heute das Gemeindehaus, an dem nun eine Tafel an das 1855 errichtete Gotteshaus erinnert. Dorthin hatte das Ehepaar Bolender zu einem kleinen Imbiss eingeladen.

Eine Gedenktafel befindet sich auch auf dem jüdischen Friedhof, der nächsten Station des Rundgangs. Viele Grabmale sind gekennzeichnet von der Zerstörungswut der Nazis, die auch vor dem Friedhof nicht Halt gemacht hatten.

Anschließend fuhr die Gruppe weiter nach Rotenburg, wo Dr. Heinrich Nuhn und seine Frau die Schätze des Jüdischen Museums vorstellten sowie die Nutzung der einzigartigen spätmittelalterlichen Mikwe (rituelles Tauchbad) erläuterten. (red/nm)

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