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Zwei Kandidaten – viel Einigkeit: HZ-Leserforum zur Bürgermeisterwahl in Hauneck

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Von: Nadine Meier-Maaz

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Stellten sich den Fragen von HZ-Redaktionsleiter und Moderator Kai A. Struthoff: Die beiden Bürgermeister-Kandidaten Thomas Kranz (unabhängig, links) und Stephan Bolender (SPD, rechts). Weitere Bilder unter hersfelder-zeitung.de
Stellten sich den Fragen von HZ-Redaktionsleiter und Moderator Kai A. Struthoff: Die beiden Bürgermeister-Kandidaten Thomas Kranz (unabhängig, links) und Stephan Bolender (SPD, rechts). Das komplette Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken. © Thomas Landsiedel

Am 16. Januar wird in Hauneck ein neuer Bürgermeister gewählt. Eine Woche vor der Wahl trafen die Kandidaten Stephan Bolender (SPD) und Thomas Kranz (unabhängig) nun aufeinander.

Eitra - Harmonie pur statt kontroverser Diskussion: Sachlich und fair, fast schon ein wenig zu emotionslos und oft ziemlich vage – so präsentierten sich die beiden Bürgermeisterkandidaten für Hauneck beim Leserforum der Hersfelder Zeitung am Samstag an der Turnerhütte in Eitra. Stephan Bolender (SPD) und Thomas Kranz (unabhängig) stellten sich vor rund 100 Zuhörern nicht nur den Fragen von HZ-Redaktionsleiter und Moderator Kai A. Struthoff.

Ein Überblick:

Geld und Großprojekte

Rathaus-Neubau, Kita-Erweiterung, Straßen- und Kanalbau: Mit rund 3,77 Millionen Euro investiert die Gemeinde 2022 eine Rekordsumme. Kann sich Hauneck das überhaupt leisten, wie ist es um die Gemeindefinanzen bestellt? Stephan Bolender macht sich diesbezüglich aktuell keine Sorgen. Schließlich sei der Haushalt seit vielen Jahren ausgeglichen und man greife auf Fördermittel zurück, wo immer möglich, so auch beim Neubau der Verwaltung. „Die Gemeinde ist finanziell gut aufgestellt und das soll auch so bleiben“, betonte der 52-Jährige. „Es wurde gemacht, was gemacht werden musste. Vor allem geht es momentan um den Erhalt der Infrastruktur“, sagte Thomas Kranz, der aber auch einräumte, als Außenstehender bisher nur wenig Einblick zu haben und dass er deshalb noch nicht allzu viel dazu sagen könne.

Anima Care Resort

Positiv eingestellt sind beide Kandidaten dem Anima Care Resort mit Pflegeheim und -hotel gegenüber, das sie als Chance betrachten. Skeptisch ist Kranz jedoch unter anderem, was die geplanten Wohnungen für Mitarbeiter angeht, wenn diese „aus dem Boden gestampft“ würden. Statt neue Flächen zu versiegeln, sei es besser, bestehende Baulücken zu nutzen und in Altbestände zu investieren. In Gesprächen mit Bürgern habe er zudem Sorgen um die Stromversorgung und den Brandschutz vernommen, berichtete der parteilose Bewerber. „Ich stehe zu hundert Prozent dahinter“, sprach sich SPD-Bewerber Bolender eindeutig für das Megaprojekt in Eitra aus. „Ich sehe einen Mehrwert für die Gemeinde, nicht nur finanziell.“ Bedenken gegen die Wohnungen versuchte er zu entkräften. Es sollten keinesfalls Ghettos entstehen. Einflussmöglichkeiten in vielen Belangen habe die Kommune im Übrigen über den städtebaulichen Vertrag, der derzeit ausgehandelt wird.

Gewerbegebiet A 4

Ein Thema, zu dem bereits vorab viele Leserfragen eingereicht worden waren und das auch Bolender und Kranz kritisch sehen, ist das von Schenklengsfeld ins Auge gefasste und an Hauneck angrenzende Gewerbegebiet in einem Waldstück an der A 4. Eine „kilometerweite Abholzung“ und die Zerstörung der Natur hält Thomas Kranz für nicht nachhaltig. Zudem gebe es bereits jetzt Probleme mit Lkw-Verkehr und entsprechenden Parkplätzen, so Kranz mit Blick auf die Blaue Liede. Konkrete Gespräche dazu habe er bisher aber nicht geführt. Auf die bedingten Einflussmöglichkeiten der Gemeinde verwies Stephan Bolender, der gleichzeitig daran erinnerte, dass es bisher nur eine Machbarkeitsstudie gebe, bei der etwa der Natur- und Wasserschutz noch gar keine Rolle gespielt habe. Sorgen bereite ihm speziell der Tiefbrunnen in Rotensee. Allerdings könne er sich derzeit kaum vorstellen, dass dieses Gewerbegebiet tatsächlich kommt.

Sicher ist sicher: Bei der 2G-Kontrolle am Eingang halfen Mitglieder des TV Eitra. Das Gelände an der Hütte des Vereins diente als Veranstaltungsort.
Sicher ist sicher: Bei der 2G-Kontrolle am Eingang halfen Mitglieder des TV Eitra. Das Gelände an der Hütte des Vereins diente als Veranstaltungsort. © Nadine Meier-Maaz

Tourismus und Gastronomie

Kaum Gaststätten, keine Touristenattraktionen – will sich Hauneck damit begnügen oder gibt es Ideen, um die Gemeinde kulinarisch-touristisch zu beleben? Das wollte auch eine Leserin wissen. Bei all seinen Gesprächen mit Bürgern sei das bislang kein Thema gewesen, so Kranz, wobei es mitten in der Pandemie auch schwierig sei, jemanden zu finden, der es wage, ein gastronomisches Angebot zu eröffnen. Vielmehr vermisse er Angebote für die Jugend wie einen Skaterpark oder eine Kletterwand. Auf die Hotelanlage im Pflegeresort und mögliche Mit-Ansiedlungen setzt Bolender, der allerdings auch Konkurrenz für die Vereine und Vereinsheime befürchtet.

Jugend und Familie

SPD-Kandidat Bolender sieht die Gemeinde gerade mit Blick auf die vielen Vereine oder den neuen Generationenplatz in Rotensee für junge Familien bereits gut aufgestellt. Konkrete Pläne oder Ziele habe er diesbezüglich nicht, er wolle Gesprächen mit den Gremien und möglichen Kosten aber auch nicht vorgreifen. Gut aufgestellt in Sachen Schule und Kita sieht auch der unabhängige Kranz Hauneck. Aber: Bei der Ganztags- und Ferienbetreuung könne man durchaus noch etwas tun. Außerdem vermisst er zentrale Bezugs- und Treffpunkte in den Ortsteilen.

Bahnübergang

Seit Langem ein Ärgernis ist der einspurige Bahnübergang in Unterhaun, an dem nicht nur Autofahrer oft sehr lange warten müssen. Für Stephan Bolender ist eine Unterführung dennoch keine Option. Vom Eingriff in die Natur abgesehen sei es vor allem die hohe finanzielle Beteiligung der Gemeinde, die der nächsten Generation kaum zuzumuten sei. Ein zweispuriger Ausbau, wie aktuell vorgesehen, sei deshalb zwar nur eine „50-prozentige“, aber die bessere Lösung. Thomas Kranz sieht viele Unabwägbarkeiten noch mit Blick auf die generelle Planung der Bahn, aber speziell auch wegen des noch nicht feststehenden ICE-Halts im Kreis.

Ziel für die Zukunft

Wie sich Kranz und Bolender die Gemeinde zum Ende ihrer Amtszeit vorstellen? „Mir würde es vollkommen ausreichen, wenn ich dann in einer Gemeinde lebe, in der alle Generationen gut und gerne leben“, formulierte Kranz seine Vision. „Dem kann ich mich nur anschließen“, sagte Bolender, der sich zudem auch dann noch eine solide Finanzlage wünscht.

Warum Thomas Kranz glaubt, der bessere Bürgermeister zu sein:

Thomas Kranz ist 58 Jahre alt, verheiratet und Vater eines zehn Jahre alten Sohnes. Acht Mal sei er in seinem bisherigen Berufsleben umgezogen, berichtete er, seit rund 20 Jahren lebt er aber nun schon in Schleswig-Holstein. Aufgewachsen ist Kranz zunächst in Bebra, bevor die Familie nach Hauneck zog, wo schon die Großeltern lebten. Seine Eltern leben immer noch in Oberhaun und auch seine Frau kommt aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg. Nach einer Ausbildung zum technischen Zeichner im Stahlbau, orientierte er sich in Richtung Informationstechnik (IT) um und schloss eine zweite Ausbildung zum EDV-Kaufmann an. Aktuell ist der 58-Jährige bei der Edeka-Zentrale in Hamburg beschäftigt und im Bereich Projekt- und Produktmanagement tätig. Warum er nun mit 58 Bürgermeister werden möchte? „Für den Ruhestand ist es noch zu früh. Ich möchte gerne noch etwas bewegen und noch nicht die Füße hochlegen“, so Kranz. Vor den Aufgaben und der Verwaltung habe er keine Angst: „Ich habe mich echt eingelesen.“ Auf die Frage, warum er der Bessere sei, gab sich der parteilose Kandidat mit „hellgrünem Herz“ ebenso bescheiden wie diplomatisch: „Dazu kann ich nicht viel sagen, und es ist letztlich auch nicht messbar. Wir würden beide vernünftig arbeiten und dabei auf die Finanzen achten.“ 

Warum Stephan Bolender glaubt, der bessere Bürgermeister zu sein:

Stephan Bolender ist 52, Vater von zwei mittlerweile schon erwachsenen Söhnen und trotz vieler Ehrenämter glücklich verheiratet, wie er mit einem Augenzwinkern extra betonte. Er lebt in Hauneck-Rotensee, ist seit 1998 Mitglied der Gemeindevertretung und seit 2011 auch deren Vorsitzender. Nach der Ausbildung zum Zahntechniker schloss er mit Ende 20 noch eine Meisterausbildung an. 1999 machte er sich gemeinsam mit einem Partner zunächst in Eisenach selbstständig, bevor er das Dentallabor 2010 in sein Elternhaus in Rotensee verlegte und 2021 schließlich nach Bad Hersfeld. Acht Mitarbeiter hat der selbstständige Handwerksmeister aktuell – warum er trotz eigener Firma ausgerechnet Bürgermeister werden möchte? „Ich möchte mein Hobby zum Beruf machen“, so der SPD-Kandidat. Die Firma stehe auf gesunden Beinen, man habe eine interne Lösung gefunden und die Familie stehe ebenfalls hinter ihm. Auch Bolender fühlt sich sicher genug, um die Verantwortung als Rathauschef zu übernehmen. Auf die Frage, warum er der bessere Kandidat sei, äußerte er sich ähnlich zurückhaltend wie sein Kontrahent. „In der Kommunalpolitik geht es darum, nicht einseitig und rücksichtslos Interessen durchzusetzen.“ Auch künftig wolle er gemeinsam und über Parteigrenzen hinweg arbeiten. (Nadine Meier-Maaz)

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