1. Hersfelder Zeitung
  2. Lokales
  3. Hauneck-Haunetal
  4. Hauneck

Die „Schneyseycher“ haben in Eitra Tradition

Erstellt:

Von: Kim Hornickel

Kommentare

Die Eitraer „Schneyseycher“ haben ihren Uznamen dem Wildpinkeln ihrer Vorfahren zu verdanken.
Die Eitraer „Schneyseycher“ haben ihren Uznamen dem Wildpinkeln ihrer Vorfahren zu verdanken. © Privat

Fast jeder Ort hat ihn: einen Uznamen. Meist vergeben von benachbarten Dörfern sind die Spitznamen voller Spott, Neid oder gar Überheblichkeit

Eitra – Sie pinkelten wohl gerne in den Schnee und deshalb klebt der Uzname „Schneyseycher“ noch heute an den Eitraern.

Heiner Schott aus Eitra war dem Mythos über die Wildpinkler auf der Spur und resümiert: „Meine Recherchen haben ergeben, dass, wenn die Eitraer Jungen von Festveranstaltungen den Nachhauseweg antraten, sie oftmals aus Spaß ihre Namen im Schnee verewigten.“ Das freizügige Verhalten rächte sich, und die umliegenden Dorfbewohner tauften sie ab sofort die „Eytersche Schneyseycher“.

Obwohl der Dorfname in Eitra noch heute bekannt ist, musste Heiner Schott einige Zeit suchen, bis er ein Bild des „Schneyseycher“ fand.

Auf einem Holzbrett, das der Eitraer Thomas Schott gemalt hat, ist der Übeltäter zu sehen. Frech grinsend und in den Schnee pinkelnd, steht ein blonder Junge in grünen Socken und mit brauner Lederhose da. Die Aufschrift verrät, wofür die Zeichnung angefertigt wurde, nämlich die „Schneyseycher Kärmes Eyter“.

Für welches Jahr die Zeichnung die Kirmes zierte, konnte Heiner Schott zwar nicht herausfinden, aber während seiner Nachforschungen bei den Dorfältesten kam heraus, dass die Eitraer nicht erst seit gestern die „Schneyseycher“ sind. „Das ganze konnte sich ja eigentlich nur im Winter abgespielt haben, und zwar in den frühen 1900 Jahren“, sagt Schott, der auch mit den über 80-Jährigen im Dorf gesprochen hat. Nur über Mundpropaganda hat sich der Dorfname der Eitraer bis heute erhalten. Schriftlich festgehalten ist bislang nichts.

Außer der Zeichnung auf Holz gibt es jedoch noch eine verschollene Fahne, die die „Schneyseycher“ zeigt – ein weiterer Beweis für den Uznamen der Eitraer. Heiner Schott konnte die bemalte Fahne jedoch bisher nicht finden. Deshalb appelliert Schott auch an die Eitraer: „Wer etwas über die Fahne weiß, kann sich gerne bei mir melden.“ Schott ist per Mail unter heiner.schott@web.de zu erreichen, und hofft, so die verschwundene Flagge wiederzuentdecken. (Kim Hornickel)

Auch interessant

Kommentare