1. Hersfelder Zeitung
  2. Lokales
  3. Hauneck-Haunetal
  4. Hauneck

Sandra Vogt ist Fleischer-Meisterin: Die Branche wandelt sich

Erstellt:

Von: Laura Hellwig

Kommentare

Sie wird eines Tages den Betrieb übernehmen: Sandra Vogt ist Fleischer-Meisterin und Betriebswirtin. Die Rohwurst ist die Spezialität der Metzgerei Schott.
Sie wird eines Tages den Betrieb übernehmen: Sandra Vogt ist Fleischer-Meisterin und Betriebswirtin. Die Rohwurst ist die Spezialität der Metzgerei Schott. © Laura Hellwig

Zum Tag des Handwerks am am 17. September stellen wir Handwerksbetriebe und ihre Arbeit vor. Heute: die Metzgerei Schott aus Fischbach.

Fischbach – 500 bis 1000 Kilogramm Fleisch werden in der Metzgerei Schott in Fischbach jeden Tag verarbeitet. Fleischwurst, Leberkäse, Konserven, Stracke und mehr werden im Haunecker Ortsteil produziert und verkauft. Drei weitere Geschäfte gibt es außerdem in Unterhaun, Sorga und Ransbach. Hinter dem Familienbetrieb, der im Jahr 1981 von Walter und Wilma Schott aufgebaut wurde, stehen heute 55 Mitarbeiter.

Sandra Vogt arbeitet in zweiter Generation im Betrieb und wird diesen eines Tages von ihrem Vater übernehmen. Sie ist Fleischer-Meisterin und Betriebswirtin. „Ich habe mit meinem Vater ein tolles Vorbild. Ich bin mit dem Betrieb groß geworden“, sagt die 47-Jährige über ihre Motivation, Fleischerin zu werden. Besonders gerne ist sie im Verkauf tätig. „Der Kontakt mit den Kunden erfüllt mich“, sagt sie. Es bestärkt sie, wenn von den Menschen positive Rückmeldungen kommen. Außerdem könne man kreativ sein, wenn man neue Rezepte entwickele.

500 bis 1000 Kilogramm Fleisch jeden Tag: Hier verarbeiten die Mitarbeiter die frischen Bratwürste.
500 bis 1000 Kilogramm Fleisch jeden Tag: Hier verarbeiten die Mitarbeiter die frischen Bratwürste. © Laura Hellwig

Die Fleischerei Schott verfügt noch über ein eigenes Schlachthaus, womit sie heute nur noch einer von wenigen Betrieben im Landkreis ist, der selbst schlachtet. Dafür hat sich der Betrieb im Jahr 2009 mit einer EU-Zulassung entsprechend zertifizieren lassen. „Wir arbeiten hier noch recht traditionell“, erklärt Vogt.

So werden etwa viele natürliche Gewürze verwendet und die naturgereifte Rohwurst ist das Kerngeschäft der Metzgerei. Die Lieferanten von Schweinen und Rindern kommen aus der Region, und die Tiere werden erst in einem höheren Alter und mit mehr Gewicht geschlachtet, erklärt Vogt. Dadurch bekommt das Fleisch eine andere, bessere Qualität.

Seit wenigen Wochen Auszubildender der Metzgerei Schott: Jannes Deiseroth (16) lernt den Fleischer-Beruf. Auf unserem Foto halbiert er gerade die Fleischwürste.
Seit wenigen Wochen Auszubildender der Metzgerei Schott: Jannes Deiseroth (16) lernt den Fleischer-Beruf. Auf unserem Foto halbiert er gerade die Fleischwürste. © Laura Hellwig

Der Beruf der Fleischerin beziehungsweise des Fleischers hat mit denselben Herausforderungen zu kämpfen, wie viele andere Handwerksberufe auch. Der Beruf ist laut Vogt leider nicht besonders angesehen und, wie in anderen Branchen auch, sei es schwierig, Auszubildende zu finden.

Die Fleischerei Schott selbst bildet sowohl Fleischer als auch Fleischereifachverkäufer aus. In diesem Sommer hat der 16-jährige Jannes Deiseroth seine Ausbildung in der Produktion begonnen. „Die meisten unserer Mitarbeiter haben auch bei uns gelernt“, sagt Vogt.

Arbeitet gerne im Verkauf: Sandra Vogt im Laden in Fischbach.
Arbeitet gerne im Verkauf: Sandra Vogt im Laden in Fischbach. © Laura Hellwig

Wer diesen Beruf lernen möchte, sollte gewisse körperliche Voraussetzungen erfüllen und handwerkliches Geschick mitbringen, sagt die Betriebswirtin. Außerdem sollte man gut mit Tieren umgehen können, sodass sie bis zum Ende richtig begleitet und entsprechend behandelt werden können, so Vogt. „Das Tierwohl steht im Fokus.“ Außerdem sollte ein Fleischer gut im Team arbeiten können, auf Hygiene achten, und gut mit Zahlen umgehen können, erklärt die 47-Jährige. In der Branche wird es einen Wandel geben, prognostiziert Vogt. Eine Ursache dafür sei, dass Betriebe schließen müssen, weil sie keine Nachfolger finden oder Mitarbeitermangel haben.

Auch der Betrieb der Familie Schott selbst entwickelt sich ständig weiter. Seit der Gründung vor rund 40 Jahren ist der Hauptsitz in Fischbach stetig gewachsen. Neue Maschinen sind hinzugekommen, moderne Technik erleichtert die Arbeitsabläufe.

In der Vergangenheit hat außerdem das Versand-Geschäft zugenommen. Seit vielen Jahren verkauft Schott seine Ware bereits übers Internet. Seit Corona ist dieser Geschäftsbereich nochmals gewachsen. Und noch eine Veränderung hat Corona erzeugt: Die Menschen achten mehr auf die Qualität und Herkunft ihrer Lebensmittel, so Vogt. (Laura Hellwig)

Auch interessant

Kommentare