Initiatoren halten an Plänen fest

Oberhaun will mit Nahwärmenetz zum Bioenergiedorf werden – aber noch fehlen Interessenten

Die Initiatoren des Nahwärmenetzes in Oberhaun am Besprechungstisch. Haunecks Bürgermeister Harald Preßmann (links) mit (von links) Michael Wershofen, René Kürstner, Jan Schreiber, Bernd Eidam (dahinter), Jochen Hickmann, Alexander Otter und Kai Sattler. Es fehlt Mario Sinner, der der Arbeitsgruppe ebenfalls angehört.
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Glauben weiterhin an das Nahwärmenetz Oberhaun: Haunecks Bürgermeister Harald Preßmann (links) mit (von links) Michael Wershofen, René Kürstner, Jan Schreiber, Bernd Eidam (dahinter), Jochen Hickmann, Alexander Otter und Kai Sattler. Es fehlt Mario Sinner, der der Arbeitsgruppe ebenfalls angehört.

Im Haunecker Ortsteil Oberhaun soll ein Nahwärmenetz entstehen, das möglichst viele Haushalte versorgen soll. Für die tatsächliche Umsetzung mangelt es aber noch an Teilnehmern.

Oberhaun – Oberhaun soll das erste Bioenergiedorf im Kreis Hersfeld-Rotenburg werden. Daran arbeiten knapp zehn Bewohner des Haunecker Ortsteils seit nunmehr fünf Jahren. Noch fehlen für die tatsächliche Umsetzung des Vorhabens allerdings einige wenige, aber entscheidende Teilnehmer.

„Viele finden die Idee gut, aber einige haben wohl noch zu wenig Vertrauen“, sagt Ortsvorsteher Bernd Eidam, der zur aktuell achtköpfigen Arbeitsgruppe gehört. Mit Blick auf steigende Öl- und Gaspreise hat der Oberhauner ebenso wie seine Mitstreiter jedoch durchaus noch Hoffnung, dass sich in naher Zukunft noch weitere Interessenten anschließen. Zudem sei man inzwischen mit der etablierten EAM als möglichem Betreiber in aktiven Gesprächen.

Geplant ist ein genossenschaftliches Nahwärmenetz im westlichen Teil Oberhauns, bei dem die Wärme für möglichst viele und kompakt beieinanderliegende Häuser zentral in einem Heizwerk durch Solarthermie und Hackschnitzel erzeugt wird. Etwa 200 Häuser gibt es in Oberhaun-West. 50 Absichtserklärungen von Interessenten liegen derzeit vor. Laut einer über das Leader-Programm geförderten, aber teils auch privat finanzierten Machbarkeitsstudie müssten jedoch 70 Teilnehmer dabei sein, um das Nahwärmenetz wirtschaftlich betreiben zu können. Bei weniger Teilnehmern müsste mindestens neu gerechnet werden, erklärt Alexander Otter. Ein weiteres Ergebnis der Studie, die seit Herbst 2020 vorliegt: 80 Prozent der CO2-Emissionen könnten gegenüber der bisherigen Wärmeerzeugung mit fossilen Energien eingespart werden (wir berichteten).

Jochen Hickmann bezeichnet das Vorhaben indes nicht nur aus klimapolitischer Sicht als „gutes Geschäft“, das den Wert einer Immobilie steigere. Und auch Michael Wershofen betont, dass die Nahwärme gerade für ältere Häuser mit bisher hohem Energieverbrauch interessant sei.

Zurückgeworfen habe das Projekt zuletzt wohl auch die Corona-Pandemie, glauben die Initiatoren, die schon einige Bioenergiedörfer besichtigt haben. Unter anderem seien zwischenzeitlich keine weiteren Informationsveranstaltungen oder „Haustürwerbung“ möglich gewesen. Bürgermeister Harald Preßmann führt noch einen weiteren Grund ins Feld: die gute Erdgasversorgung in Oberhaun. Ölheizungen werden ab 2026 nicht mehr genehmigt.

Einen möglichen Standort für das benötigte Kraftwerk hat die Arbeitsgruppe am Ende des Dorfes bereits ins Auge gefasst. Der Eigentümer des Privatgrundstücks sei bereit, die Fläche zu verkaufen, geklärt werden müssten jedoch noch baurechtliche Fragen, weshalb man auch mit dem Kreisbauamt in Kontakt stehe. Etwa 3000 Quadratmeter würden für das Herzstück des Nahwärmenetzes benötigt, inklusive etwa 700 Quadratmetern Solarfläche und Hackschnitzeldepot. „Man sieht nichts, hört nichts und riecht nichts“, beschreibt Michael Wershofen seine Erfahrung.

Anfang 2022 soll nun jedenfalls eine Genossenschaft gegründet werden. Sich dem Nahwärmenetz im Nachhinein noch anzuschließen ist laut Otter zwar nicht unmöglich, aber teurer, weil dann neu geplant werden müsse. (Nadine Meier-Maaz)

Nahwärmenetz statt Öl- und Gasheizung

Ein Nahwärmenetz soll alte Öl- und Gasheizungen ersetzen. Als Nahwärme wird die Übertragung von Wärme zwischen Gebäuden zu Heizzwecken beschrieben, wenn sie über kurze Strecken erfolgt. Ein Nahwärmenetz besteht aus einer zentralen Heizungsanlage, einem Verteilnetz und mehreren Hausübergabestationen. Die Wärme wird quasi „fertig“ im Haus angeliefert. Als Energiequelle werden oft Hackschnitzel, Solarthermie oder Biogase eingesetzt. Betrieben werden die Netze in der Regel von Genossenschaften. In Hauneck sollen auch heimisches Abfallholz, Ast- und Strauchgut genutzt werden.

Hier gibt es weitere Informationen

Ausführliche Informationen rund um das Nahwärme-Projekt und die handelnden Akteure gibt es auf der eigens erstellten Internetseite bioenergiedorf-oberhaun.de. Einen Überblick bietet etwa das „Fragen und Antworten“ zum Thema.
Weitere Auskünfte sind auch persönlich möglich. Kontakt über: Jochen Hickmann, Telefon 0151/42845310, Alexander Otter, Telefon 0176/22902923, Bernd Eidam, Telefon 06621/3984. Die E-Mail-Adresse lautet: nahwaerme@oberhaun.de.

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