32 Männer bei der Gründung am 5. März 1920

100. Geburtstag ohne Gäste: Der Gesangverein Oberhaun feiert Jubiläum

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Blicken auf die 100-jährige Geschichte des Gesangvereins Oberhaun zurück: Kassenwart Thomas Möckl, 1. Vorsitzender Gerhard Schott und 2. Vorsitzender und Schriftführer Lothar Braun (von links) mit alten Aufzeichnungen und Bildern in der Vereinsgaststätte Schacht. Dort wird immer noch regelmäßig geprobt. 

Der 100. Geburtstag sollte eigentlich gebührend gefeiert werden. Doch wegen der Corona-Pandemie musste der Gesangverein Oberhaun die für Juni geplante Veranstaltung absagen. 

Stolze 100 Jahre alt ist der Gesangverein Oberhaun in diesem Jahr geworden. Doch: „Wir gehören zu einer aussterbenden Spezies“, sagt der 2. Vorsitzende Lothar Braun. Da gehe es den Oberhaunern leider nicht anders als vielen traditionellen Gesangvereinen.

Mit rund 100 Gästen und Gastvereinen aus der Nachbarschaft groß gefeiert werden sollte eigentlich am 20. Juni im Dorfgemeinschaftshaus. Die Planungen waren fast abgeschlossen, die Einladungen bereits verschickt. Doch wegen der Coronavirus-Pandemie musste die Geburtstagsfeier nun abgesagt werden. Ein wenig enttäuscht sind die Sänger und Sängerinnen natürlich schon, doch es gibt Wichtigeres und andere treffe es schlimmer, ist man sich im Vorstand einig.

Auch die Proben ruhen derzeit zwangsläufig, und der 1. Vorsitzende Gerhard Schott gibt freimütig zu: „Ich hoffe, dass wir nach längerer Pause alle wieder zusammenfinden.“ Normalerweise wird immer donnerstagsabends geprobt – seit gut 50 Jahren wird in der Gaststätte Schacht gesungen, zuvor war die ehemalige Gaststätte Kiel das musikalische Heim.

Um alle Stimmen abdecken zu können und schwächere auszugleichen, wird mittlerweile im vierten Jahr gemeinsam mit dem MGV Sieglos gesungen, der inzwischen ebenfalls Frauen in seinen Reihen hat. Der Gesangverein Oberhaun hatte sich 1968 mit dem Frauenchor zusammengeschlossen.

Das Repertoire ist durchaus gemischt und in den vergangenen Jahren habe man sich auch mal an ABBA oder Udo Jürgens gewagt, vornehmlich widmet sich der Chor aber nach wie vor dem volkstümlichen deutschen Liedgut. Darüber, welche Lieder gesungen werden, entscheidet Chorleiterin Rita Mand. „Es muss passen“, erklärt Lothar Braun, wenngleich die Geselligkeit im Vordergrund stehe und es nicht um gesangliche Höchstleistungen gehe.

Männerrunde: Anfangs waren die Sänger unter sich – das Foto stammt aus 1955. 1968 schloss man sich mit dem Frauenchor zusammen.

Noch 48 Mitglieder hat der Gesangverein Oberhaun, aber keine 20 aktiven Sänger und Sängerinnen mehr. Zu Hochzeiten waren es über 80 Mitglieder und um die 40 Aktive. „Die 70er-Jahre waren die Blütezeit des Vereins“, berichtet Lothar Braun. Derzeit seien eher Projektchöre auf Zeit gefragt. Die älteste Oberhauner Sängerin ist 90, der Jüngste ist Kassenwart Thomas Möckl mit gerade eben noch 59 Jahren. Weitere Mitstreiter „um die 50 plus“ wären natürlich gern gesehen.

Auftritte hat der Verein bei Familienfeiern, Geburtstagen ebenso wie Beerdigungen, Jubiläen und gemeinschaftlichen Chorveranstaltungen im Sängerbezirk. Fünf bis zehn seien es im Jahr, „früher waren es deutlich mehr“, so Braun. Bis Ende der 90er-Jahre gab es sogar noch Kritiksingen, bei denen die Leistungen der Chöre professionell bewertet wurden.

Entfallen wird ausgerechnet im Jubiläumsjahr wohl auch die jährliche Vereinsfahrt. Da sie wegen der für Juni vorgesehenen Feier aber ausnahmsweise auf Herbst verschoben wurde, besteht in diesem Fall zumindest noch etwas Hoffnung.

Hintergrund: Auf einen Schlag 32 Sänger bei Gründung am 5. März 1920

Der Gesangverein Oberhaun wurde am 5. März 1920 gegründet. Der damalige Lehrer der Gemeinde, Heinrich Altvater, hatte laut Chronik alle am Gesang interessierten Männer in das Gasthaus Kiel eingeladen, um dort mit ihnen über die Gründung eines Vereins zu sprechen. 32 Männer waren der Einladung gefolgt, und alle erklärten sich bereit, an dem Projekt mitzuwirken. Jedes Mitglied musste eine Eintrittsgebühr in Höhe von fünf Mark zahlen, von dem Geld wurden Liederbücher bestellt. Schon eine Woche später fand die erste Gesangstunde mit Heinrich Altvater, der als Chorleiter fungierte, statt. Der erste Auftritt folgte Ostern in der Kirche. 

In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 und auch noch bis 1947 ruhte der Chorgesang in Oberhaun. Am 1. Oktober 1947 trafen sich schließlich 21 Sänger bei Kiel, um diesen wieder aufleben zu lassen. Am 31. Oktober erhielt der Verein vom Landkreis Hersfeld wieder die Genehmigung, als Gesangverein aufzutreten. Schon 1962 gab es erste Überlegungen, einen gemischten Chor zu gründen, doch erst sechs Jahre später kam es zum Zusammenschluss mit dem noch jungen Frauenchor des Vereins. 

Die gemeinsame Leitung übernahm der junge Dirigent Emil Möckl. 25 Jahre später wurde das gemeinsame Bestehen unter immer noch gleicher Leitung gebührend gefeiert. Erst 2003 gab Möckl den Dirigentenstab an Rita Mand weiter, die noch heute Chorleiterin ist.

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