„Rechne mit 500 000 Euro Minus“

Sommerinterview mit Haunecks Bürgermeister Harald Preßmann

Das Bild zeigt Haunecks Bürgermeister Harald Preßmann mit Helm und Sportoutfit auf dem Fahrrad. Das Bild entstand auf dem sogenannten Hochzeitsplatz vor dem Rathaus in Unterhaun.  
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Einer seiner Lieblingsorte ist der Fahrradsattel: Mit seinem E-Bike ist Bürgermeister Harald Preßmann nicht nur gern in der Umgebung unterwegs. Er nutzt das Rad auch regelmäßig, um in Hauneck nach dem Rechten zu sehen oder das Vorankommen von Projekten in Augenschein zu nehmen.

Im Sommerinterview spricht Haunecks Bürgermeister Harald Preßmann über anstehende Bauprojekte, Corona-Absprachen mit den Kollegen und seine Urlaubspläne.

Hauneck – In seiner (wenigen) Freizeit ist Haunecks Bürgermeister Harald Preßmann gern mit dem Fahrrad unterwegs. Aber auch um in der Gemeinde nach dem Rechten zu sehen oder um das Vorankommen von Projekten in Augenschein zu nehmen, nutzt er das E-Bike. Zum Sommerinterview fuhr er jetzt ebenfalls mit dem Rad vor. Mit Harald Preßmann sprach Nadine Maaz.

Wie ist die Gemeinde Hauneck bisher durch die Krise gekommen?

Fast alle mussten irgendwo Abstriche machen und Einschränkungen hinnehmen, das ist klar. Im Großen und Ganzen sind wir bisher aber recht gut durchgekommen. Wichtig war aus meiner Sicht aber auch, dass wir uns kreisweit verständigt und mit dem Landrat die Vorgehensweisen festgelegt haben, sodass kein Bürger sagen konnte, in Bad Hersfeld oder Ludwigsau ist es anders.

Die Notbetreuung in der Kita hat ebenfalls gut funktioniert. Anfangs hatten wir acht Kinder, zum Schluss über 40. Wir waren eigentlich auch für die Wochenendbetreuung im Kreis vorgesehen, kamen aber gar nicht zum Einsatz. Wir haben die Gebühren erlassen für alle, die keine Leistung in Anspruch genommen haben, und nun für die kompletten Sommerferien eine Betreuung eingerichtet, die Eltern in Anspruch nehmen können, wo beide berufstätig sind. Sonst ist die Kita drei Wochen zu. Unser Nottelefon gemeinsam mit der Kirche wurde anfangs gut genutzt, vor allem die Hilfsbereitschaft war groß. Dann haben sich die meisten über Nachbarn und Familie organisiert und inzwischen konnten wir das Angebot einstellen.

Wie ist es denn um die bisher ganz soliden Gemeindefinanzen bestellt?

Die Finanzen leiden bei so einer Geschichte natürlich. Es sind viele Gewerbesteuerbescheide gekommen, die auf Null gegangen sind, und auch bei den Kita-Gebühren haben wir ein paar Euros draufgelegt. Es hält sich aber noch in Grenzen. Mit Einbußen müssen wir jedoch sicher auch noch bei der Einkommenssteuer rechnen. Nicht nur dieses, sondern auch nächstes Jahr. Ich rechne insgesamt mit einem Minus um die 500 000 Euro für dieses Jahr. Herbe Verluste könnten aber auch in den kommenden Jahren drohen. Ich hoffe auf ein Einsehen von Land und Bund, sodass die Löcher für dieses Jahr erst mal gestopft werden und wir die nächsten Jahre dann zusammen planen. Denn wie heißt es sonst so schön: Wir sind eine kommunale Familie.

Müssen trotzdem kostspielige Projekte – wie der geplante Rathausneubau oder die Kita-Erweiterung – auf Eis gelegt werden?

Nein, auf Eis gelegt werden müssen keine Projekte. Aber die Umsetzung bereitet uns etwas Probleme. Die Finanzierung der Verwaltung steht ja soweit und wir liegen bei geplanten Kosten von rund 1,7 Millionen Euro immerhin bei fast 1,4 Millionen Fördermitteln. Allerdings liegen die Bescheide noch nicht vor, sonst hätten wir schon angefangen. Auch die Bewilligungsstellen von Zuschüssen arbeiten noch im Homeoffice und sind in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt, dafür muss man Verständnis haben. Die Bearbeitung dauert deshalb etwas länger. Für die Kita fehlt uns noch die Baugenehmigung, wir rechnen aber täglich damit. Das hat in diesem Fall aber nichts mit Corona zu tun. Wir wollen mit beiden Projekten jedenfalls noch dieses Jahr beginnen.

Wie hat sich die Gemeindepolitik verändert und welche Entscheidungen stehen als Nächstes an?

Bei uns hat sich in dieser Hinsicht kaum etwas verändert. Die ersten Entscheidungen wurden telefonisch und per Umlaufbeschluss gefasst. Und da unser Vorstand nur aus sechs Personen besteht, war es dann auch kein Problem, mit Abstand zu tagen. So haben wir es auch mit der Gemeindevertretung gehalten. Wir sind ins große Bürgerhaus ausgewichen, wo der Abstand eingehalten werden konnte. Somit konnten wir fast uneingeschränkt tagen.

Jetzt gilt es, eben den Kita- und Verwaltungsneubau voranzutreiben. Aktuell läuft die Ausschreibung für die Spielgeräte des Generationenplatzes in Rotensee und für das Neubaugebiet in Sieglos ist eine Infoveranstaltung geplant, was bisher schlecht möglich war. Thema in der Herbst-Sitzung wird voraussichtlich erneut das neue Pflegeprojekt sein. Für die Bürger-infoveranstaltung planen wir nun die Turnhalle zu nutzen. Zunächst war ja an Freiluftveranstaltungen noch im Sommer gedacht, aber da es noch einiges abzustimmen gibt, reicht es, wenn wir im Oktober einladen.

Das Anima Pflege Resort wäre ein Megaprojekt für die Gemeinde. Wie stolz sind Sie, diesen Fisch an Land gezogen zu haben, und glauben Sie an die tatsächliche Umsetzung?

Wir sind immer hellhörig gewesen, wenn es irgendwo Ansiedlungen gab, und haben geschaut, was zu uns passt. Das Pflege-Resort ist ohne Zweifel ein Großprojekt für uns, selbst für eine Stadt wie Bad Hersfeld wäre das ein Großprojekt. Der Weg ist noch weit, wir müssen Schritt für Schritt vorwärtskommen. Vor dem Aufstellungsbeschluss haben wir bereits über ein Jahr lang Gespräche geführt. Das Coronavirus hat uns dabei zuletzt gehemmt, sonst hätten wir das Vorhaben schon vor Ostern präsentiert und auf den Weg gebracht. Das Interesse und die Nachfrage sind nach den ersten Berichten hoch, schon jetzt haben Pflegekräfte, Erzieherinnen, Apotheken und Caterer Interesse angemeldet. Wir leiten alle Anfragen an den Investor weiter, der planen und entscheiden muss.

Sie waren und sind in der Corona-Krise auch als Sprecher aller Kollegen im Kreis gefragt. Woran scheiterte mancher Konsens?

Am Anfang, als die Situation besonders ernst war, war man sich schnell einig und hat schnell einen gemeinsamen Nenner gefunden. Nach einer gewissen Gewohnheit sah es etwas anders aus. Das Konkurrenzdenken unter den Kommunen gibt es, das ist normal und auch ok. Der eine oder andere möchte dann gerne ein bisschen mehr versprechen, das ist ein normaler Mechanismus, da nehme ich auch keinem was übel. Wenn es ernst wird, ziehen wir an einem Strang. Wir sind alle Pioniere, jeder Bürgermeister für sich, und jeder muss für sich beziehungsweise seine Kommune entscheiden. Wichtig ist, dass wir ein gutes Gremium haben, in dem man arbeiten kann.

Die Mehrarbeit, die ich im Kreis leiste, mache ich gern, da mir der Landkreis und das Zusammenspiel der Kommunen sehr am Herzen liegen, dass wir was auf die Beine stellen und nicht abgehängt werden.

Wie geht es Ihnen persönlich und wie verbringen Sie den Sommer?

Wir sind dieses Jahr noch nicht im Urlaub gewesen und haben nun eine Woche Radurlaub in Deutschland geplant. Außerdem möchte ich ein paar Tage zu Hause was tun. (lacht) Zu Hause bleiben birgt natürlich immer die Gefahr, dass ich dann doch öfter im Büro bin.

Aber mir macht mein Job Spaß. Wir haben mit der Verwaltung, dem Bauhof und der Kita drei tolle Teams und in den Gemeindegremien herrscht ein gutes Miteinander. Da macht es Spaß, gemeinsam etwas zu entwickeln und umzusetzen. Dann guckt man auch nicht auf eine Stunde Arbeitszeit, was als Bürgermeister aber sowieso nicht geht. Da ich hier und da noch ehrenamtlich tätig bin, bin ich froh, dass meine Familie das alles mitträgt.

Zur Person

Harald Preßmann ist 63 Jahre alt und wohnt seit 2005 mit seiner Familie in Eitra. Gebürtig stammt Preßmann aus Erdmannrode. Seit Mai 2004 ist der Betriebswirt, der eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert hat, Bürgermeister der Gemeinde Hauneck. Vor seiner Wahl zum Bürgermeister war er Geschäftsstellenleiter in Unterhaun bei der Raiffeisenbank Haunetal. Seine Freizeit verbringt Preßmann gerne mit der Familie, er geht außerdem gerne spazieren, fährt Rad und besucht Sportveranstaltungen – wenn es denn wieder geht. Der frühere Fußballer (in Eiterfeld und Haunetal) ist Fan von Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach. 

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