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100-Tage-Interview mit Haunecks Bürgermeister Stephan Bolender: „Für Hobbys fehlt leider die Zeit“

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Seit 100 Tagen an der Spitze von Hauneck: Stephan Bolender hat im Mai sein Amt als Bürgermeister angetreten. Unser Bild zeigt ihn in seinem Büro.
Seit 100 Tagen an der Spitze von Hauneck: Stephan Bolender hat im Mai sein Amt als Bürgermeister angetreten. Unser Bild zeigt ihn in seinem Büro. © Kim Hornickel

Vor 100 Tagen hatte Stephan Bolender (SPD) seinen ersten regulären Arbeitstag als Bürgermeister von Hauneck. Wir sprachen mit dem 52-Jährigen über seine ersten Monate im Amt.

Herr Bolender, haben Sie sich in den ersten Monaten Ihrer Amtszeit eigentlich schon mal insgeheim in ihr Dental-Labor zurückgesehnt?

Ich habe mich gleich zu Beginn voll auf die Arbeit vor Ort konzentriert, daher nein. Der Start hat richtig gut funktioniert. Ich habe mich gleich vom ersten Tag an richtig angekommen gefühlt. Ich bin von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr herzlich aufgenommen worden. Ich kenne die Gemeindepolitik ja schon recht lange, sodass ich mich nur an einige Verwaltungsabläufe gewöhnen musste, was dank der Hilfe der Kollegen gut geklappt hat. Ich habe ein hervorragendes Team, das mich in jeder Hinsicht unterstützt.

Jetzt bohren Sie also statt an Zahnprothesen ziemlich dicke Bretter. Gab es für Sie irgendwelche Überraschungen?

Überraschungen gab es keine, aber Herausforderungen schon. Denn wenn man morgens ins Büro kommt, weiß man nicht, was einen erwartet. Aber das macht ja auch den Reiz der Aufgabe aus

Ihr Vorgänger, Harald Preßmann, ist in der Gemeinde immer noch sehr präsent und nimmt auch noch einige Funktionen wahr. Ist das hilfreich oder eher störend?

Für mich ist das gar kein Problem. Ich bin dafür sogar sehr dankbar. Harald Preßmann ist für mich immer erreichbar, wenn es Detailfragen gibt, aber die meisten der laufenden Projekte – den Rathaus-Neubau, die Kita-Erweiterung und das Pflegeressort, habe ich ja schon als Gemeindevertreter von Anfang an begleitet.

Reden wir über die Bauprojekte. Wie ist der Stand beim neuen Rathaus?

Der Rathaus-Neubau läuft wie geplant, auch wenn wir etwa zwei, drei Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan liegen. Das hält sich aber noch im Rahmen. Der Umzug soll Ende Oktober oder Anfang November erfolgen. Was die Kosten angeht, müssen wir erst mal die Endabrechnungen abwarten. Es ist natürlich schon etwas teurer geworden – so wie ja derzeit bei den meisten Bauvorhaben.

Wie steht es bei der Kita-Erweiterung?

Auch da geht es voran, es gibt derzeit keine größeren Lieferprobleme oder Schwierigkeiten mit den beteiligten Firmen. Wann die neuen Räume aber tatsächlich bezogen werden können, steht noch nicht fest. In diesem Jahr wird das aber vermutlich nichts mehr.

Das wichtigste und größte Vorhaben ist das Anima Care-Resort, ein großes Pflegeheim im Ortsteil Eitra. Hier sollte der Bau ja eigentlich auch im August beginnen.

Gebaut wird leider noch nicht. Es sind noch einige Verhandlungen zu führen, zum Beispiel auch wegen der Kostensteigerungen mit den Investoren. Über diese laufenden Verhandlungen kann ich hier aber verständlicherweise nichts sagen. Dennoch bin ich optimistisch. Eine solche Einrichtung ist ein großer Gewinn für Hauneck und die ganze Region. Das Projekt umfasst ja auch den Bereich Demenz und eine Kurzzeitpflege. Ein solches Angebot gibt es bislang in dieser Form nicht. Dabei ist überall der Bedarf groß. Daher bin ich zuversichtlich.

Beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Landkreises hat Alexander Wirth aus Wildeck als Vertreter der Bürgermeister die gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis gelobt. Erleben Sie das in Ihren ersten Monaten im Amt auch so positiv?

Die Zusammenarbeit funktioniert tatsächlich sehr gut. Wenn man Fragen hat, bekommt man immer eine fachkompetente Antwort – vielleicht nicht immer sofort, aber die Unterstützung durch den Kreis ist für mich sehr hilfreich.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den anderen Kommunen im Kreis, die Bürgermeister verstehen sich ja offenbar auch untereinander sehr gut?

Mit Timo Lübeck aus Haunetal habe ich ein sehr freundschaftliches Kollegenverhältnis, wir waren gerade erst gemeinsam beim Haune-Rock. Er hatte mich dahin eingeladen. Einige der anderen Kollegen kenne ich ja schon länger durch meine Tätigkeit in der Gemeindevertretung. Wenn es Fragen gibt, kann ich auch dort jederzeit anrufen und mir Tipps holen.

Neben den drei großen Bauvorhaben in Ihrer Gemeinde – welche anderen Projekte stehen an?

Große Projekte eigentlich keine, aber die tägliche Arbeit muss ja auch bewältigt werden. Zum Beispiel der Breitbandausbau oder auch die Umsetzung des Online-Zugangsgesetzes. Ich habe jedenfalls keine Sorge, dass mein Schreibtisch in den nächsten Monaten zu leer sein wird.

Durch Ihre Wahl sind Sie aus Ihrem Dental-Labor ausgeschieden. Läuft es dort trotzdem gut, oder müssen Sie immer mal wieder aushelfen?

Nein, das läuft sehr gut. Das Labor wurde von einem sehr erfahrenen Zahntechnik-Meister übernommen, und die Arbeit dort funktioniert auch ohne mich. Natürlich gibt es auch da mal Nachfragen – so wie von mir an Harald Preßmann – aber ansonsten läuft alles glücklicherweise völlig reibungslos. Darüber bin ich auch sehr erleichtert, denn es ist ja nicht selbstverständlich.

Sie waren gerade im Urlaub auf der Insel Föhr und konnten etwas durchschnaufen. Wie ist es sonst mit der Work-Life-Balance. Haben Sie überhaupt noch Zeit für Ihre Hobbys, wie die Jagd?

Na ja, das ist schon etwas zu kurz gekommen in den vergangenen Monaten. Das fehlt mir auch ein bisschen. Gerade die Zeit im Wald, wo man mal für ein, zwei Stunden abschalten kann. Aber das ist ja ganz normal, wenn man eine neue Aufgabe übernommen hat. Das wird sich sicher in den nächsten Monaten einpendeln.

Interview: Kai A. Struthoff

Zur Person

Stephan Bolender (52) ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen, die 18 und 21 Jahre alt sind. Nach dem Realschulabschluss begann er mit 16 Jahren eine Ausbildung zum Zahntechniker, mit Ende 20 schloss er noch eine Meisterausbildung an. 1999 machte er sich gemeinsam mit einem Partner zunächst in Eisenach selbstständig. Stephan Bolender hat neben seinem kommunalpolitischen Engagement diverse Ehrenämter inne. Er ist erster Vorsitzender des Jagdhornbläsercorps Rotensee, zweiter Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Rotensee, Gründungsmitglied des Fördervereins Mehrgenerationenplatz Rotensee, Mitglied im Schützenverein Rotensee sowie im Männergesangverein Rotensee und Beisitzer im VdK. Außerdem ist er passionierter Jäger, sein Revier befindet sich am Wehneberg in Bad Hersfeld. nm

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