Corona: In der Krise kreativ

Corona-Krise: Jazz-Pianist Jan Luley bangt um seine Existenz  

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Konzertsaal ohne Publikum: Aus seinem neuen Internet-Studio im Keller meldet sich Jazz-Pianist Jan Luley dreimal wöchentlich mit musikalischem Programm. 

Sein Terminkalender war prall gefüllt: 15 Konzerte quer durchs Land und die Schweiz, zwei Reisen nach New Orleans und die Organisation des Bad Hersfelder Live-Jazz-Wochenendes.

Doch seit dem 29. Februar sitzt der Musiker Jan Luley daheim in Oberhaun und hat nichts mehr zu tun: alles abgesagt oder auf Abwarten gestellt. Für den gefragten Jazz-Pianisten ein herber Einkommensverlust. Etwa 80 Prozent seines Lebensunterhaltes finanziert er mit Live-Auftritten.

„Momentan lebe ich vom Ersparten. Das halte ich auch noch ein bisschen durch. Aber ja, ich bange auch um meine Existenz.“ Nur weil Jan Luley ein grundsätzlich positiver Mensch ist, gelingt ihm zwischendurch immer wieder ein Lächeln. Und er versucht seit Neuestem, sich unter den gegebenen Umständen neu zu erfinden. Dienstags, donnerstags und samstags gibt er jetzt Konzerte im Internet auf Twitch und auf Facebook, immer um halb neun abends.

„Beim letzten Mal war es ein Blues-Programm, heute gibt es was Gemischtes, und am Samstag spiele ich Kreolisch“, erzählt er und davon, wie er bei den Übertragungen aus dem eigens eingerichteten Keller-Studio mit den Zuhörern interagieren kann. „Die melden sich per Chat zu Wort, das kann ich dann sehen und darauf reagieren. So erfülle ich auch mal Wünsche oder kann zumindest versprechen, dass ich das Stück bis zum nächsten Mal einübe.“

Luleys Konzerte finden ein respektables Publikum, bis zu 75 Zuhörer auf dem eigenen Kanal, dazu eine unbekannte Zahl auf Facebook. Statt mittels komplizierter Zugangsmodalitäten ein „Eintrittsgeld“ zu verlangen bittet er um Spenden. Auch das sei bisher erfreulich gut gelaufen, berichtet er, auch wenn die entgangenen Konzertgagen so natürlich nicht zu kompensieren sind.

„Man weiß nicht, wie es weitergeht“, beschreibt er sein Dilemma und ist sich bewusst, dass er als unabhängiger Künstler zwar kein Einzelfall ist, aber Einzelkämpfer ist. Von Corona-Soforthilfe hat er nicht viel, denn die wird in erster Linie für Betriebskosten gewährt. Luley ist weder Geschäftsführer einer Firma, noch hat er Büros angemietet, auch Personal beschäftigt er nicht. „Ich könnte vielleicht meine Heizungskosten geltend machen oder mein Auto“, sinniert er. Ansonsten bliebe ihm nur die Grundsicherung, also Hartz IV. „Das ist in den Ländern ganz unterschiedlich geregelt, und in Hessen fallen wir durch den Rost. Ich hoffe, dass da noch nachgebessert wird.“ 

Doch Jan Luley jammert nicht. Stattdessen investiert er sogar. Eine weitere Kamera soll her und ein Mixer, damit die Auftritte aus dem Internet-Studio demnächst aus mehr Perspektiven gefilmt werden als nur mit der Frontalansicht. „Man muss flexibel sein“, sagt Luley und kann seiner Situation sogar etwas Gutes abgewinnen: „Man muss froh sein, hier auf dem Dorf zu leben. In der Großstadt in einem Hochhaus eingesperrt zu sein, das stelle ich mir schrecklich vor“.

Jan Luleys Konzertkanal: www.twitch.tv/luleymusic

Termine jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag von 20.30 bis 21.45 Uhr.

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