Infomarkt in Bodes

Bürger wünschen Beteiligung am Windpark Buchenau

Liegt inmitten der Gemeinden Haunetal (links), Hauneck (oben) und Eiterfeld (rechts): Der Windpark Buchenau. Die schwarz-weißen Kreise stellen die neuen geplanten Anlagen dar. Die blau-weißen sind die bestehenden Anlagen.
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Liegt inmitten der Gemeinden Haunetal (links), Hauneck (oben) und Eiterfeld (rechts): Der Windpark Buchenau. Die schwarz-weißen Kreise stellen die neuen geplanten Anlagen dar. Die blau-weißen sind die bestehenden des Betreibers Trianel Windpark Buchenau GmbH & Co. KG und die orange-weißen die existierenden Anlagen der Buchenau Wind GmbH & Co. KG.

Zu einem Infomarkt zur geplanten Erweiterung des Windparks Buchenau hatten die betroffenen Gemeinden Eiterfeld, Haunetal, und Hauneck eingeladen.

Bodes – Mit Informationen dabei war auch das Bürgerforum Energiewende Hessen In der Scheune Nuhn in Hauneck-Bodes galt zusätzlich zur 3-G-Regel Maskenpflicht. Fragen und Antworten zum Thema:

Warum ausgerechnet ein Infomarkt?

Organisiert worden war der Infomarkt vom Bürgerforum Energiewende Hessen beziehungsweise der Landesenergieagentur im Auftrag der umliegenden und somit von den Plänen betroffenen Kommunen Eiterfeld, Haunetal und Hauneck. Drei Stunden lang, zwischen 17 und 20 Uhr, hatte jeder am Vorhaben Interessierte am Dienstag ohne Anmeldung die Möglichkeit, sich gezielt oder auch ganz allgemein zu informieren. Das sei denn auch ein entscheidender Vorteil gegenüber einer klassischen Frontalveranstaltung – nicht nur mit Blick auf das Coronavirus –, meinten Christopher Lüning und Armin Raatz als Vertreter der Landesenergieagentur. „So ein Format ist entspannter, direkter und verspricht oftmals mehr Informationsgewinn.“ Lüning und Raatz sehen sich in der Rolle der Informationssammler und als Mittler zwischen allen Beteiligten. Zudem sei es nicht jedermanns Sache, seine Fragen vor vielen Leuten zu stellen.

Wie fiel die Resonanz auf das Angebot aus?

Neben einigen Kommunalpolitikern nutzten durchaus auch andere Bürger die Gelegenheit, insgesamt war die Teilnehmerzahl aber eher überschaubar. Auch die Organisatoren, die mit etwa 100 Besuchern gerechnet hatten, sprachen von einer vergleichsweise eher kleinen Veranstaltung. Grundsätzlich sei zu beobachten, dass das Interesse an komplett neuen Standorten größer sei, da es in diesen Fällen auch mehr Unsicherheiten, Fragen und Bedenken gebe. Als Ansprechpartner standen den Besuchern neben Lüning und Raatz auch ein Vertreter des Betreibers sowie Umweltgutachter Jürgen Schicker vom Büro Simon und Widding zur Verfügung.

Was wird ganz konkret geplant?

Die Firma Thüga Erneuerbare Energien (THEE) plant eine Erweiterung des bestehenden Windparks im Wald bei Buchenau um zusätzliche acht Windenergieanlagen. Betroffen sind die Windeignungsgebiete FD03 und FD04. Aktuell gibt es 15 Anlagen, davon 13 westlich und zwei östlich der Landesstraße 3170. Bei der sogenannten Nachverdichtung, bei der die neuen Anlagen quasi neben oder zwischen die vorhandenen gebaut werden sollen (siehe Grafik), könnte zum Teil auf die schon vorhandene Infrastruktur wie Wege und Leitungen zurückgegriffen werden. Visualisierungen vom voraussichtlichen Anblick aus verschiedenen Perspektiven gab es beim Infomarkt zu sehen. Die THEE mit Sitz in Hamburg ist in diesem Fall gleichzeitig Projektierer und Betreiber. Die Thüga-Gruppe entwickelt neben Wind- auch Solarparks und ist eigenen Angaben nach mit rund 100 Unternehmen der größte Verbund kommunale Energie- und Wasserversorger in Deutschland.

Um welchen Anlagentyp handelt es sich?

Bei den geplanten neuen Anlagen handelt es sich um den Typ Vestas V162 mit einem Rotordurchmesser von 162 Metern, die Nabenhöhe beträgt 169 Meter, die Gesamthöhe 250 Meter. Mit der Erweiterung würde sich die Leistung des Windparks laut Projektmanager Carsten Kleefeld von der Thüga mehr als verdoppeln.

So sah es beim Bau des bestehenden Windparks Buchenau aus: Unser Bild entstand im Jahr 2018.

Welche Bedenken und Kritik gibt es?

Gegen die Erweiterung ausgesprochen haben sich mehrheitlich (nicht einstimmig) bereits die Gemeindevertretungen Eiterfelds, Haunetals und Haunecks. Man wolle nicht noch mehr Anlagen, von denen man selbst nichts habe, so die Argumentation. Denn die Anlagen stehen auf Privatgrund. Gegen die beiden in erster Linie profitierenden Privatwaldbesitzer richte sich deshalb wohl auch manche Ablehnung persönlich, wie Christopher Lüning und Armin Raatz berichteten. Allein aus energiepolitischer Sicht sei die volle Beplanung vorhandener Vorranggebiete jedoch sinnvoll. Darüber hinaus könne man die Verdichtung anstelle neuer Standorte auch in diesem Sinne positiv betrachten.

Neu für Carsten Kleefeld war der Hinweis auf Überschwemmungsschäden in nahegelegenen Ortschaften. Der Projektmanager versprach, prüfen zu lassen, ob dies tatsächlich mit den Windkraftanlagen im Wald zu tun haben könnte. Bekannt seien ihm derartige Fälle zwar noch nicht, aber ohne Prüfung sei es eben auch nicht auszuschließen.

An den beiden Tafeln für Fragen und Anmerkungen hingen zwei Stunden nach Beginn des Infomarkts lediglich zwei Karten: Auf der einen war der Wunsch nach Bürgerbeteiligung notiert, auf der anderen der Wunsch nach günstigerem Strom für betroffene Anwohner.

Was haben die Gemeinden und Bürger davon?

Da sich der Windpark nicht auf kommunalen Flächen befindet, haben die Gemeinden und deren Einwohner erst mal nichts davon. Allerdings räumt die jüngste Novelle des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) den Betreibern die Möglichkeit ein, Anrainerkommunen eine „einseitige Zuwendung ohne Gegenleistung“ zukommen zu lassen – flächenanteilig und mit jährlich 0,2 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Bei prognostizierten 100 000 000 kWh wären dies 200 000 Euro für die drei Kommunen zusammen. Gegenüber Carsten Kleefeld hätten zudem viele Besucher erneut den Wunsch nach Bürgerbeteiligung geäußert, zum Beispiel über eine Genossenschaft oder ein Bürgerwindrad. Bisher sei das zwar nicht vorgesehen, er wolle das Thema bei der Geschäftsführung aber nun noch mal anbringen, so der Projektmanager. Ein Bürgerwindrad wurde kürzlich bei Wehrda offiziell eingeweiht.

Wie geht es weiter, wann könnte gebaut werden?

Den Antrag auf Genehmigung hat die Thüga im Juli beim Regierungspräsidium eingereicht, die Unterlagen müssen aber noch vervollständigt werden. Die noch fehlenden Unterlagen sollen laut Kleefeld in Kürze nachgereicht werden. Mit einer Genehmigung sei dann bestenfalls Ende 2022 zu rechnen, mit einem Baubeginn im Herbst 2023 und der Inbetriebnahme im Jahr 2024. Wenn das RP nicht alle acht Anlagen genehmigt, sondern nur einen Teil, wolle die Thüga diese in jedem Fall trotzdem realisieren. „Jede Anlage lohnt sich“, so Kleefeld.

Wo gibt es weitere Informationen:

Alle Fragen, die während des Infomarktes offen blieben, sollen im Nachgang unter energieland.hessen.de/hauneck beantwortet werden. (Nadine Meier-Maaz)

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