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Bodeser feierten mit Gästen den 626. Geburtstag ihres Ortes

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Vereint: Anja Birkel, Leopold Klotzbach mit Mama Caroline Klotzbach, Annelie Nuhn mit Tante Martha Nuhn, Lisa Sallius und Mama Carolin Nuhn mit Valentin Nuhn. Die großen Mädels sind alle Bodeserinnen, die sich aus der Licher Hütte kennen.
Vereint: Anja Birkel, Leopold Klotzbach mit Mama Caroline Klotzbach, Annelie Nuhn mit Tante Martha Nuhn, Lisa Sallius und Mama Carolin Nuhn mit Valentin Nuhn. Die großen Mädels sind alle Bodeserinnen, die sich aus der Licher Hütte kennen. © Wilfried Apel

Übers ganze Wochenende feierten die Bodeser das 626-jährige Bestehen ihres kleinen, aber feinen und liebenswerten Dorfes.

Bodes - Schon am Freitagabend ging es los. Pfarrer Karl Josef Gruber hatte zum Eröffnungsfestgottesdienst ins Festzelt eingeladen, in dem er die Frage stellte: „Wie klingt Bodes?“ Wenn man nach den ausgesuchten Lieder geht, ganz schön international.

Das Duo: Stefan Ragotzky (Geige) und Hartmut Nuhn (Akkordeon) beim Intonieren des „Bodeser Lieds“.
Das Duo: Stefan Ragotzky (Geige) und Hartmut Nuhn (Akkordeon) beim Intonieren des „Bodeser Lieds“. © Wilfried Apel

Die von Stefan Ragotzky inspirierten Bodeser Dorfsänger sangen englisch, das erste von der Gemeinde gesungene Lied stammte aus Südindien, das zweite aus Brasilien – aber wenigstens das Schlusslied hatte seinen Ursprung in Deutschland.

Da es schöne Lieder waren und da die Bodeser einen Pfarrer haben, der gut singen kann, sangen alle mit Freude mit. Hörten aber auch darauf, wie ihnen ihr Gemeindehirte erzählte, dass der Name Bodes einmalig ist. Und staunten nicht schlecht, als er ihnen ein erst kürzlich von Gerhard Schott auf dem Dachboden gefundenes Melodienbuch aus dem Jahr 1675 zeigte, in dem ein Bodeser Gastwirt ab dem Jahr 1774 unter anderem vermerkt hat, wer noch etwas zu bezahlen hatte.

Geschichte: Pfarrer Karl Josef Gruber mit dem Melodienbuch aus dem Jahr 1675.
Geschichte: Pfarrer Karl Josef Gruber mit dem Melodienbuch aus dem Jahr 1675. © Wilfreid Apel

Ausgehend von der von Julian Piehler aus dem Markus-Evangelium vorgetragenen Erkenntnis Jesu, dass der Prophet im eigenen Lande nichts gilt, beleuchtete Gruber das lebendige dörfliche Miteinander. Gerade in der zurückliegenden Corona-Zeit habe es nicht nur Wohlklänge, sondern auch Missklänge und vorschnelle Urteile gegeben –wie so oft bei Menschen. Jesus habe Vertrauen unter die Menschen gebracht, sagte Gruber, und deshalb wünschte er den Bodesern, von Paula Adam und Leonie Ragotzky bei den Fürbitten unterstützt, dass Jesus spürbar unter ihnen wirken möge.

Im Anschluss an den Gottesdienst lud Dorfsängerin und Kirchenvorsteherin Jutta Warninghoff ein zu einem Rundgang durch das Dorf. An wichtigen Plätzen und Häusern wie etwa der Bauernbarockkirche mit ihrem wehrhaften Glockenturm, der alten Schule, der zum Bürgerhaus umgebauten neuen Schule, der Mühle, aber auch an alten Höfen und den über die Eitra führenden Steinen machte sie Halt und vermittelte einer stattlichen Zahl von Interessierten Fakten aus der Ortsgeschichte. Der Clou war das von Matthias Schott und weiteren jungen Männern vorgeführte Peitschenknallen, das bis heute praktiziert wird: „Wer geknallt haben will, muss eine Frau aus Bodes heiraten!“

Das scheint immer mal wieder vorzukommen, denn am Samstagabend tummelten sich rund um das Festzelt viele kleine Bodeser. Sie waren zum Kinderprogramm eingeladen, das dem von Johanna Rommel und Carsten Manns moderierten Dorfabend vorausging. Auf dem wurden erfrischend kurze Reden gehalten und natürlich Geschenke überreicht. Bürgermeister Stefan Bolender verwies auf die von der Gemeinde spendierte, bereits am Ufer der Eitra aufgestellte Sonnenliege, Landrat Torsten Warnecke hatte neben einem Geldgeschenk wie immer eine Stracke dabei, und die Landtagsabgeordnete Tanja Hartdegen überraschte mit acht Freiplätzen für eine Fahrt nach Wiesbaden für die Gründungsmitglieder des Heimatvereins.

Für das Schwelgen in Erinnerungen sorgte der von Gerald Birkel und Heiko Bornschier erstellte, in zwei Teilen gezeigte Film von der 600-Jahrfeier. Mit schnellen Tanzschritten begeisterte die von der Bodeserin Louisa Nuhn-Matthaei angeführte Showtanzgruppe des FC 09 Neukirchen, und für gute Musik sorgten einmal mehr die Bodeser Dorfsänger. Stefan Ragotzky an der Fiedel und Hartmut Nuhn am Zerrwanst ließen den kurzweiligen Dorfabend schließlich mit sangeskräftiger Unterstützung des Publikums mit dem Bodes-Lied ausklingen.  Weitere Fotos: hersfelder-zeitung.de

Von Wilfried Apel

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