Er war immer der Rhön verbunden

Heimatdichter Heinrich Ruppel wäre in dieser Woche 130 Jahre alt geworden

Das Geburtshaus (links) von Heinrich Ruppel in der Hauptstraße in Neukirchen.
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Das Geburtshaus (links) von Heinrich Ruppel in der Hauptstraße in Neukirchen.

Eine schlichte Bronzetafel an seinem Geburtshaus in Neukirchen erinnert an den Dichter Heinrich Ruppel, der vor 130 Jahren, am 8. November 1886, geboren wurde.

Haunetal - Heinrich Ruppel war der Rhön sowie dem nördlichen Hessen stets verbunden. In seinen zahlreichen Verfassungen, die von den Menschen stets gerne gelesen wurden, brachte er dies zum Ausdruck. Er war ein Schriftsteller, „der den Menschen auf den Mund schaute“, zahlreiche Laienspiele, volkskundliche Abhandlungen sowie Erzählungen aus dem bäuerlichen und handwerklichen Milieu sowie auch „aus der Welt gehörloser Menschen“ schrieb.

In dem von der Marktgemeinde Haunetal herausgegebenen Band „Haunetaler Geschichte“ heißt es, dass sich der Dichter niemals innerlich von seiner bäuerlichen Herkunft löste. Auch als Lehrer sei er „ein Sohn der Erde“ geblieben, ein Ausdruck, mit dem sich Ruppel gerne selbst charakterisierte.

Noch während seiner Lehrerausbildung veröffentlichte er in Zeitungen und Sonntagsbeilagen seine ersten Gedichte, ebenso auch volkskundliche Beiträge. Im Selbstverlag gab er 1913 „Wichtelweihnacht – (ein) Märchenspiel in drei Aufzügen für die Jugend“ heraus. 1914 erschien die Sammlung „Aus Herz und Heimat - Balladen und Lieder“.

Mit seinem Gedichtband „Die zu Häupten Frührot haben“ und mit seinen Erzählungen im Band „Rhönbauern“ folgten 1919 die bedeutendsten schriftstellerischen Leistungen seines Schaffens.

Für beide erhielt er den Literaturpreis der Augsburger Schillerstiftung zuerkannt. Es folgte eine große Zahl weiterer literarischer Werke aus den Bereichen Spiel, Gedicht, Märchen, Schnurren, Ballade, Novelle, Schwank, Roman und Erzählung.

Manche haben didaktischen Charakter und wurden in Schulbücher übernommen. Ebenso schrieb er Stücke für den Rundfunk. Besonders der volkstümliche Humor kam in zahlreichen Anekdoten und Schnurren, die er oft in Mundart schrieb, vor. Sein Werk „Rhönbauern“ zählt zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen. 1962 kam der Band „Hessischer Bauernspiegel“ heraus, eine Sammlung von mehreren kürzeren Erzählungen.

Das Spiel „Die Michaelisbraut von Guxhagen“ in vier Akten spielt im mit wechselvoller Geschichte ehemaligen Benediktinerkloster Breitenau, das 1401 eine alte „Steinglocke“ aus dem Fuldaer Dom erhalten hatte.

Heinrich Ruppel wurde als sechstes von neun Kindern geboren. Er erlebte eine von bäuerlicher Lebensweise geprägte Kindheit, heißt es in einer von seinem Enkel Hans-Rudolf Ruppel verfassten Biografie.

Einen Teil des elterlichen Nutzgartens überliest ihm demnach seine Mutter. Ruppel pflegte diesen, weil ihm die Beobachtung des Pflanzenwachstums Freude bereitete. Seine Mutter sei es gewesen, die ihm viele Sagen, Märchen und Geschichten erzählte, denen er gerne zuhörte.

Durch ausgezeichnete Leistungen in der Volksschule ermunterten ihn seine Eltern, Lehrer zu werden, wogegen sich der Heranwachsende vorerst sträubte. Letztlich jedoch trug dieses Anraten Frucht. Der junge Mann wurde nach erfolgter Ausbildung Dorfschullehrer im nahegelegenen Wetzlos.

Nach dortigen vier Jahren Lehrertätigkeit wechselte er zur Homberger Taubstummenlehranstalt. Infolge der Machtübernahme 1933 geriet er bald in Konflikt mit den Nationalsozialisten, deren rassenhygienischen Anschauungen, die Behinderten auszugrenzen und ihre physische Vernichtung vorzubereiten, er nicht mitgetragen habe. Auch „seine“ Schule war davon betroffen. Dennoch kämpfte er gegen dieses Unrechtsregime nicht aktiv und distanzierte sich auch nicht von ihm, wie aus Unterlagen hervorgeht.

Im Herbst 1945 ernannte ihn die amerikanische Militärregierung zum Schulrat, worauf er die Schulen im heutigen Schwalm-Eder-Kreis eröffnete. Im Buch „Neukirchen zwischen Haune und Stoppelsberg – 100 Jahre Dorfgeschichte“ widmete ihm der Arbeitskreis Dorferneuerung eine Erinnerung. Laut Ernst Lotz habe man Ruppels Werke von dessen Sohn übernehmen können und ins Archiv der Haunetaler Gemeindeverwaltung übergeben. Heinrich Ruppel fand mit 88 Jahren in Homberg/Efze seine letzte Ruhe. In Neukirchen erinnern – wie in vielen nordhessischen Städten und Gemeinden auch – nach ihm benannte Straßen und Plätze.

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