Konzerte auf der Vortreppe

Christian Röhner aus Holzheim trompetet gegen Corona-Resignation

Christian Röhner spielt auf der Vortreppe seines Hauses Trompete. Im Vordergrund ist der Notenständer zu sehen.
+
Wenn Christian Röhner das Kurzkonzert auf seiner Vortreppe anstimmt, hören die Holzheimer von ihren Gärten aus zu.

Christian Röhner aus Haunetal-Holzheim begleitet seine Nachbarn mit kurzen Abendkonzerten durch die Corona-Zeit. Vor seinem Haus spielt er Trompete.

Holzheim – Christian Röhner steht auf der Vortreppe seines Wohnhauses in Holzheim und stimmt auf seiner Trompete das Volkslied „Die Gedanken sind frei“ an. Bei dem Musikstück „Wenn ich ein Vöglein wär“, das Christian Röhner aus seinem Choralbuch zum Besten gibt, kommen neugierig die ersten Nachbarn aus ihren Häusern. Neu ist der Klang, der manchmal melancholisch, manchmal fidel klingenden Trompete für sie allerdings nicht.

Schon an die 100 Mal hat der Holzheimer sein Heimatdorf mit einem Abendständchen durch die Corona-Zeit begleitet. Seit dem 2. April stellt der 71-Jährige seinen Notenständer auf der kleinen Vortreppe vor dem ehemaligen Edeka-Laden auf, setzt seine Trompete an und spielt, je nach Laune, drauf los. Punkt 18 Uhr beginnt seitdem das Motivationssolo Röhners. Nur in Ausnahmefällen verschiebt der Hobbymusiker sein Minikonzert auf später, wie er pflichtbewusste versichert. „Ich will einfach Lieder als Hoffnungszeichen spielen“, erklärt Röhner. Mit seiner Musik will er sich und anderen über die Beschränkungen der Corona-Krise hinweghelfen.

Zu Beginn der Abstandsregeln, im März, hatten Christian Röhner und weitere Musiker des Posaunenchores noch versucht, gemeinsame Konzerte zu veranstalten. „Wir standen zwar weit voneinander entfernt, aber bald kamen so viele Zuschauer, dass wir das auch nicht mehr verantwortungsvoll organisieren konnten“, erinnert sich Röhner.

Doch statt Trübsal zu blasen, entschied sich der Musiker, lieber allein anstatt überhaupt nicht zu spielen. „Ich muss ja auch in Übung bleiben und bisher haben sich auch die Pferde noch nicht beschwert“, freut sich der Holzheimer und deutet mit dem Kopf zum Unterstand seines geduldigen, vierbeinigen Publikums auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Durch das ganze Dorf schallt Christian Röhners Musik. „Manchmal hört man auch meinen Posaunenchor-Kollegen mit dem Waldhorn einstimmen“, sagt Röhner. Besondere Anerkennung hat der Hobbymusiker bisher von seinem Nachbarn bekommen. „Er kam herüber, als es ihm besser ging, denn er war sehr krank, und er hat gesagt, dass ihm die Musik sehr geholfen hat.“ Das freut Christian Röhner besonders.

Auch die eigene Familie genießt jeden Abend das kurze Konzert. Zu seinen treuesten Zuhörern gehören deshalb auch Ehefrau Magdalene Röhner und Schwiegermutter Elfriede Ried. „In der Corona-Zeit ist jeder wie in einer Blase für sich, da muss man den Menschen Mut machen“, erklärt Magdalene Röhner.

Die beiden Frauen sitzen im Vorraum des Hauses und singen jedes Lied mit. Bei einer solchen Unterstützung wird auch Christian Röhners Spiel immer fröhlicher. Der Musiker wippt im Takt der Trompetenklänge und spielt zum Ende des Solos noch sein Lieblingsstück, die irischen Segenswünsche „Möge die Straße uns zusammenführen“. „So das war’s“, sagt Christian Röhner nach 15 Minuten voller fröhlichem Swing und nachdenklich stimmender Volkslieder. Der Trompetenspieler stellt seinen Notenständer zurück in das Übungszimmer und schließt leise summend die Tür hinter sich – zumindest bis zum nächsten Abendkonzert, bei dem Röhner wieder auf seiner Vortreppen stehen wird, so lange, bis der letzte Corona-Tag überstanden ist.

Von Kim Hornickel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare