11000 Hippies feiern

„Matsch Love“ statt nur Love beim Burg-Herzberg-Festival

Knöcheltief im Schlamm: Das Tanzen dürfte schwierig sein, wenn die Füße feststecken, aber die Festivalbesucher versuchen es trotzdem vor der Bühne.   Foto: Ditzel

Breitenbach/H. Dass Festivals wegen heftiger Unwetter schon mal unterbrochen werden müssen, kommt gelegentlich vor. Dass sich ein Festival-Auftakt wegen Regenschauern verschiebt, dürfte hingegen ein Novum sein. Die Verzögerung von zweieinhalb Stunden gleich zu Beginn des Burg Herzberg Festivals am Donnerstagnachmittag, war aber nicht dem Regen, sondern der Sicherheit geschuldet.

Da Musikfans und Händler wegen des Dauerregens an den Vortagen zum größten Teil auf das gerade wieder etwas „angetrocknete“ Gelände gelassen wurden, konnten Feuerwehr und Sicherheitskräfte auch dann erst Fluchtwege und Notausgänge überprüfen.

Ironie des Schicksals: Nachdem die Veranstalter, um im Ablaufplan zu bleiben, auf die Eröffnung durch „Klaus, der Geiger“ verzichtet hatten und mit Band Nr. 2, den „Wolf People“, auf der Hauptbühne loslegten, ging über dem Festivalgelände ein Regenguss nieder, der den Regen der Vortage zum Nieselregen herabstufte. Innerhalb einer Viertelstunde wurden alle Wege und Wiesen zu einer einheitlichen Matschlandschaft.

„Die volle Packung“

Doch weder den sturmerprobten Normannen aus der Grafschaft Bedfordshire in England auf der Bühne, noch dem Publikum davor trübte das die Stimmung.“ Das ist mein erstes Festival und da wollte ich auch die volle Packung mitmachen“ sagt André Althoff („aus der Eifel“), der sich Gesicht und Oberkörper mit Schlamm eingerieben hatte. Auch Luena, Luna und Amira, drei 13-jährige beste Freundinnen aus dem Großraum Offenbach hatten ihren Spaß, barfuß zwischen den Zelten herumzulaufen. „Meine Füße fühlen sich an wie Samt“, sagt Luna. Für sie und Luena ist es das zehnte Herzberg-Festival, für Amira das zweite.

Weniger Freude an dem erneuten Regenguss hatte dagegen Andreas Dziwisch aus Kassel, der seit Jahren in seinem Abbey Road Record Store nahe dem Eingang zur Konzertwiese bei Hippies begehrte seltene Vinyl-Scheiben anbietet. „Es war vorher schon schlimm, aber der Regen heute Nachmittag hat alles noch viel schlimmer gemacht“, sagt er an seinem Stand inmitten der Schlammwüste.

Regelrecht Stress im Verkauf haben Benny, Riquinho und Vanessa vom Bodensee, die in ihrem Stand Dinnete (eine Art Flammkuchen, aber viel herzhafter) im Akkord zubereiten. Hier hat das Unwetter die Nachfrage nicht beeinträchtigt. Mehr Dinnete geht nicht. Und während „Pristine“ aus Tromsö/Norwegen mit der grandiosen Sängerin Heidi Solheim für die erste musikalische Festival-Sensation sorgen, stehen hunderte von Fans, die auf Campingplätze und Turnhallen in der Region verteilt wurden, am Eingang geduldig Schlange.

Non-Stop-Busverkehr

Dem ÖPNV hat das schlechte Wetter einen unerwarteten Zulauf beschert. Weit über tausend Fans wurden in den regulär verkehrenden Bussen auf der Strecke zusätzlich befördert, heißt es. Carsten Arndt, Inhaber des gleichnamigen Omnibus-Service aus Breitenbach und seine Kollegen fahren seit 10 Uhr am Donnerstagmorgen in wechselnden Schichten „nonstop zwischen dem Silbersee und dem Festival hin und her“.

Gunther Lorz von der Festival-Leitung ist hocherfreut, „wie gut unsere Empfehlung, auf standfestere Campingplätze auszuweichen und den ÖPNV zu benutzen, angenommen wird.“

Gute Stimmung am Herd

Die Unbilden des Dauerregens ertragen indes nicht nur die Fans auf der Wiese, auch Backstage sieht es nicht besser aus. Zur guten Stimmung tragen hier Antje Bauer aus Hilders und ihr ebenfalls in Schichten arbeitendes Team im Catering-Zelt bei. Seit Montag kochen sie bereits für die Mitarbeiter rund um die Uhr. „Wer bei dem Wetter draußen arbeiten muss, der will auch nachts um 3 Uhr mal einen Unterschlupf und ein warmes Essen“, sagt Antje. 400 Essen sind das pro Tag, seit Donnerstag kommen noch die Mahlzeiten für die Künstler hinzu. Seit dem erfolgten Aufbau gibt es immerhin drei Stunden Pause in der Küche. Essen gibt es jetzt bis 3 Uhr. Frühstück ab sieben Uhr.

Von Willie Ditzel

Aktuelle Infos auch unter www.burgherzberg-festival.de

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