Das lange Warten nimmt kein Ende

Ziegenhainer ist sauer: Er wartet seit Monaten auf Genehmigung der Krankenkasse

+
Bernd Wichert aus Ziegenhain ist enttäuscht: Seit Monaten schon wartet er darauf, von seiner Krankenkasse sein Gerinnungs-Selbstmanagement genehmigt und bezahlt zu bekommen. Stattdessen wartete er immer auf Formulare, Rückmeldungen oder Neuigkeiten.

Bernd Wichert ist sauer. Sauer auf seine Krankenkasse, die Knappschaft-Bahn-See. Diese lässt ihn warten – seit Wochen schon.

„Ich muss nach einer Operation einen Blutgerinnungshemmer einnehmen“, erzählt Wichert. Der 67-Jährige aus Ziegenhain (Schwalm-Eder-Kreis) bekam nach einem Venenverschluss einen Bypass gelegt, „etwa zwei Meter Plastik durch den ganzen Körper“. Aus diesem Grund muss er blutverdünnenden Medikamente nehmen. „Diese lassen sich schwer einstellen, weshalb ich in Absprache mit meinem Hausarzt und einer Fachärztin besprochen habe, dass ein Gerinnungs-Selbstmanagement das beste für mich sei“, berichtet Wichert.

Zur Selbstversorgung gehört es, eine Schulung zu absolvieren und ein kostspieliges Messgerät bei sich zu haben, mit dem der INR-Wert (International Normalized Ratio) überprüft werden kann, also wie dünn das Blut ist. Auf das Gerät wartet der Ziegenhainer nun schon länger, der Preis liegt im vierstelligen Bereich. Aktuell muss er alle zwei bis fünf Tage zu seinem Hausarzt gehen, um den Wert messen zu lassen.

Lange Wartezeiten ärgern Wichert

Sein Hausarzt und die Fachärztin unterstützten Wicherts Antrag zum Selbstmanagement bei der Krankenkasse. Rund ein halbes Jahr nach dem Antrag bekam Wichert von der Fachärztin mitgeteilt, dass der Antrag genehmigt wurde.

Im Januar absolvierte er die eintägige Schulung im Ziegenhainer Krankenhaus, bezahlte die Rechnung und schickte die Unterlagen an die Krankenkasse, um das Kontrollgerät zu bekommen. Damit begann die schier endlose Odyssee. „Es kam keine Reaktion, deshalb habe ich angerufen. Man sagte mir, man benötige noch die Verordnung des Hausarztes, dann gehe alles klar“, erzählt Wichert.

Er besorgte die Verordnung und schickte sie weg. Wieder vergingen Tage ohne eine Rückmeldung: „Ich habe also erneut angerufen. Dieses Mal hieß es, es fehle noch ein Formular, das man mir zusenden würde und ich ausgefüllt zurückschicken solle. Und wieder: Danach gehe alles klar.“ 

Plötzliche Absage der Krankenkasse

Zwei Wochen wartete er, dann kam das Formular bei Wichert an. Er füllte das Formular aus, schickte es zurück – und wartete. Wieder dauerte es zwei Wochen, dann eine Reaktion der Krankenkasse: Die Kostenübernahme sei nicht möglich, da die genannte Frist nicht eingehalten wurde.

„Es war nie von irgendeiner Frist die Rede“, ärgert sich Wichert, der beteuert, alle Unterlagen zeitnah eingereicht zu haben. 

In der Folge versuchten sowohl sein Hausarzt als auch die Fachärztin, einen Gesprächspartner ans Telefon zu bekommen. „Der Vorgesetzte war nicht zu erreichen und rief auch nicht zurück“, sagt Wichert. Dann kam ein zweiter Brief der Krankenkasse, in dem stand: Die medizinische Notwendigkeit ist aus sozialmedizinischer Sicht nicht gegeben. „Da wusste ich nicht mehr, was ich sagen soll“, war Bernd Wichert entgeistert und fragt sich: „Mein INR-Wert schwankt innerhalb einer Woche zwischen 1 und über 8 und eine medizinische Notwendigkeit ist nicht gegeben?“

Am 20. März legte er Widerspruch ein, am 1. April kam die Eingangsbestätigung mit der Mitteilung, die Bearbeitung nehme eine gewisse Zeit in Anspruch. Seitdem wartet Wichert, mal wieder. „Seit vier Wochen warte ich nun auf eine Reaktion. Verwirft die Krankenkasse meinen Widerspruch, bleibt mir nichts anderes übrig, als weiterhin ständig zum Arzt zu gehen. Dann könnte ich wohl nicht mehr in den Urlaub oder sonst wohin fahren.“

Das sagt die Krankenkasse

Auf Nachfrage unserer Zeitung teilte die Krankenkasse mit: „Herr Wichert hat im Januar das Gerät beantragt. Die Knappschaft hat in diesem Zusammenhang noch Informationen von seinem Arzt angefordert und diese allerdings erst nach Erinnerung im März erhalten. Das hat natürlich eine erhebliche Zeitverzögerungen bedingt. Das Gerät wurde mit der Begründung der nicht vorhandenen medizinischen Notwendigkeit abgelehnt.

Jetzt läuft das Widerspruchsverfahren, indem der Sachverhalt neu geprüft wird. Der Widerspruchsausschuss tagt regelmäßig alle drei Monate. Daher kann es in diesem Zusammenhang unter Umständen schonmal zu einer längeren Wartezeit kommen.

Dem Ausgang des Widerspruchsverfahrens können wir nicht vorgreifen und daher leider zum Ausgang keinerlei Aussagen treffen."

Kommentare