Sand aus Afrika kommt zu uns

Blutregen in Deutschland: Was steckt hinter dem Wetterphänomen?

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Unter dem Regenschirm sind wir sicher, wenn Blutregen fällt: Das Naturschauspiel hat im Mittelalter für Angst gesorgt. Die Menschen fürchteten, der Regen sei ein Vorboten von schlimmen Ereignissen.

Freitag der 13. - und dann ist auch noch Blutregen angesagt. Doch das ist kein Grund, in Angst und Aberglauben zu verfallen. 

Beim Blutregen handelt es sich um ein Wetterphänomen, das immer wieder vorkommt. Voraussichtlich wird es am Wochenende in Deutschland auftreten. Was dahintersteckt, erklären wir in diesem Überblick mit Fragen und Antworten.

Wie entsteht Blutregen?

Eigentlich ist Blutregen nichts anderes als Sand, der aus der Sahara zu uns kommt - gemischt mit einer ordentlichen Portion Wasser. Dieser Sand verfärbt das Regenwasser. Vermutlich haben schon viele auch bei uns in der Region bemerkt, dass sich eine sehr dünne gelb-rötliche Schicht zum Beispiel auf Balkongeländer und Autos gelegt hat. Das ist der Sand aus der Sahara, den der Wind als riesige Staubwolke zu uns gebracht hat. Wenn nun am Freitag in weiten Teilen Deutschlands stärkere Regenfälle und Gewitter über das Land ziehen, wird dieser Sand schließlich ausgewaschen.

Die Sahara gilt als größte sogenannte Trockenwüste der Erde und erstreckt sich über den Norden Afrikas. Das Wort stammt übrigens aus dem Arabischen: Dort heißt Sahara nichts anderes als Wüsten (also der Plural von Wüste). Als Größenvergleich: Die Sahara ist 26-mal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland.

Eindrucksvolle Landschaft: Die Sahara erstreckt sich über Nordafrika. Allerdings besteht nur etwa ein Fünftel der Wüste aus Sand. Der Großteil des Areals besteht aus Geröll, Kies, Steinen und Felsen. Natürlich ist die Wüste für Hitze und Trockenheit bekannt. Allerdings schneite es zuletzt im Dezember 2016 in einem algerischen Teil der Sahara.

Wann beginnt der Blutregen zu fallen?

Schon am Donnerstagabend kann es stellenweise schon soweit sein. Jan Schenk, Meteorologe bei wetter.com, sagt, dass Wind vom Süden her über die Republik weht. An Bord ist dann noch eine eher ungewöhnlich "große Menge Sahara-Sand". In der Nacht zu Freitag beginnen dann Schauer und Gewitter. Der meiste Blutregen wird den Prognosen zufolge in Hamburg und dem Norden Deutschlands fallen.

Zuletzt kam es im April 2016 zu diesem Wetterphänomen in Deutschland. Auch im Frühjahr 2014 wurde Blutregen bei uns beobachtet, der bis nach Norddeutschland Einzug hielt. Offenbar bleibt der Blutregen einem Zeitmuster treu, denn mit dem Auftreten in 2018 ist ein Zwei-Jahres-Rhythmus erkennbar. Ob er so konstant bleibt, weiß vermutlich niemand.

Wird in Nordhessen und Südniedersachsen auch Blutregen fallen?

Bisher ist das noch unklar und kann von Meteorologen nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Für Kassel in Nordhessen und Göttingen in Südniedersachsen ist jeweils eine Regenwahrscheinlichkeit von bis zu 90 Prozent für Freitag vorhergesagt. Das ist zumindest eine gute  Voraussetzung für das Wetterphänomen. 

Wie sieht Blutregen aus?

Blutrot ist er jedenfalls nicht. Meist geht die Farbskala vom Orange-Rötlichen bis ins Braun. Es gibt auch Varianten, die ins Gelbliche gehen.

Ist Blutregen gefährlich für Menschen oder Tiere?

Nein. Der Regen ist nicht giftig. Durch den Fall von Blutregen kann niemand krank werden oder gar sterben. Wer nass wird, muss also nicht mit gesundheitlichen Folgeschäden rechnen.

Muss ich bei meinem Auto etwas beachten?

Ja. Man sollte möglichst nicht selbst versuchen, den Regen vom Wagen zu entfernen. Insbesondere gilt: Nicht mit einem trockenen Lappen über den Lack wischen. Die winzigen Sandpartikel wirken sonst wie Schmirgelpapier. Das kann zu Lackschäden führen, die im schlimmsten Fall von einem Fachbetrieb behoben werden müssen. Das Geld für eine solche Reparatur kann man sich sparen, wenn man mit dem schmutzigen Auto in eine Waschanlage fährt. Denn dort wird das Auto nicht trocken gereinigt. Zuvor sollte man den Wagen ruhig mit viel Wasser abspritzen.

Was dachten die Leute früher über Blutregen?

Das Phänomen ist nicht neu. Laut Thomas Sävert, einem Meteorologen bei kachelmannwetter.com, stammt der Begriff wohl noch aus dem Mittelalter. Da sich die Menschen nicht erklären konnten, wie es zur Verfärbung des Wasser kam, wurde Blutregen mit dem Bösen assoziert und galt als schlechtes Omen.

Gibt es noch eine Bedeutung von Blutregen?

Es gibt tatsächlich noch weitere Bedeutungen. Die Blutregenalge kann durch massenhafte Vermehrung Wasser verfärben. Der Organismus kommt in Süßwasser (beispielsweise in Seen) vor. 

Zudem gibt es den Blutschnee. In diesem Fall sind Schneealgen dafür verantwortlich, dass sich Polarschnee in den Sommermonaten rosé bis rot verfärbt. Schon die Wikinger kannten dieses Naturschauspiel. 

Von Dorothea Backovic

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