Millionen Jahre alte Gesteinsformationen sind zu sehen

Weil das Wasser weg ist: Edersee ist derzeit riesiges Geotop

+
Ungewöhnlicher Blick: Durch den niedrigen Wasserstand des Edersees ist unter anderem der Hopfenberg zugänglich.

Edersee. Im Edersee ist so wenig Wasser wie seit 2003 nicht mehr – und das ermöglicht einen besonderen Blick: denn der See ist derzeit ein riesiges Geotop.

„Der leere Edersee ist derzeit das größte Geotop im Geopark Grenzwelten“, sagt Norbert Panek, Leiter des Geopark-Projektbüros.

Zuletzt zu sehen war das Gestein 2003 nach einem ebenfalls langen und trockenen Sommer. An zahlreichen Stellen ragen Gesteinsformationen vom Grund des Sees in die Höhe, teilweise bis zu zehn Meter hoch. Vor allem Grauwacken und Tonschiefer sind es, erklärt Panek. 

Norbert Panek

Besonders deutlich sind die verschiedenen Gesteine an der Halbinsel Hopfenberg nördlich des Wildgeheges zu sehen, am Südufer der Halbinsel Scheid sowie am „Weißen Stein“ südlich von Rehbach. Dort wurden auch Steine gebrochen für den Sperrmauer-Bau, sagt Panek.

Naturinteressierte können die Felsen erkunden, allerdings sollte man nicht zu nah an die steilen Wände gehen, da Material abbrechen könne, rät Panek. Ansonsten sei ein Besuch ungefährlich – dafür aber interessant. Entdecken könne man dort derzeit Pflanzenüberreste, die im Gestein eingeschlossen sind. Vor allem am Südufer von Scheid gebe es viele Pflanzen zu entdecken.

Wo jetzt der Edersee ist, wuchsen baumgroße Schachtelhalme

Unter anderem sind dort Schachtelhalme zu sehen, sagt der Experte. „Sie wurden früher baumgroß, waren Teil der Karbonflora.“ Erhalten seien davon aber jetzt nur noch Reste. Auch Bärlappgewächse könne man noch im Gestein entdecken.

Wer viel Glück – und ein gutes Auge – habe, könne auch Muscheln finden, sagt Norbert Panek. Unter anderem könnte man auf Poseidonmuscheln stoßen.

Eine Poseidonmuschel.

Und weil die Gesteine nicht oft zu sehen sind, hat Panek zusammen mit einem Geologen kürzlich die Chance genutzt und sich Grauwacken und Tonschiefer vor Ort angesehen.

Entdeckt haben sie dabei auch Überreste eines mit dem Seeigel verwandten Tiers, das es selten zu sehen gebe. Aber auch andere Fossilien wie Kopffüßer lassen sich mit Glück an den jetzt freigelegten Steilufern des Edersees finden.

Gesteinsformationen am Edersee sind 330 Millionen Jahre alt

330 Millionen Jahre alt sind die Gesteinsformationen am Grund des heutigen Edersees. Die ehemaligen Sedimente wurden als mächtige Schutt- und Schlammströme in ein tieferes Meeresbecken verfrachtet. Gesteinsschutt, das sich damals vom Schelfrand löste und in das damalige Becken des rhenoherzynischen Karbonmeeres verfrachtet wurde, bilden heute die beeindruckenden Gesteine. Regelrechte Schlammlawinen müsse es damals gegeben haben, sagt Geopark-Projektleiter Panek.

Zu erreichen sind mehrere der Felsen direkt über die Edersee-Randstraße.

Weitere Informationen dazu gibt es auch im Internet auf der Seite www.geopark-grenzwelten.de.

Kommentare