Staatsanwaltschaft äußert sich nicht zu Medienberichten

Fall Walter Lübcke: Ersthelfer kam von der Kirmes

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Spurensicherung am Tatort: Am Mittwoch sicherten Polizeibeamte weitere Spuren.

Nach Medienberichten soll der Tatort am Haus des erschossenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke manipuliert worden sein. Ein Sanitäter könnte dabei eine Rolle spielen. 

Aktualisiert um 16.20 Uhr - Demnach hätten Ermittler bemerkt, dass der Tatort verändert wurde. Das berichtete zunächst die "Bild"-Zeitung, später auch "Spiegel Online" mit Berufung auf eigene Quellen. Ein Sanitäter soll die Stelle, an der Lübcke gefunden wurde, verändert haben, heißt es. Der Verdacht liege nahe, dass er einige Bereiche säuberte, um Angehörigen den schrecklichen Anblick zu ersparen, schreibt "Spiegel Online"

Nach Informationen unserer Zeitung gehörte der Sanitäter, der Lübcke zunächst versorgte, nicht der Besatzung des angeforderten Rettungswagens an. Vielmehr ist der Erstversoger von Lübckes Familie gerufen worden.

Er kam dann von der Kirmes zu Lübckes Haus, auf dessen Terrasse der 65-Jährige aufgefunden worden war. Das Grundstück befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Kirmesgelände. Nach Informationen mehrer Medien hat der privat herbeigerufene Sanitäter dann den Tatort insofern verändert, dass er Blut weggewischt haben soll.

Das Wohnhaus der Familie Lübcke im Wolfhager Stadtteil Istha wird nach wie vor von Polizisten abgeschirmt.

Nach gesicherten Informationen unserer Zeitung handelt es sich bei dem Sanitäter um einen Freund von Lübckes jüngerem Sohn. Nachdem dieser seinen Vater auf der Terrasse gefunden hatte, rief er den Freund. Warum dieser Mann Blut vom Tatort weggewischt hat, darüber kann nur spekuliert werden. Es ist nun eine der vielen Aufgaben der Ermittler, die Intention des Mannes herauszufinden.

Holger Gerhold-Toepsch, Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes erklärte, dass Sanitäter des DRK schon in der Ausbildung darauf hingewiesen würden, an einem erkennbaren Tatort nichts verändern zu dürfen. Es liege aber in der Natur der Menschenrettung, dass bei Wiederbelebungsmaßnahmen eine Veränderung der Aufnahmesituation vorgenommen werden müsse.

Staatsanwaltschaft: Kein Kommentar zum jetzigen Zeitpunkt

Andreas Thöne, Sprecher der Kasseler Staatsanwaltschaft will das auf Anfrage unserer Zeitung nicht bestätigen. "Zum jetzigen Zeitpunkt werden wir so etwas sicher nicht kommentieren", sagte er. Die Sonderkommission „Liemecke“, die den gewaltsamen Tod von Lübcke aufklären will, hat am Dienstag ihre Arbeit aufgenommen.

Sie ist mittlerweile von 20 auf 50 Personen aufgestockt worden. Ermittler der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes und des Polizeipräsidiums Nordhessen sind auch am Mittwochmittag in Istha, um sich ein präziseres Bild vom Tatort zu machen. "Für uns ist dies der wichtigste Tatort in Hessen seit Jahren", sagt Dirk Hintermeier, Sprecher des LKA in Hessen. Er rechnet damit, dass die Ermittler heute bis in die späten Stunden vor Ort sein werden. "Es geht nicht darum, dass hier bislang etwas vergessen wurde", erklärt der 52-Jährige, ""sondern darum, Schritt für Schritt alles noch genauer zu untersuchen." Eine neue oder konkrete Theorie habe sich aber noch nicht ergeben.

Kriminaltechnologische Unterstützung kommt derweil vom Bundeskriminalamt. Zudem ist ein weiterer Zeugenaufruf in den sozialen Netzwerken geplant. Dort soll auch die Möglichkeit eingeräumt werden, Video und Bildmaterial hochzuladen. Offen ließ Hintermeier, welche Rolle die zur Tatzeit parallel stattfindende Kirmes gespielt habe. "Natürlich ergeben sich da eine Menge möglicher Zeugen", sagt der LKA-Sprecher.

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Lübcke war am frühen Sonntagmorgen auf seinem Grundstück im Wolfhager Ortsteil Istha tot aufgefunden worden. Die Obduktion hatte ergeben, dass er erschossen wurde. Staatsanwaltschaft und LKA gaben am Montag auf einer Pressekonferenz bekannt, in alle Richtungen zu ermitteln. Eine Tatwaffe war nicht gefunden worden, für einen Suizid gibt es laut Staatsanwaltschaft keinen Hinweis.

Trauerfeier für Walter Lübcke in der Martinskirche 

Eine Trauerfeier für Lübcke findet nächste Woche Donnerstag, 13. Juni, 16 Uhr, in der Martinskirche in Kassel statt.

Das teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Elke Cezanne auf Anfrage der HNA mit. Der Ablauf der Trauerfeier müsse noch abgestimmt werden. Es stehe noch nicht fest, ob ein Staatsakt veranstaltet werde.

Sonder-Webseite für Zeugenhinweise geschaltet 

Mit einem Internetauftritt hat sich am Mittwochnachmittag die Sonderkommission „Liemecke“, die zur Aufklärung des gewaltsamen Todes von Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke gegründet worden ist, an die Öffentlichkeit gewandt.

Auf der Internetseite des Polizeipräsidiums Nordhessen fordern die Ermittler die Besucher der Kirmes in Istha auf, die am Samstagabend zwischen 22 Uhr und 1 Uhr Fotos und Videos auf dem Fest gemacht haben, diese der Soko zur Verfügung zu stellen. Zudem wollen sie wissen, wer in diesem Zeitraum in Wolfhagen-Istha Knall- oder Schussgeräusche gehört hat.

Hinweise, die zur Aufklärung der Tat beitragen können, an die Soko „Liemecke“ unter Tel. 05 61/910-4444. Hinweise in Bild- oder Bewegtbildformat können unter wolfhagen@polizei-hinweise.de übermittelt werden.

Spurensuche in Istha: Kasseler Regierungspräsident Lübcke tot

Pressekonferenz des LKA zum Tod von Walter Lübcke

Einen Nachruf auf den Regierungspräsidenten lesen Sie hier.

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