Liste zurückgerufener Präparate

Valsartan-Rückruf: Weitere Chargen betroffen - was Patienten wissen müssen

Die Liste der Blutdrucksenker, die Valsartan eines chinesischen Herstellers beinhalten und daher vom Rückruf betroffen sind, wird länger.

Aktualisiert am 26. September um 16.15 Uhr - Das Unternehmen Stada ruft mehrere Medikamentenchargen zurück, die Valsartan beinhalten, das teilte die Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker am Dienstag mit. 

Der Grund: Die Medikamente sind wie die lange Liste an Präparaten, die bereits im Juli zurückgerufen wurden, mit NDMA verunreinigt.

Betroffen vom neuen Rückruf sind diese Chargen: 

  • Valsartan Stada 160 mg, 28, 56 und 98 Filmtabletten, Ch.-B.: 70421 
  • Valsartan Stada 320 mg, 98 Filmtabletten, Ch.-B.: 71263V 
  • Valsartan/HCT Stada 160 mg/12,5 mg, 28, 56 und 98 Filmtabletten, Ch.-B.: 64005 
  • Valsartan/HCT Stada 160 mg/12,5 mg, 98 Filmtabletten Ch.-B.: 64508 

Laut Unternehmen liegt die Verunreinigung deutlich unter der der bisher zurückgerufenen Chargen, sehr nah an der Grenze daran, welche Verunreinigung überhaupt gemessen werden kann. Retouren erfolgen über die Apotheken mit Angabe der Kundennummer per Fax, der Dienstleister hole die Medikamente dann ab. Ein Rückruf auf Kundenebene erfolgt nicht.

Verbot für Firma Zhejiang Tianyu 

Die Firma Zhejiang Tianyu darf aktuell kein Valsartan mehr für die EU produzieren, das meldet die Deutsche Apotheker-Zeitung. Ihr Zertifikat für die Herstellung wurde ausgesetzt. Im August war bekannt worden, dass das Valsartan des chinesischen Wirkstoffherstellers ebenfalls von der Verunreinigung betroffen ist. Im Zuge dessen rief die Firma Aurobindo ihren Blutdrucksenker der einen Charge zurück, die in Deutschland vertrieben wird: HCT Aurobindo 320/25 mg mit der Chargenbezeichnung VZM18001-23B.

Im Valsartan, das von der Firma Zhejiang Tianyu hergestellt wurde, war der krebserregende Stoff NDMA festgestellt worden - allerdings in deutlich geringerem Maße als bei dem chinesischen Hersteller Zhejiang Huahai Pharmaceuticals, der die große Rückrufwelle im Juli ausgelöst hatte.

Mittlerweile steht fest, dass das Mittel eine weitere unerwünschte Substanz enthält: N-Nitrosodiethylamin (NDEA). Der ebenfalls zu den Nitrosaminen gehörende Stoff gilt laut Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als wahrscheinlich krebserregend.

Unterdessen geht die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) nur von einem geringen Krebsrisiko für Patienten aus. Wer ein betroffenes Präparat in der höchsten Dosierung von 320 Milligramm täglich von Juli 2012 bis Juli 2018 genommen habe, habe dadurch ein Lebenszeit-Krebsrisiko von etwa 1 zu 5000, teilte die Londoner Behörde auf ihrer Internetseite mit. Bei geringerer Dosierung oder kürzerer Einnahme sei die Gefährdung noch kleiner.

Rückruf-Welle seit Juli

Der Wirkstoff Valsartan eines chinesischen Herstellers ist möglicherweise schon seit Jahren verunreinigt, das meldet die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Demnach könnte die Verunreinigung durch einen Wechsel im Herstellungsprozess im Juli 2012 hervorgerufen worden sein.

Seit Mitte Juli werden zahlreiche valsartanhaltige Medikamente gegen Bluthochdruck europaweit zurückgerufen. Nun wurde außerdem bekannt: Das Unternehmen Hormosan ruft ein weiteres Sartan zurück: Irbesartan-Hormosan. Laut der Deutschen Apotheker-Zeitung kann die Firma nicht ausschließen, dass das Medikament ebenfalls verunreinigt ist.  

Von der ersten Rückrufwelle waren Mittel betroffen, die den Stoff Valsartan des chinesischen Herstellers Zhejiang Huahai Pharmaceuticals enthalten. Produktionsbedingt sind sie mit N-Nitrosodimethylamin (NDMA) verunreinigt, das hat das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker nun nachgewiesen. Diesen Stoff haben sowohl die EU als auch die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.

Folgt Irbesartan auf Valsartan?

Bisher ist Irbesartan von Hormosan das einzige Sartan neben Valsartan, das zurückgerufen wird. Sollten sich andere Unternehmen anschließen, könnte sich der Engpass in der Versorgung mit Sartan weiter verschärfen: Viele Patienten wurden bereits auf Irbesartan als Alternative umgestellt.  

Welche Valsartan-Rückrufe sind bisher bekannt?

Laut der Deutschen Apotheker-Zeitung ist ein Rückruf dieser Valsartan-Präparate bekannt:

Präparat

Wirkstärke

Packungsgröße

1 A Pharma

40, 80, 160, 320

28, 56, 98

AAA

40, 80, 160, 320

Alle

Abz

40, 80, 120, 160, 320

Alle

Actavis

80, 320

80 mg: 28

320 mg: 28, 56 und 98

Al

40, 80, 160, 320

40 mg: 28

80, 160 und 320 mg: 98

CT

120, 160

Alle

Dexcel

80, 160

98

Hennig

40, 80, 160, 320

Alle

Heumann

40, 80, 160 und 320

28, 56 und 98

Hexal

40, 80, 160, 320

28, 56, 98

Puren

40, 80, 160, 320

Alle

Ratiopharm

40, 80, 120, 160, 320

Alle

Stada

40, 80, 160, 320

28,56, 98

Valsargamma

80

Alle

Zentiva

40, 80, 160, 320

Alle

Außerdem sind diese Präparate mit Valsartan plus Hydrochlorothiazid betroffen:

Präparat

Wirkstärke

Packungsgröße

1 A Pharma

80

/12,5, 160/12,5, 160/25, 320/12,5 und

320 /25

28, 56, 98

comp. Abz

80/12,5, 160/12,5, 160/25, 320/12,5 und 320/25

Alle

Valsartan/HCT Al

160/12,5, 160/25 und 320/25

98

comp Basic

80 mg/12,5 mg, 160 /12,5 und 160/25

28, 56 und 98

comp.-CT

80/12,5, 160/12,5, 160/25 und 320/25

Alle

Hennig plus HCT

HCT 80/12,5, 160/12,5, 160/25, 320/12,5 und 320 /25

Alle

Hexal comp

8

0/12,5,

160/12,5, 160/25, 320/12,5 und 320/25

28, 56, 98

Hormosan

80/12,5, 160/12,5 und 160/25

Alle

comp. Puren

80/12,5, 160/12,5, 160/25, 320/12,5 und 320/25

Alle

Ratiopharm comp.

80/12,5, 160/12,5, 160/25, 320/12,5, und 320 /25

Alle

Valsartan/HCT Stada

80/12,5, 160/12,5, 160/25,

320/12,5 und 320 /25

28, 98

Zentiva comp.

80/12,5, 160/12,5, 160/25, 320/12,5 und 320/25

Alle

Weitere Informationen zu Pharmazentralnummern und Chargenbezeichnungen der zurückgerufenen Produkte finden Sie bei der Deutschen Apotheker-Zeitung.

Was tun, wenn ich ein valsartanhaltiges Mittel einnehmen muss?

Viele verunsicherte Patienten bringen ihre Medikamente zurück in die Apotheken. "Die Kunden sind wütend, ängstlich, besorgt, verunsichert und verstehen die Situation nicht", zitiert das Magazin Apotheke Adhoc die Pharmazeutisch-technische Assistentin einer Berliner Apotheke. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) betont allerdings, ein akutes Patientenrisiko bestehe nicht - ein Rückruf der betroffenen Präparate auf Patientenebene erfolge nicht. Lediglich aus den Apotheken und dem Großhandel werden die Medikamente zurückgerufen.

Patienten, die dieses Medikament einnehmen, sollten Valsartan auf keinen Fall eigenmächtig absetzen. „Ein plötzliches Absetzen kann sich besonders auf das Herz-Kreislauf-System und die Nierenfunktion auswirken“, betont Heidi Günther, Apothekerin bei der Barmer. Auch die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt verunsicherten Patienten, ihre blutdrucksenkenden Arzneimittel nicht eigenmächtig abzusetzen. Stattdessen sollte man sich Rat bei seinem Arzt holen.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) empfiehlt Ärzten eine Wirkstoffverordnung auszustellen, sodass es der beliefernden Apotheke problemlos möglich ist, Patienten mit einer Packung, die nicht vom Rückruf betroffen ist, zu versorgen. Von einer Verordnung der Originalpräparate mit aut idem-Kreuz (Anm. der Redaktion: Mithilfe des aut-idem-Kreuzes können Ärzte verhindern, dass das verordnete Arzneimittel gegen ein rabattiertes ausgetauscht wird), die neben Generika anderer Firmen, derzeit nicht vom Rückruf betroffen sind, rät die KV ab. Bei Diovan/Codiovan und Provas/ Provas comp. würden für die Patienten Mehrkosten von mindestens 70 Euro je N3-Packung zusätzlich zur Zuzahlung anfallen. 

"Zusätzlich möchten wir darauf hinweisen, dass als Therapieoptionen andere Wirkstoffe aus der Substanzklasse der Sartane (Olmesartan, Losartan, Candesartan etc.) oder der ACE-Hemmer (Ramipril, Enalapril etc.)  zur Verfügung stehen", heißt es in der Stellungnahme der KV.

Tipps auf einen Blick: Wie sollten Patienten mit dem Rückruf umgehen?

Was tun, wenn man regelmäßig Medikamente einnimmt, die vom Rückruf betroffen sind? Wir haben die wichtigsten Tipps der Arzneimittelkommission und der Deutschen Apotheker-Zeitung zusammengestellt:

  • Setzen Sie die Medikamente auf keinen Fall einfach ab.
  • Besprechen Sie sich zunächst mit Ihrem Arzt. Er kann Ihnen ein neues Rezept für ein nicht vom Rückruf betroffenes Präparat ausstellen.
  • Lösen Sie das Rezept in der Apotheke ein und lassen sich ein neues Präparat geben. Sie können vom Rückruf betroffene Medikamente nicht gegen andere Mittel umtauschen - wenn Sie zuzahlungspflichtig sind, müssen Sie die Zuzahlung daher noch einmal leisten. Manche Krankenkassen übernehmen sie, allerdings nicht alle. Heben Sie alle Belege auf und reichen sie an die Krankenkasse weiter. 
  • Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, welche Kosten übernommen werden.

Muss ich die Kosten für alternative Mittel selbst tragen?

Beispielsweise beim Originalhersteller Novartis, der vom Rückruf nicht betroffen ist, kosten 98 Tabletten Diovan 160 mg 109,75 Euro - sie sind nicht rabattiert, es fallen daher über 85 Euro Mehrkosten an, das schreibt die Deutsche Apotheker-Zeitung. Doch wer trägt diese Kosten, falls der Patient auf dieses Präparat zurückgreifen muss?

Patienten, die bei der AOK versichert sind, könnten Glück haben: Die Krankenkasse hat flächendeckend Rabattverträge mit TAD Pharma abgeschlossen, einem Pharmaunternehmen, das nicht vom Rückruf betroffen ist. Zwei Gebietslose bilden allerdings eine Ausnahme: Die AOK Rheinland/Hamburg und die AOK Nordost, sie haben ihre Verträge mit dem betroffenen Unternehmen Heumann. Die AOK Rheinland/Hamburg übernimmt sowohl anfallende Zuzahlungen als auch eventuell anfallende Mehrkosten. Dafür müssen die Apotheken-Quittungen vorgelegt werden. Die AOK Nordost sagte gegenüber der Deutschen Apotheker-Zeitung, sie übernehme "einmalig die aus der Festbetragsüberschreitung resultierenden Mehrkosten für das Altoriginal."

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Die Krankenversicherung Barmer meldet, dass sie Zuzahlungen für Alternativen übernimmt - auch, wenn alte Packungen noch nicht aufgebraucht wurden. "Wenn Sie zuzahlungspflichtig sind, werden Sie in der Apotheke zunächst die Zuzahlung bezahlen. Diese erstatten wir Ihnen aber gerne nachträglich", heißt es auf der Homepage.

Die DAK wird sich an den Regelungen der Barmer Ersatzkasse orientieren, teilte ein Sprecher mit. Die genauen Bestimmungen müssen jedoch noch beschlossen werden. 

Auch die Techniker Krankenkasse (TK) wird Zuzahlungen bei einem neuen Rezept einmalig erstatten. Mit Lieferengpässen und damit verbundenen höheren Mehrkosten wird dort nicht gerechnet. 

Die IKK prüft momentan, wie die Krankenkasse in dieser Situation mit ihren Versicherten umgeht.

Die Krankenkasse Pronova BKK übernimmt anfallende Mehrkosten für alternative Präparate. Allerdings soll laut Apotheke Adhoc ein günstigeres Generikum, auch Nachahmerpräparat genannt, jeweils einem teuren Medikament vorgezogen werden.

Europaweiter Rückruf von Medikamenten, die den Stoff Valsartan des chinesischen Herstellers Zhejiang Huahai Pharmaceuticals enthalten: Die Mittel werden nicht mehr abgegeben.

Es ist aber auch möglich, dass einzelne Krankenversicherungen die Mehrkosten nicht tragen, davon zumindest berichtet das Magazin Apotheke Adhoc: Demnach musste ein Mann aus Nordrhein-Westfalen 122,59 für ein alternatives Mittel selbst tragen.

Sollten Sie vom Rückruf betroffen sein und noch nicht wissen, ob Sie Kosten selbst tragen müssen, fragen Sie am besten bei Ihrer Krankenversicherung nach.

Diese valsartanhaltigen Produkte können bedenkenlos eingenommen werden

In einer Pressemitteilung gab das Unternehmen Novartis Pharma bekannt, dass seine Mittel mit Valsartan, die in Irland oder der Schweiz hergestellt wurden, nicht betroffen seien. Dabei handelt es sich um diese Mittel:

  • Entresto 
  • Exforge 
  • Exforge HCT 
  • Diovan 
  • Codiovan 
  • Dafiro 
  • Dafiro HCT 
  • Provas 
  • Provas Comp.
  • Außerdem sind laut der Deutschen Apotheker-Zeitung Produkte von TAD Pharma nicht betroffen:

    • Valsacor
    • Valsacor comp

    Auch Mylan-Produkte können weiterhin verwendet werden:

    • Valsartan dura
    • Valsartan/HCT Mylan

    Nicht betroffen vom Rückruf ist außerdem Aurobindo:

    • Valsartan HCT Aurobindo

    Welche Präparate wurden bisher am häufigsten verkauft?

    Valsacor von TAD Pharma und Valsartan dura von Mylan sind laut dem Arzneimittelverordnungsreport 2017 die Valsartan-Mono-Präparate, die im Jahr 2016 am häufigsten abgegeben wurden. Bei den Kombi-Präparaten führt Valsacor comp. Die Unternehmen, die zugleich Rabattpartner vieler Krankenkassen sind, werden nun den Ausfall ihrer Wettbewerber ausgleichen müssen - inwieweit sie das schaffen, bleibt laut der Deutschen Apotheker-Zeitung dennoch abzuwarten. 

    „Wenn wir in Zukunft die Qualität der Versorgung verbessern und ähnlichen Fällen vorbeugen wollen, müssen Rabattverträge auf den Prüfstand. Denn neben der Anzahl von Rabattverträgen nimmt parallel auch die Anzahl der Rückrufe stetig zu. 2017 erfolgten in Deutschland 289 Rückrufe, im laufenden Jahr waren es bereits 209", sagt der Vorsitzende der Gehe-Geschäftsführung Dr. Peter Schreiner gegenüber der Deutschen Apotheker-Zeitung. Seiner Meinung nach könnte die globale Konzentration der Produktion von Wirkstoffen, hervorgerufen durch einen großen Preisdruck der Rabattverträge, nun einen Engpass bei valsartanhaltigen Medikamenten hervorrufen. Es sei Aufgabe der Politik, die Systematik der Rabattverträge auf den Prüfstand zu stellen.

    Valsartan-Rückruf als Desaster

    Der Rückruf ging schleppend vonstatten und schon jetzt wird von Lieferengpässen berichtet - die Chefredakteurin der Deutschen Apotheker-Zeitung Dr. Doris Uhl spricht sogar vom "Valsartan-Desaster". Und sie warnt: "Alles könnte noch viel schlimmer kommen." Zahlreiche Fragen seien aktuell unbeantwortet und die Apotheker, die Patienten informieren müssten, tappten oft selbst im Dunkeln. So würden sie nicht darüber informiert, wie hoch die Konzentration des krebserregenden Stoffes im verunreinigten Valsartan überhaupt ist. Man wisse nicht, wie die Verunreinigung genau passieren konnte, warum sie nicht früher entdeckt wurde und ob nicht auch andere Wirkstoffe des Herstellers betroffen sein könnten. 

    Auch sei noch unklar, wie sich Krankenkassen verhalten werden, wenn günstigere Generika nicht mehr vorrätig seien und man auf viel teurere Produkte, etwa von Novartis, zurückgreifen müsse. "Fakt ist, dass unsere Abhängigkeit von immer weniger und gleichzeitig immer größer werdenden Wirkstoffherstellern die sichere Arzneimittelversorgung massiv gefährdet", mahnt sie.

    Was passiert, wenn Valsartan knapp wird?

    Patienten, die vom Rückruf betroffene Mittel regelmäßig einnehmen müssen, können sich stattdessen Präparate anderer Hersteller verschreiben lassen. Laut der Deutschen Apotheker-Zeitung gab es aber bereits Anfang der Woche vereinzelt Meldungen, diese Mittel seien schwer zu erhalten. Der Großhändler Gehe aus Stuttgart geht sogar davon aus, es werden weitreichende Engpässe bei valsartanhaltigen Medikamenten entstehen. "Man muss nun kein Großmeister in höherer Mathematik sein, um auszurechnen, dass die Versorgungssituation sich kritisch zuspitzen könnte", warnt die Deutsche Apotheker-Zeitung.

    Es gibt andere Sartane, die als Alternativen für Valsartan benutzt werden können: Azilsartan, Candesartan, Eprosartan, Irbesartan, Losartan, Olmesartan und Telmisartan. Sie müssten allerdings anders dosiert werden. 

    Ein Glück sei es aber, dass der Hersteller TAD Pharma, der nicht nur Marktführer ist, sondern auch alleiniger Rabatt-Vertragspartner von fast allen AOKen, nicht vom Rückruf betroffen ist. 

    Können weitere Wirkstoffe des chinesischen Herstellers verunreinigt sein?

    Laut dem Magazin Apotheke Adhoc hat Zhejiang Huahai Pharmaceutical Entwarnung gegeben: Andere Wirkstoffe könnten demnach nicht verunreinigt sein. Das Unternehme haben unterschiedliche Synthesewege genau analysiert und könne aufgrund der verschiedenen Prozesse ausschließen, dass weitere Stoffe mit NDMA verunreinigt worden seien.  

    Was ist Valsartan überhaupt? 

    Valsartan ist ein Wirkstoff, der zu hohen Blutdruck kontrollieren soll. Zum Einsatz kommt er in Arzneimitteln für Patienten mit Bluthochdruck, Herzschwäche oder nach einem Herzinfarkt. Hergestellt wurde dieser spezielle Wirkstoff vom chinesischen Konzern Zhejiang Huahai Pharmaceutical. Eingesetzt haben ihn weltweit Generikaunternehmen wie Ratiopharm, AbZ, Hexal oder Stada, die günstigere Nachahmerpräparate herstellen.

    Wie läuft der Rückruf ab?

    Bei den Apotheken laufen die Informationen zusammen, welche Chargen betroffen sind. Diese Arzneimittel sind vom Verkauf gesperrt, heißt es bei der Barmer. Chargenbezogen bedeutet, dass nicht die gesamte Produktionslinie vom Markt genommen werden muss, sondern nur einzelne Produktionseinheiten betroffen sind.

    Was ist der Unterschied zwischen einem Wirkstoff und einem Arzneimittel? 

    Der Wirkstoff Valsartan ist die Substanz, die für die Wirkung im Arzneimittel verantwortlich ist – also in dem Fall den Blutdruck senkt. Wirkstoffe werden mit weiteren Stoffen von anderen Herstellern zu Arzneimitteln verarbeitet – zu Kapseln, Tabletten und so weiter.

    Was ist N-Nitrosodimethylamin?

    • N-Nitrosodimethylamin (kurz: NDMA) ist von der Internationalen Agentur für Krebsforschung der WHO und der EU als wahrscheinlich krebserregend beim Menschen eingestuft.

    • Nach Angaben der Deutschen Apotheker-Zeitung sind „bevorzugte Zielorgane von N-Nitrosodimethylamin (NDMA) – das als Verunreinigung nun im chinesischen Valsartan entdeckt wurde – Leber, oberer Gastrointestinaltrakt, Respirationstrakt, Niere und Harnblase“.

    • Der Wirkstoff Valsartan des chinesischen Herstellers soll produktionsbedingt mit besagtem NDMA verunreinigt worden sein.

    •Unklar ist derzeit, wie stark die Verunreinigung ist. Ein akutes Patientenrisiko besteht nach Ansicht des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) derzeit nicht.

    Von Matthias Lohr, Rebekka Knoll, Monika Wüllner, Anna Palka und Martina Hummel.

    Rubriklistenbild: © jarmoluk/Pixabay

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