Autositz der Zukunft weiß, wie es dem Fahrer geht

Uni Kassel forscht an System, das gestresste oder übermüdete Autofahrer erkennt

Testfahrt mit 3D-Simulator: Für die Studie tauchen Probanden mit einer Virtual-Reality-Brille in den hektischen Straßenverkehr. Dabei werden Herzfrequenz und Atmung überwacht. Unser Bild zeigt Michael Knötig von der Trout GmbH am Simulator.

Kassel. Es ist lebensgefährlich und doch tun es viele: Sie setzen sich übermüdet oder gestresst ans Steuer ihres Autos. In Kassel arbeiten Forscher an einer Lösung.

In einem Forschungsprojekt entwickelt die Kasseler Trout GmbH gemeinsam mit der Uni Kassel ein System, das solche Gefahrensituationen erkennt.. Dabei werden die Vitaldaten der Autofahrer überwacht. Die Technik ist auch auf andere sicherheitsrelevante Bereiche übertragbar, wie etwa auf Lokführer, Fluglotsen oder die Kontrolleure eines Kraftwerks.

Beim Projekt Vita-B geht es zunächst darum, ein System zu entwickeln, das verlässlich Stress oder Müdigkeit erkennt. Dazu müssen Vitaldaten aufgezeichnet und über einen rechnergestützten Algorithmus der mentale Zustand der jeweiligen Person ermittelt werden.

Probanden auf virtueller Testfahrt

Um diesen Prozess zu erproben, läuft am Fachgebiet Intelligente Eingebettete Systeme der Uni Kassel derzeit eine Studie, bei der Probanden mit einem modernen Fahrsimulator virtuelle Testfahrten absolvieren.

„Dabei werden die Testpersonen unter Stress gesetzt“, sagt Doktorand Florian Heidecker, der das Projekt unter Anleitung von Fachgebietsleiter Prof. Bernhard Sick betreut. So tauchen die Probanden mithilfe einer Virtual-Reality-Brille als Autofahrer in verschiedene Szenarien. Der Fahrsimulator, der das Lenken und Schalten erfordert, setzt die Fahrer dabei unter Termindruck. Sie müssen ein vorgegebenes Ziel in einer bestimmten Zeit erreichen. 

Auf ihrem Weg dahin treffen sie in der virtuellen Welt auf andere Autofahrer, die einen aggressiven Fahrstil pflegen. Gleichzeitig klingelt das Handy. „Noch niemand hat die Testfahrt bis zum Ziel unfallfrei geschafft“, sagt Heidecker. Auch gibt es monotone Nachtfahrten, um den Einfluss der Müdigkeit zu ermitteln.

Ein Sensor im Sitz misst Herzfrequenz und Atmung

Während der Testfahrten werden mit einem Sensor, der am Stuhl befestigt ist, die Herzfrequenz und die Atmung der Testpersonen überwacht. An dieser Stelle kommt die Kompetenz der Trout GmbH ins Spiel, die sich auf die Entwicklung technisch-wissenschaftlicher Software spezialisiert hat und schon ähnliche Projekte in den Bereichen Medizintechnik und Automotive erfolgreich durchgeführt hat.

„Die Sensorik liefert die Daten an einen Rechner, der die Müdigkeit und das Stresslevel bestimmt“, sagt Martin Bussas, Geschäftsführer der Trout GmbH. Sein Unternehmen kooperiert mit einem Autositzhersteller, der an einem intelligenten Sitz arbeitet, der irgendwann solche Daten verarbeiten können soll.

Noch werden Probanden gesucht

Noch bis November werden Probanden gesucht, die sich an den Tests beteiligen. Bis März 2019 soll dann ein prototypisches System entwickelt sein.

Wie die Technik später zum Einsatz kommt, das müsse die weitere Entwicklung zeigen, so Bussas. Möglich sei es beispielsweise, das System mit dem Bordcomputer eines Autos zu kombinieren. Dieser würde dem Fahrer bei Müdigkeit dann etwa vorschlagen, die Temperatur im Auto abzusenken oder das Radio einzuschalten.

Das Forschungsprojekt wird vom Land Hessen finanziell unterstützt.

• Wer sich als Proband zur Verfügung stellen möchte, meldet sich unter vitab@trout-gmbh.de. Unter allen Teilnehmern werden dreimal 50 Euro verlost. Die Testfahrten dauern etwa zwei Stunden und finden am Uni-Standort Wilhelmshöher Allee statt.

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