Kopfschuss aus nächster Nähe - Angehöriger fand Politiker 

Regierungspräsident Walter Lübcke: Das wissen LKA und Staatsanwaltschaft über seinen Tod 

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Gaben Auskunft, konnten aber nicht viel sagen: LKA-Präsidentin Sabine Thurau (von links), der Leitende Oberstaatsanwalt Horst Streiff sowie Pressesprecher Andreas Thöne (Staatsanwaltschaft) bei der Pressekonferenz.

Kassels Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke starb durch einen Kopfschuss aus nächster Nähe. Das teilten Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft mit. Vom Täter fehlt  jede Spur.

Lübcke war am frühen Sonntagmorgen mit einer Schussverletzung am Kopf tot aufgefunden worden. Nun ermittelt das Landeskriminalamt (LKA) zum Tod des 65-Jährigen. 

Einen ausführlichen Nachruf zum Tod von Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke lesen Sie hier. Was bisher bekannt ist zum Tod Lübckes, finden Sie gesammelt in diesem Artikel

Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke ist auf seiner Terrasse in Wolfhagen-Istha erschossen worden. Im Kopf des 65-Jährigen sei ein Projektil aus einer Kurzwaffe gefunden worden, die aus nächster Nähe abgefeuert worden sei. Für einen Suizid gebe es keine Anhaltspunkte.

Die Staatsanwaltschaft Kassel hat deshalb ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Tötung eröffnet. Das teilten Sabine Thurau, Präsidentin des Hessischen Landeskriminalamts (LKA), und Horst Streiff, Leiter der Staatsanwaltschaft Kassel, bei einer Pressekonferenz am frühen Montagabend mit.

Zahlreiche Medienvertreter waren zu der PK bei der Staatsanwaltschaft an der Frankfurter Straße erschienen. Die meisten ihrer Fragen wurden allerdings von Thurau und Streiff nicht beantwortet. Viele nicht aus „ermittlungstechnischen Gründen“, wie die beiden betonten. Die erste Phase nach der Tat sei nämlich „ermittlungsentscheidend“.

Fest stehe, so Streiff, dass Lübcke am frühen Sonntagmorgen um 0.30 Uhr von einem Angehörigen auf der Terrasse gefunden worden sei. Anschließend habe es Reanimationsversuche gegeben, allerdings ohne Erfolg. Lübcke wurde in die Kreisklinik nach Wolfhagen gebracht, wo um 2.35 Uhr sein Tod festgestellt worden sei.

Ob Lübcke an dem Abend Besuch hatte, was er auf der Terrasse gemacht hat und ob jemand einen Schuss in Istha gehört hat, dazu wurden keine Angaben gemacht. Ebenso wenig darüber, ob Lübcke selbst eine Waffe oder einen Waffenschein hatte.

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Bei der Pressekonferenz drehten sich mehrere Fragen um das Jahr 2015. Damals hatte Lübcke bei einem Info-Abend zur Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Lohfelden erklärt, man müsse für die Werte in diesem Land eintreten: „Wer diese Werte nicht vertritt, kann jederzeit dieses Land verlassen“. Daraufhin erhielt er Morddrohungen. Man habe keine Hinweise darauf, dass das Motiv des Täters im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise und den damaligen Äußerungen des Regierungspräsidenten stehe, betonte Thurau. Eine Gefährdung für den RP habe es zuletzt nicht gegeben. Lübckes Familie werde betreut. Ob sie sich derzeit noch im Haus in Istha befindet, dazu gab es keine Angaben.

„Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte Thurau. Bislang gebe es noch keine Erkenntnisse auf einen Tatverdächtigen oder über ein Motiv. Das LKA habe am Sonntagmorgen die Ermittlungen übernommen. Das geschehe immer dann, wenn eine Person des öffentlichen Lebens Opfer eines Tötungsdelikts geworden ist. Die Sonderkommission mit 20 Ermittlern werde in Nordhessen angesiedelt. Zudem liefere das Bundeskriminalamt Unterstützung.

Die Soko hat ein Hinweistelefon unter Tel. 05 61/910-4444 eingerichtet. Zudem gibt es eine E-Mail-Adresse: wolfhagen@polizei-hinweise.de

Pressekonferenz des LKA zum Tod von Walter Lübcke

Newsticker von der Pressekonferenz zum Nachlesen:

++ 17.50 Uhr: Auch die letzte Frage der Journalisten bleibt unbeantwortet: Ob Lübcke einen Waffenschein besaß, verrät Streiff nicht. Damit endet die Pressekonferenz. Festzuhalten bleibt: Lübcke starb durch ein Projektil. Ein Selbstmord wird ausgeschlossen. Alles andere ist derzeit unklar. 

++ 17.45 Uhr: Die Familie des Politikers wird betreut - auch um sie vor einer möglichen weiteren Tat zu schützen. Ein Selbstmord schließen die Ermittler mittlerweile aus. Ob die Tatwaffe gefunden wurde, wollen Polizei und Staatsanwaltschaft nicht verraten. Solche Informationen könnte die Ermittlungen gefährden. 

++ 17.43 Uhr: Viele Antworten gibt es nicht: Die Ermittler wissen derzeit nicht, wann der Schuss gefallen ist. Es gibt auch keine Hinweise, was auf der Kirmes passiert sein könnte.

++ 17.42 Uhr: Es wird in alle Richtungen ermittelt, sagt LKA-Chefin Thurau. Noch gibt es keine Hinweise auf ein Motiv. Lübcke hatte sich auch dezidiert zur Flüchtlingspolitik geäußert. Dass dies eine Rolle spielen könnte, ist bislang völlig unklar. Hinweise dafür gebe es nicht.

++ 17.40 Uhr: Um den Fall aufzuklären, wurde eine Sondereinheit aus 20 Polizisten gebildet, die vom Bundeskriminalamt unterstützt wird. LKA-Chefin Thurau bittet, nicht über die Tat zu spekulieren. Das gefährde die Ermittlungen.

++ 17.35 Uhr: Der Leitende Oberstaatsanwalt Streiff sagt, dass Lübcke in der Nacht auf Sonntag auf der Terrasse seines Wohnhauses gegen 0.30 Uhr von einem Angehörigen gefunden wurde. Wiederbelebungsversuche verliefen erfolglos. Sein Tod wurde um 2.30 Uhr in der Klinik in Wolfhagen festgestellt. Die Obduktion hat ergeben, dass er an den Folgen einer Schussverletzung starb. Das Projektil traf ihn aus nächster Nähe in den Kopf. Konkrete Hinweise auf den oder die Täter gibt es noch nicht. Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen.

++ 17.30 Uhr: Gerade sind Thurau, Streiff und die beiden Pressesprecher gekommen. Nun geht es los.

++ 17.25 Uhr: Für Hinweise gibt es eine spezielle E-Mail-Adresse: Jeder, der etwas gesehen hat rund um den Tatort, kann dies an wolfhagen@polizei-hinweise.de senden. Zudem wurde für Zeugen eine Telefonnummer freigeschaltet: 0561/910 4444.

++ 17.10 Uhr:Auf dem Podium werden Sabine Thurau, die Präsidentin des Hessischen Landeskriminalamts, sowie Horst Streiff, Leitender Oberstaatsanwalt, Auskunft geben. Außerdem die beiden Pressesprecher von LKA (Christoph Schulte) und Staatsanwaltschaft (Andreas Thöne).

++ 17 Uhr: In einer halben Stunde beginnt die Pressekonferenz bei der Kasseler Staatsanwaltschaft. Bereits jetzt ist der Versammlungsraum mit Journalisten aus dem gesamten Bundesgebiet besetzt. Der Tod des heimischen Politikers macht weit über die Region hinaus Schlagzeilen. 

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