Steuersünder zahlten 24 Millionen ans Finanzamt

Kassel. Der Steuerskandal des ehemaligen FC Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß wirkt nach: 2015 haben sich beim Finanzamt Kassel II-Hofgeismar 149 Steuersünder selbst angezeigt. Dadurch nahm der Fiskus zusätzlich 23,8 Mio. Euro ein, wie die Oberfinanzdirektion in Frankfurt auf Anfrage mitteilte. Weil die Hürden für eine Straffreiheit zum 1. Januar 2015 höher gehängt wurden, sind die Zahlen im Vergleich zum Rekord-Vorjahr aber deutlich niedriger.

Nachdem gegen Hoeneß ab 2013 wegen Steuerhinterziehung ermittelt wurde, waren auch beim Kasseler Finanzamt, das für Steuerstraftaten in ganz Nordhessen zuständig ist, die Selbstanzeigen sprunghaft gestiegen: 2013 zahlten gut 500 Steuersünder aus Nordhessen 36 Mio. Euro nach, 2014 zählten die Finanzbehörden 453 Selbstanzeigen, die 80 Mio. Euro zusätzlich einbrachten. Ein Rekord. Denn 2012 - also vor dem Fall Hoeneß - flossen durch reuige nordhessische Steuerzahler nur acht Mio. Euro. Im Vergleich dazu sind die aktuellen Werte immer noch hoch.

Dass sich zuletzt dennoch weniger Personen selbst anzeigten, hänge nicht nur mit der Verschärfung der Regeln für Straffreiheit zusammen, so Siegfried Werling, Sprecher der Oberfinanzdirektion. 2015 seien auch nicht in dem Umfang Steuer-CDs von Informanten gekauft worden. Berichte über Ankäufe hätten in der Vergangenheit viele dazu veranlasst, selbst die Karten auf den Tisch zu legen.

Hessenweit sind 2015 gut 1000 Selbstanzeigen bei den Finanzbehörden eingegangen, die 90 Mio. Euro Nachzahlungen zur Folge hatten. Daraus ist zu ersehen, dass in Kassel eine vergleichsweise kleine Zahl von Steuersündern hohe Millionenbeträge zahlte. Das Finanzamt Kassel II-Hofgeismar ist übergeordnet für Steuerstraftaten im Bereich der Finanzämter Kassel, Schwalm-Eder, Korbach-Frankenberg, Hersfeld-Rotenburg, Eschwege-Witzenhausen und Fulda zuständig.

Von Bastian Ludwig

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