Für Theaterstück "Operette"

Knapp 250 Nackte kamen zum Videodreh ins Kasseler Staatstheater

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Gibt ihre Sachen ab: Die Statistin Carina Sydow (links) bei der Oberlogenschließerin Monika Daher.

Fröhliche Stimmung im Foyer des Schauspielhauses: 500 nackte Statisten ab 18 Jahren wurden gesucht, knapp 250 waren Mittwochabend beim Videodreh im Staatstheater Kassel dabei.

Sie haben sich durch die Schlange am Einlass nicht die Laune verderben lassen. Manfred Zalfen ist einer der Teilnehmer. Derzeit wirkt der 77-Jährige auch beim "Rheingold" mit und liegt dabei als Statist auf der Bühne. "Ich hatte noch nie so einen tollen Blick auf die Arbeit des Dirigenten", schwärmt er.

"Den Spaß gönne ich mir", dachte sich auch Michael Maerz (44) und verband seine Anreise mit Weihnachtseinkäufen. Mit dem Nacktsein hat er kein Problem. "Wir gehen ja auch in die Sauna." Gerd Wehnes ist Förster im Ruhestand. "Ich möchte Teil eines Kunstprojektes sein", erläutert der 68-Jährige. "Du machst aber auch jeden Scheiß mit", neckt ihn ein Ehepaar, das giftgrüne Bademäntel trägt.

An der Garderobe sind sieben Mitarbeiterinnen im Einsatz, darunter Monika Daher. Kleidung und Wertsachen werden entgegengenommen und in Tüten gepackt, die Garderoben-Nummer auf ein kleines Pflaster geschrieben, das im Genick unterhalb des Haaransatzes aufgeklebt wird – so kann nichts verloren gehen.

"Hier mitzumachen ist ein Gag, etwas Außergewöhnliches", sagt Peter Blumenstein, der gern ins Theater geht und durch seinen Vorruhestand künftig mehr Zeit dafür hat. Auch Andreas Nicola möchte Teil einer Inszenierung sein. "Das war noch auf meiner To-do-Liste offen", erläutert er.

Knapp 250 gut gelaunte Statisten haben sich im Staatstheater Kassel für einen Videodreh ausgezogen.

Ganz nackt war niemand

Wirklich nackt war beim Videodreh zum Stück "Operette" von Witold Gombrowicz niemand. Alle Statisten nahmen aus hygienischen Gründen in hautfarbenen Slips auf den Sitzen Platz und trugen bis zum Drehbeginn ihre Bademäntel. Ramona Natge (43) hat sich vorgenommen, gerade zu sitzen. "Damit ich eine gute Figur mache", sagt sie. Die Tatsache, dass die Zuschauer auf eine riesige Spiegelwand blickten, kam ihr dabei entgegen.

Auf der Bühne begrüßten Regisseur Philipp Rosendahl und sein Team die Komparsen, auch er trug einen Bademantel. Thorsten Drücker hat die Musik zum Stück geschrieben. „Wer bereit ist sich auszuziehen, kann auch singen“, sagte er. Und tatsächlich, nach kurzer Einweisung sangen die Statisten „Ich kauf ihr einen Muff“ zu dem mitreißenden Sprechgesang der Darstellerin Caroline Dietrich. Das Stück, das vom Modediktatur handelt, verändert sich, indem sich die Bühnensituation dreht, verrät Dramaturg Thomaspeter Goergen. Hier kommt das Video als Hologramm, also als dreidimensionale Aufnahme, ins Spiel.

Hinter dem Schauspielhaus stand der umgebaute Zirkuswagen von Carsten Huhn mit einer Sauna bereit, die Mathias Steins für die Statisten anheizte. Für ihren Einsatz erhielten sie Einladungen zur Premierenparty.

Bereitet die Sauna vor: Mathias Steins im Saunawagen von Carsten Huhn.

Das Theaterstück "Operette"

Der polnische Schriftsteller Witold Gombrowicz (1904 - 1969) lieferte mit dem Stück „Operette“ im Jahr 1966 eine Partitur aus Worten, die nach Operette klingt. Thorsten Drücker hat die Musik für die Kasseler Aufführung komponiert (Choreografie: Volker Michl). Die Premiere am Samstag, 19. Januar, 19.30 Uhr, ist ausverkauft (Restkarten eventuell an der Abendkasse). Für die nächste Aufführung am Samstag, 26. Januar, 19.30 Uhr, sind noch Karten erhältlich. Neun weitere Aufführungen folgen.

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