Geschäftsrückgang seit September

SMA baut 425 Stellen ab - mehr als 100 Jobs in Niestetal betroffen

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Stellenabbau bei SMA: Der Solartechnik-Hersteller baut weltweit 425 Stellen ab. In Nordhessen sind mehr als 100 Stellen betroffen. Auswirkungen gibt es vor allem in China.

Der wegen des Preisverfalls seiner Produkte unter Druck geratene Kasseler Solartechnik-Konzern SMA baut weltweit etwa 425 Stellen ab. Davon entfallen mehr als 100 Stellen auf die Standorte in Kassel und Niestetal und mehr als 300 auf die Standorte im Ausland. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. 

Seine Standorte in China gibt der Wechselrichter-Hersteller ganz auf. Die chinesischen Gesellschaften verkauft er an das dortige Management. Die Mitarbeiter waren schon am Dienstag über die Pläne informiert worden. Der geplante Umbau soll ab Januar 2019 umgesetzt werden. Der Vorstand strebe einen sozialverträglichen Personalabbau an, sagte Vorstandssprecher Dr. Jürgen Reinert. Zum aktuellen Zeitpunkt könnten betriebsbedingte Kündigungen aber nicht ausgeschlossen werden.

Ziel des Umbaus sei es, die Fixkosten des Konzerns zu senken. Helfen sollen dabei die Auslagerung und Automatisierung von Tätigkeiten. Mithilfe der Restrukturierung will SMA die Kapazitäten an seinem Hauptstandort in Nietetal besser auslasten. Die Pläne seien ein Bekenntnis zum hiesigen Standort, sagte Reinert. 

SMA habe vor der Wahl gestanden, entweder so viel wie möglich nach China zu verlagern oder in Nordhessen zu konzentrieren. „Wir haben beide Szenarien stark durchgerechnet und es war nicht immer klar, wie die Entscheidung ausfallen würde“, so Reinert. Am Ende habe man sich aber für Deutschland entschieden, obwohl die Einsparungen mit einer Verlagerung nach China größer gewesen wären.

Um SMA langfristig zu sichern, setzt das Unternehmen auf neue Geschäftsfelder im Service, Datenhandel und in der Energiedienstleistung. Die bereits begonnene Weiterentwicklung des Konzerns zum System- und Lösungsanbieter solle verstärkt vorangetrieben werden, sagte Reinert. „Das sehen wir besser abbildbar mit der Mannschaft hier als in China.

Bereits Ende September hatte SMA den Personalabbau angekündigt, ihn damals allerdings noch nicht näher beziffert. Gleichzeitig hatte das Unternehmen seine Jahresprognose kassiert und sie Ende November erneut gesenkt. Der Konzern rechnet nun mit einem Umsatz von nur noch 760 bis 780 Millionen Euro. Zuvor war man von 800 bis 850 Millionen ausgegangen. Statt eines Gewinns wird ein operativer Verlust im mittleren bis oberen zweistelligen Millionen-Bereich erwartet. 

SMA zieht sich aus China zurück

Für die Krise macht SMA den Markteinbruch im weltweit größten Solarmarkt in China verantwortlich. Die chinesische Regierung hatte zu Jahresbeginn überraschend deutliche Kürzungen der Vergütungen und eine Kappung des Fotovoltaik-Ausbaus angekündigt. Die chinesischen Produzenten überschwemmten daraufhin den restlichen Weltmarkt mit Produkten zu Billigpreisen, um nicht auf ihnen sitzen zu bleiben. So verschärften sie den ohnehin harten Preiskampf auf dem Solarmarkt.

Der neue Vorstandssprecher Dr. Jürgen Reinert betonte am Mittwoch, dass er zuversichtlich sei, SMA mit der geplanten Restrukturierung 2019 wieder in die Gewinnzone zu bringen. Reinert hatte im Herbst Pierre-Pascal Urbon abgelöst. „Wir haben es geschafft, unser Produktportfolie zu erneuern“, sagte er. Vielen Wettbewerbern sei das nicht gelungen. „Wir sind gut aufgestellt.“ Um das zu gewährleisten, sei die Kostenreduktion jetzt aber leider noch einmal nötig. Reinerts Ziel: „SMA nicht überhastet, aber schnell wieder nach vorne bringen.“ Betriebsbedingte Kündigungen sollen dem Vorstandssprecher zufolge möglichst vermieden werden. Im Januar und Februar würden Gespräche mit den Mitarbeitern geführt und über Abfindungen verhandelt.

Und auch sonst geht der Konzern auf Sparkurs. Externe Kosten und Reisekosten etwa sollen reduziert, die Kasseler und Niestetaler Standorte verdichtet werden. In der Folge werden Reinert zufolge 2019 und 2020 Gebäude frei werden. Es gebe in dieser Hinsicht aber noch keine konkrete Planung. Die Kosten für den Umbau bezifferte der Vorstandssprecher im zweistelligen Millionenbereich. SMA will künftig neue Geschäftsfelder im Service, Datenhandel und als Energiedienstleister erschließen, um unabhängiger vom klassischen Geräte-, Anlagen- und Kraftwerksgeschäft zu werden. „Wir wollen uns stärker als Systemanbieter aufstellen“, so Reinert. Dabei würden auch neue Stellen geschaffen, die zum Teil auch durch Umschulungen besetzt werden könnten.

Für 2019 rechne der Vorstand jedoch unverändert mit einem wachsenden Umsatz und einem positiven Ergebnis, teilte SMA im November mit. Das solle mit neuen Produkten in neuen Märkten sowie gesteigerten Vertriebsanstrengungen erzielt werden. Die angekündigten Restrukturierungsmaßnahmen seien nunmehr verstärkt notwendig, hieß es weiter.

Kurz nach seinem Amtsantritt hatte Reinert betont, dass der Personalabbau gut durchdacht und mit Augenmaß und nicht nach dem Rasenmäher-Prinzip bewältigt werden solle. SMA beschäftigt weltweit mehr als 3000 Mitarbeiter, davon 2800 in Niestetal und Kassel und davon wiederum 600 Leihkräfte. In Spitzenzeiten waren es weltweit mehr als 6000 Beschäftigte, davon gut 5000 in Nordhessen.

Für die Krise macht das einstige Vorzeige-Unternehmen den Markteinbruch im weltweit größten Solarmarkt in China verantwortlich. Die chinesische Regierung hatte zu Jahresbeginn überraschend deutliche Kürzungen der Vergütungen und eine Kappung des Fotovoltaik-Ausbaus angekündigt.

SMA kämpft mit Billiganbietern aus China

Die chinesischen Produzenten überschwemmen seither den restlichen Weltmarkt mit Produkten zu Billigpreisen, um ihre Produktionskapazitäten auszulasten, und verschärfen so den ohnehin harten Preiskampf auf dem Solarmarkt. Projektentwickler und Investorenverschieben Großprojekte in Erwartung weiter fallender Preise. SMA hat in der Folge in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres zwar mehr Fotovoltaik-Wechselrichter verkauft, damit aber weniger verdient. Zudem hat der Konzern mit sinkenden Auftragseingängen zu kämpfen.

Weil das reine Wechselrichter-Geschäft immer schwieriger wird, ist das Unternehmen im Begriff, neue Geschäftsfelder im Service, Datenhandel und als Energiedienstleister aufzubauen. So will es unabhängiger vom klassischen Geräte-, Anlagen- und Kraftwerksgeschäft werden. Wechselrichter wandeln in Solarzellen gewonnenen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom um.

2017 erzielte SMA einen Umsatz von mehr als 890 Mio. Euro (2016: 946,7 Mio. Euro). Das Operative Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern (EBITDA) lag bei über 95 Mio. Euro (2016: 141,5 Mio. Euro).

Die anhaltende Krise der Branche hatte bei SMA Solar bereits mehrfach zum Jobabbau geführt. Zuletzt hatte der Konzern 2015 rund 1200 Stellen sozialverträglich abgebaut.

Der SMA-Sitz in Niestetal im Jahr 2010.

SMA - Kleiner Blick auf die Geschichte

"System-,Mess- und Anlagentechnik, Regelsysteme" so lautete der Name, unter dem SMA im Jahr 1981 als GmbH gegründet wurde. Der Gründungsort des Ingenieurbüros war Kassel. Am Anfang gab es lediglich sieben Mitarbeiter. Die Räumlichkeiten befanden sich in einer ehemaligen Bäckerei an der Kohlenstraße in Kassel. Schon ein Jahr später erfolgte der Umzug nach Niestetal (Kreis Kassel) - dort hat der Konzern bis heute seinen Hauptsitz.

Den ersten Solar-Wechselrichter PV-WR 1500 produziert SMA im Jahr 1991 - und zwar in Serie. Die Wechselrichter sind Bestandteil von Photovoltaikanlagen. SMA galt bislang als Platzhirsch in dem Segment. Bekannte Produkte der Niestetaler Firma tragen Namen wie: Sunny Boy und Sunny Central. SMA America wurde im Jahr 2000 gegründet. Seit 2004 heißt das Unternehmen offiziell SMA Solar Technology AG. 2008 ging SMA an die Börse. Die jüngste Hiobsbotschaft kam 2015: Damals wurde bekannt, dass SMA 1600 Stellen abbauen musste - Kündigungen wurden vermieden, weil es ein relativ breites Abfindungsprogramm gab. Mitbegründer Günther Cramer starb im Januar 2015 nach schwerer Krankheit.

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