Schnelles Internet in Hessen: Was wollen die Parteien?

Schnelles Internet ist ein wichtiger Standort-Faktor. Das Land Hessen sieht sich recht gut ausgestattet. Aber nicht überall funktionieren Online-Anwendungen rasch.

Das Internet in Hessen wird zwar grundsätzlich immer schneller. Allerdings kann der Ausbau hie und da ins Stocken geraten. Ende vergangenen Jahres hatten fünf von sechs Haushalten in Hessen eine Übertragungsrate von mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zur Verfügung, wie das Wirtschaftsministerium im April mitgeteilt hatte. 

Schnelleres Internet ist auch Thema im Wahlkampf zur Landtagswahl 2018 in Hessen. Wie soll es mit dem weltweiten Surfen im Netz nach den Vorstellungen der Parteien weitergehen?

CDU

Die Union nennt leistungsfähige Breitbandverbindungen "unverzichtbar für den Wirtschaftsstandort Hessen". Das Land zähle zu den Top 3 der Flächenländer, was die Breitbandversorgung angehe. "Wir wollen zudem ein eigenständiges Digitalisierungsministerium schaffen, um die Digitalisierungsstrategie des Landes umzusetzen, die Aktivitäten von Bund, Land und Kommunen zu koordinieren und Maßnahmen für Unternehmen, Arbeitnehmer sowie Bürgerinnen und Bürger zu bündeln."

SPD

Die Sozialdemokraten wollen für "Gründer, die neue Ideen im Grünen verwirklichen wollen, ... Funklöcher und Internetwüsten angehen". Der flächendeckende Ausbau des Breitbandnetzes soll schneller vorangehen, um den ländlichen Raum für alle Unternehmen attraktiver zu machen.

Grüne

"Bis Ende 2018 soll überall in Hessen schnelles Internet von mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zur Verfügung stehen", ziehen die Grünen Bilanz ihrer Regierungsbeteiligung. "Weil die Anforderungen weiter steigen, soll die von der Landesregierung gegründete Gigabit-Allianz den weiteren Ausbau noch schnellerer Datennetze vorantreiben." Das Landesprogramm zur Anbindung von Schulen an das Breitbandnetz solle fortgesetzt werden.

Linke

Die Linken fordern kostenloses W-LAN auf öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Einrichtungen. Außerdem müsse das Breitband flächendeckend ausgebaut werden, weil jeder Haushalt in Hessen ein Anrecht auf einen bezahlbaren und schnellen Internetanschluss habe.

FDP

Der flächendeckende Ausbau des Glasfasernetzes gehört für die FDP zu den wichtigsten Infrastrukturprojekten überhaupt. "Die Glasfaser ist die Autobahn ins digitale Zeitalter und lebensnotwendig für alle Menschen, egal ob in der Stadt oder auf dem Land."

AfD

Eine leistungsfähige und flächendeckende digitale Infrastruktur ist für die AfD "Grundvoraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung vorhandener Betriebe und die Neuansiedlung". Die Partei will kurzfristige Konzepte, "um die vollständige Breitbandversorgung Hessens innerhalb von drei Jahren zu erreichen".

Lesen sie auch: Heiße Phase beginnt: Das sind die 14 Kandidaten für die Landtagswahl

Schnelles Internet nicht überall in Hessen

Selbst im Jahr 2018 ist schnelles Internet in Hessen nicht überall selbstverständlich. Es gibt noch immer Regionen, da ruckelt und stockt das Bild zum Beispiel bei der Übertragung eines Films. Und beim Herunterladen von großen Dateien dauert es auch mal länger.

Dietmar Krist (CDU), Bürgermeister in der kleinenVogelsberg-Kommune Antrifttal, kennt diese alltäglichen Probleme zur Genüge - privat wie beruflich. Er sitzt an seinem Büro-Schreibtisch in der Gemeindeverwaltung und sagt: "Wenn ich größere Daten-Mengen laden muss, kann ich mir erstmal einen Kaffee holen, um die Wartezeit zu überbrücken." Das langsame Internet sei für die 1900 Einwohner zählende Gemeinde ein echter Standort-Nachteil.

Weil bislang keine Leitungen nach Antrifttal gelegt wurden, lässt sich Krist über eine Funkverbindung versorgen. "Aber die ist besonders bei schlechtem Wetter schwankend und bricht auch gern mal zusammen. Dann geht nichts mehr", sagt er und macht auf seinem Computer einen Geschwindigkeitstest der Internetleitung. 15 Megabit pro Sekunde kommen da raus. Das ist für eine moderne Geschäftsleitung recht lahm, verglichen etwa mit der Rhein-Main-Region.

Für den Bürgermeister und weitere leidgeprüfte Bewohner von Antrifttal und weiteren Dörfern im Vogelsbergkreis ist aber bald Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Aktuell vollzieht sich in noch nicht erschlossenen Gebieten der sogenannte Breitbandausbau. Dann sollen Übertragungsraten von mindestens 30 Megabit pro Sekunde erreicht werden, bei etwa 85 Prozent der Anschlussnehmer zwischen 50 bis 100 Mbit/s, wie der Landkreis berichtet.

Neben dem nicht sonderlich stark besiedelten Vogelsbergkreis weist auch der Schwalm-Eder-Kreis im Norden eine "deutlich unterdurchschnittliche Breitbandverfügbarkeit" auf, wie Wolfgang Harms aus dem hessischen Wirtschaftsministerium mitteilt.

Harms erklärt: Grundsätzlich hänge die Breitband-Erschließung mit der Siedlungsdichte zusammen. "Anders als etwa der Straßenbau ist sie keine öffentliche Aufgabe, sondern Geschäftsfeld der privaten Telekommunikationsunternehmen, die ihn im Idealfall allein bewerkstelligen sollten. In der Realität müssen sie ihre Investitionen natürlich an der Rentabilität orientieren. In Großstädten - kurze Wege, viele potenzielle Kunden - ist der Ausbau naturgemäß rentabler als auf dem Land."

Land Hessen sieht sich beim schnellen Internet gut aufgestellt

Abgesehen von den Schwierigkeiten in wenigen Landkreisen sieht sich das Land Hessen beim schnellen Internet gut aufgestellt. Mitte dieses Jahres hatten den Angaben zufolge fünf von sechs Haushalte (85,5 Prozent) die Möglichkeit, einen Breitbandanschluss von mindestens 50 Mbit/s zu bekommen. Der Ausbau sei übrigens im zweiten Halbjahr 2017 besonders schnell vonstatten gegangen. Vier der zehn bestversorgten Landkreise Deutschlands liegen überdies in Hessen, wie Harms sagt. Das sind der Odenwald, Main-Kinzig, Hochtaunus und Groß-Gerau. Hessen liege auf Platz drei bei den Flächenländern mit schnellem Internet, bei der reinen Gewerbeversorgung sogar auf Platz zwei.

Das Wirtschaftsministerium erwartet, dass Ende des Jahres flächendeckend schnelles Internet von 50 Mbit/s zur Verfügung steht - oder zumindest absehbar ist. Da die Anforderungen steigen, sind die nächsten Ausbauziele bereits gesteckt: Bis 2025 soll die Festnetz-Infrastruktur Bandbreiten von einem Gigabit pro Sekunde ermöglichen - also das 20-Fache der gegenwärtigen 50 Mbit/s. 2030 sollen flächendeckend Glasfaserleitungen bis in jedes Haus und jedes Unternehmen liegen.

Kritik vom Landrat des Vogelsbergkreises

Der Landrat des Vogelsbergkreises, Manfred Görig, ist unzufrieden mit dem Tempo, bevor es mit den Bauarbeiten für schnelle Unternehmens-Anbindungen überhaupt losgehen kann: "Die Ausschreibungsbedingungen des Staates sind viel zu komplex. Das Geld muss schneller unten ankommen." Hiermit meint der SPD-Politiker Bundesfördermittel für schnelle Glasfaserleitungen direkt zu den Unternehmen. Landrat Görig ist für 2019 optimistisch: "Wenn wir das haben, dann sind wir hessenweit vor anderen hessischen Landkreisen."

Telekom und Hessische Landkreistag nicht zufrieden

Unzufrieden ist auch die Telekom, weil sie sich beim Thema Breitband-Ausbau immer wieder in der Kritik sieht. "Wir haben einen Marktanteil von etwa 40 Prozent bundesweit. Aber viele Menschen - auch in Politik, Medien und Wirtschaft - glauben, wir müssten dennoch zu 100 Prozent den Netzausbau alleine stemmen. Stets im Fokus steht die Telekom und andere, zum Teil milliardenschwere Wettbewerber bleiben in schöner Regelmäßigkeit außen vor."

Unzufrieden ist auch der Hessische Landkreistag (HLT). Der Verband mahnt: "Die flächendeckende Glasfaserinfrastruktur auf Gigabit-Niveau und der weitere Ausbau des öffentlichen WLAN-Netzes sind dringend erforderlich. Insbesondere im ländlichen Raum sind jedoch noch Maßnahmen notwendig, um die digitalen Versorgungslücken zu schließen." HLT-Präsident Bernd Woide sagt: Zwar gebe es in den Landkreisen einige Modellprojekte und Initiativen, die zu einer besseren Netz-Versorgung führten. "Doch der von uns gewünschte flächendeckende Ausbau ist nur durch die Bereitstellung öffentlicher Fördermittel möglich." Bei dieser Herausforderung seien die Landkreise jedoch maßgeblich auf Bund und Land angewiesen.

Auch die hessischen Unternehmerverbände (VhU) forderten die Politik bereits vor der Landtagswahl im Oktober auf, für schnelleres Internet zu sorgen. Bei Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) finden sie damit Gehör. "Breitband ist die Basis-Infrastruktur für die Digitalisierung unserer Gesellschaft. Sie ist unerlässlich für Innovationen und wirtschaftliche Entwicklung", sagte er.

Hintergrund: Welche Internet-Geschwindigkeiten für welche Anwendungen nötig sind

Wie schnell sollte die Internet-Verbindung für welche Anwendungen sein? Der Branchen-Verband Bitkom (Berlin) nennt einige Richtwerte:

Chatten/Mails versenden: ab 2 Mbit/s

Websurfing: 2 bis 10 Mbit/s

Musikstreaming: etwa 2 bis 4 Mbit/s

Videostreaming in SD: etwa 2 bis 4 Mbit/s

Videostreaming in HD: etwa 7 bis 8 Mbit/s

Videostreaming in 4K: etwa 16 bis 20 Mbit/s

Zu beachten ist aber: Bei einer parallelen Nutzungen, zum Beispiel bei mehreren Geräten im gleichen WLAN, steigern sich die benötigten Bandbreiten.

Um die Geschwindigkeit einer Internet-Verbindung oder einer Festplatte zu beziffern, wird die sogenannte Datenübertragungsrate genutzt. Sie besagt, wie viele Daten pro Sekunde verarbeitet werden. (lhe)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Landtagswahl Hessen 2018
Kommentare zu diesem Artikel