Wiegand-Team montiert in China

Rotierende Röhren-Rutsche: Aus Rasdorf kommt die Weltneuheit Slide Wheel

Im Vierer-Reifen rutscht man durch die sich drehenden Röhren des Slide Wheels. Die 90 Sekunden für die 140-Meter-Rour wird man so rasch nicht vergessen. Foto: privat

Rasdorf. Es ist sozusagen eine Kreuzung von Riesenrad und Wasserrutsche. Das Riesen-Spaßgerät mit einer Höhe von 24 Metern heißt Slide Wheel und ist „made in Rasdorf“. 

Mit einer Weltneuheit geht die Firma mit dem bescheidenen Namen Wiegand Freizeiteinrichtungen auf den Markt. Das erste Exemplar wird im April in Betrieb genommen – in der südchinesischen Elf-Millionen-Einwohner-Stadt Guangzhou.

Wie es scheint, wird das Rasdorfer Unternehmen jetzt nicht nur für seine Entwickler-Kunst, sondern auch für seine Ausdauer belohnt. Denn die Anfänge des Projekts reichen bis ins Jahr 2012 zurück, berichtet Geschäftsführer Hendrik Wiegand. Damals hatte der Schweizer Erfinder Jean Claude Fischer dem Unternehmen die Idee für das Projekt vorgestellt. „Es war längst nicht alles für die Praxis durchdacht, aber der Grundgedanke der rotierenden Rutsche hat uns überzeugt“, erinnert sich der 53-Jährige.

Aus der Überzeugung wurde konkrete Projektarbeit. Planer, Statiker und Rutschenexperten setzten sich zusammen und erarbeiteten die Konstruktion für das Riesengerät. Denn in der Anlage verstecken sich rund 140 Meter Rutschröhren von sage und schreibe 2,70 Meter Durchmesser – Platz genug für Rutschreifen mit vier Personen. Am Ende stand eine TÜV-geprüfte Konstruktion – Grundlage für das Modell, mit dem Wiegand das Slide Wheel bei diversen internationalen Fachmessen vorstellte. „Die Neugier war groß – und ebenso die Skepsis der Kunden“, berichtet Wiegand. „Manche haben uns gefragt, ob das ein Scherz sei. Wir waren eigentlich an einem Punkt des Projekts angekommen, an dem wir auch darüber hätten nachdenken können, es einzustellen.“

Doch dann gelang in Zusammenarbeit mit der für den Vertrieb zuständigen Tochterfirma Wiegand-Mälzer GmbH der Durchbruch. Der Chimelong Water Park in Guangzhou hatte den Mut, das erste Slide Wheel zu ordern und damit den Startschuss für die reale Produktion zu geben. Jetzt sind die Monteure dort im Einsatz.

Und seitdem Kunden die Anlage im Probelauf erleben konnten, gehen die Bestellungen ein: Im vergangenen Vierteljahr kamen drei weitere feste Order: eine aus Mittelchina, zudem eine für Belgien und eine für den Aquapark im polnischen Reda unweit von Gdynia (Gdingen). Dort soll das Slide Wheel sich von 2019 an drehen. Für das Rasdorfer Unternehmen eine starke Nachricht. Denn den Preis für ein Slide Wheel beziffern Wiegand und sein Prokurist Dieter Hahn auf „mehrere Millionen Euro“.

Für die Produktion der Anlage des Slide Wheel suchte Wiegand sich einen Partner: Die im Bau von Achterbahnen und Riesenrädern erfahrene Firma Gerstlauer in Münsterhausen im bayerischen Landkreis Günzburg. Die Experten dort stellen die gesamte Stahlkonstruktion des „Rades“ her, in das die Rutschenröhren aus Glasfaserkunststoff eingebaut werden.

Im Kleinformat: Hendrik Wiegand neben dem Modell des Slide Wheel. Das Original ist 24 Meter hoch. Foto: Hartmut Zimmermann

Insgesamt 80 Tonnen Stahl werden dafür verbaut, hinzukommen noch die beiden A-förmigen rund 12 Meter hohen Träger, auf denen das „Rad“ mit den Röhren aufliegt.

Klar, dass Chef Hendrik Wiegand nach Bayern reiste, als das Slide Wheel für erste Proberutschtouren bereit war. Nun hofft er, dass der Spaß „für Menschen zwischen 8 und 80 Jahren“ seine Kunden findet. Nicht zuletzt die USA seien ein großer Markt.

Duales Studium ist möglich

Drei bis vier Slide Wheels pro Jahr – dafür reiche die Kapazität des Werks, sagen Hahn und Wiegand. Und sie wünschen sich, dass der Name ihres Unternehmens nicht nur weltweit, sondern auch in der Region noch mehr Menschen anspricht: „Wir haben äußerst attraktive Möglichkeiten für die handwerkliche Ausbildung und auch für duale Studiengänge“, betont Hahn. Der Weg über den Gesellen, Techniker und Meister könne zu Stellen mit besonderer Verantwortung führen. Und das in einem Unternehmen, das immer wieder an nicht ganz gewöhnlichen Projekten arbeite. Knapp 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt die Rasdorfer Wiegand Freizeiteinrichtungen GmbH. Die Anfänge des Unternehmens, das Gründer Josef Wiegand aufbaute und das heute von dessen Sohn Hendrik geführt wird, gehen auf Liftanlagen in der Rhön zurück. 1975 wurde die erste Sommerrodelbahn eröffnet. Das Unternehmen produziert an zwei Standorten in Rasdorf. „Auch bei den Wasserrutschen sind Ihrer Fantasie fast keine Grenzen gesetzt“, steht auf der Internetseite der Rasdorfer Wiegand Freizeiteinrichtungen GmbH. 

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 Gemeinsam mit der Tochtergesellschaft Wiegand-Mälzer in Starnberg entwickelte das Unternehmen seit 2012 das Slide Wheel. Jetzt wird aus der Theorie Praxis. (zi)

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