Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis verurteilt

Ohne Führerschein: 25-Jähriger lenkte Mannschaftswagen der Feuerwehr

Schwalm-Eder. Weil sich ein 25-Jähriger aus dem Schwalm-Eder-Kreis ohne Führerschein hinters Steuer gesetzt hatte, wurde er zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Das Gravierende an dem Fall, der vor dem Melsunger Amtsgericht verhandelt wurde: Der Mann führte in mehreren Fällen Fahrzeuge einer Feuerwehr im Altkreis Melsungen.

Die Konsequenz: acht Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung auf drei Jahre. Außerdem wurde eine Sperrfrist von einem Jahr verhängt, in der der Angeklagte seinen Führerschein nicht erwerben darf. 450 Euro muss er zusätzlich an den Freundeskreis Melsungen zahlen.

„Was hat Sie denn geritten, Sie hatten doch noch nie einen Führerschein“, fragte Richter Stephan Heidelbach, der den Angeklagten bereits aus einer anderen Verhandlung kannte. Der Vorwurf lautete diesmal: Vom 15. September bis 27. November 2017 soll der Angeklagte sowohl mit privatem Auto als auch mit Mannschaftswagen der Feuerwehr weite Strecken im Landkreis gefahren sein. „Ich wollte nur helfen und richtig zur Feuerwehr gehören“, lautete die Erklärung des Angeklagten. Nach seinem Führerschein habe man ihn bei der Feuerwehr nie gefragt.

Für den Mannschaftswagen reicht ein Führerschein der Klasse B. Ein Lkw-Führerschein ist dagegen Voraussetzung für Fahrzeuge mit Drehleiter oder die großen Tanklöschfahrzeuge.

Als Zeugen waren vier Vertreter der betroffenen Wehr geladen. Sie bestätigten, dass sie nicht nach dem Führerschein des Angeklagten gefragt hatten. Mittlerweile sei der Ablauf geändert worden und es gäbe von jedem Mitglied eine Kopie des Führerscheins. 

Der Angeklagte war bereits vorbestraft. Er wurde im März 2016 wegen Hausfriedensbruchs, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und unberechtigter Nutzung eines Kraftfahrzeugs verurteilt. Damals ist er in die Wohnung seiner Vermieter eingedrungen, als diese nicht vor Ort waren. Er nahm den Autoschlüssel des Ehepaares und machte eine Spritztour mit deren Wagen. „Auch damals habe ich Ihnen gesagt, dass Ihr Leben nun an einem Scheideweg steht“, sagte Richter Heidelbach.

Im Abschlussplädoyer wies Verteidigerin Rita Hillwig darauf hin, dass ihr Mandant alle ihm zu Last gelegten Taten gestanden und stets in guter Absicht gehandelt habe. Er habe bei den Fahrten außerdem keinen Schaden angerichtet. „Es tut mir leid, ich will mein Leben ändern“, beteuerte der Mann. Mittlerweile mache er eine Ausbildung zum Notfallsanitäter.

Das Argument, dass er nur hatte helfen wollen, beeindruckte Richter Heidelbach nicht. „So eine Bedenkenlosigkeit habe ich in 30 Jahren nicht erlebt. Vor allem haben Sie das Vertrauen der Feuerwehrleute missbraucht.“ Um bei der Feuerwehr zu arbeiten, brauche es keinen Führerschein, sagte er weiter. Außerdem habe der 25-Jährige auch private Autos unerlaubt gefahren. Der Angeklagte nahm das Urteil an. Sollte er gegen die Bewährungsauflagen verstoßen, droht ihm eine Freiheitsstrafe. 

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