Party

Party mit Corona-Test: Gesundheitsamt greift ein

Wie auf einem anderen Stern: Mithilfe von grafischen Darstellungen sollen Club- und Konzertbesucher sich nicht zu nahe kommen. Diese Tanzfläche wurde testweise im Fredenhagen während der Ausstellung „Back to Live“ installiert.
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Wie auf einem anderen Stern: Mithilfe von grafischen Darstellungen sollen Club- und Konzertbesucher sich nicht zu nahe kommen. Diese Tanzfläche wurde testweise im Fredenhagen während der Ausstellung „Back to Live“ installiert.

Nach dem Corona-Schnelltest auf die Party: Das sollte es in Offenbach geben - wurde aber jetzt verboten.

Update von Freitag, 10.07.2020, 15:34 Uhr: Die angekündigte zweite Auflage der „Back to Live“-Party in Offenbach steht kurz vor dem Aus. Die Veranstalter wollten im Fredenhagen eine Feier mit vorherigen Corona-Tests veranstalten. Das wäre zwar teuer geworden, 145 Euro hätte der Eintritt samt Corona-Test gekostet. Doch dafür hätten die Gäste wieder eng miteinander tanzen können - ohne Rücksicht auf die Frage, wie viele Haushalte sich gerade begegnen.

Dem hat das Gesundheitsamt in Offenbach nun eine Absage erteilt. „Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Grüne) hat die Veranstalter nachdrücklich darauf hingewiesen, dass eine solche Veranstaltung mit der geltenden Rechtslage nicht im Einklang steht", teilt die Stadt mit. Nach wie vor gelte der Mindestabstand, wenn keine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werde könne. Die Veranstalter reagierten darauf und verschoben die Party auf Freitag, 17. Juli.

Zuvor hatte die Stadt das Konzept „morgens Corona-Test, abends Party“ zumindest als „interessant“ bezeichnet. Doch erst nach dem die Veranstalter die Einladungen verschickt hatten und die Medien darüber berichteten, habe die Stadt erfahren, dass bei der Party die Abstandsregeln nicht gelten sollen. „Dies widerspricht eindeutig der hessischen „Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung“, heißt es in der Mitteilung der Stadt Offenbach.

Offenbach kündigt an, Party als letztes Mittel zu verbieten - Corona-Test hin oder her

Die Stadt habe die Veranstalter deshalb schriftlich unterrichtet, dass die Party in der geplanten Form nicht steigen kann. Möglicherweise seien die Organisatoren davon ausgegangen, dass die Corona-Tests ein Weg seien, die geltenden Bestimmungen zu umgehen. Das hätten sie mit dem Gesundheitsamt aber nicht abgesprochen. Sollte das Party-Konzept nicht angepasst werden - die Abstandsregeln also eingehalten werden -, dann werde die Stadt Offenbach die Veranstaltung verbieten.

Nicht nur in Offenbach kämpfen Clubs mit den Folgen der Corona-Krise. Der Frankfurter Kult-Club Batschkapp etwa steht kurz vor der Pleite. Daher haben wohl Club-Betreiber jenseits der Offenbacher Stadtgrenze gespannt auf das Offenbacher Experiment mit Corona-Tests vor dem Clubbesuch geschaut.

Stadt Offenbach verteidigt sich mit Hinweis auf rechtliche Regelungen

Die Stadt verteidigt ihre strickte Haltung nicht nur mit dem Verweis auf die nun einmal geltenden gesetzlichen Bestimmungen, an die sich auch das Gesundheitsamt halten muss. Sie verweist auch darauf, dass die Stadt „mit Beratung, Fördergeldern und Gebührenstundung und anderen Maßnahmen“ die Veranstaltungsbranche in der Corona-Pandemie unterstütze. So würden täglich Hygienekonzepte auf Tauglichkeit geprüft. „Ziel des Gesundheitsamtes ist es dabei immer, möglichst praktikable Lösungen zu finden, die gleichzeitig alle rechtlichen Vorgaben einhalten und ein Höchstmaß an Sicherheit für die Offenbacherinnen und Offenbacher bieten“, sagt Gesundheitsdezernentin Groß.  

Update vom Mittwoch, 08.07.2020, 14.22 Uhr: Inzwischen steht schon der zweite Termin für die „Back to Live“-Party in Offenbach fest. Auch dabei sollen sich Menschen erst auf Corona testen lassen, bevor sie abends in den Club gehen. Am 17. Juli soll die Party mit 250 Gästen starten.

Dann soll eigens ein Zelt aufgebaut werden, in dem sich Gäste zwischen 8 und 12 Uhr morgens testen lassen können. Der Corona-Test soll bis zum Nachmittag ein Ergebnis liefern und dann 24 Stunden gültig sein. Die Gäste werden dann sofort informiert, alle Daten werden anonymisiert und an das Gesundheitsamt Offenbach übermittelt. So soll eine Party ohne Masken und Abstand* möglich sein, berichtet die Frankfurter Rundschau.

Gesundheitsamt beobachtet die Test-Party in Offenbach genau

Im Gesundheitsamt beobachtet man das „Experiment“ mit Interesse, wie eine Sprecherin sagte. Dieses kann die Daten auswerten und zu betroffenen Personen Kontakt aufnehmen. Dann wird es allerdings nichts mit feiern, vielmehr geht es dann in Corona-Quarantäne. Da lässt sich nur hoffen, dass der Test negativ ausfällt. Denn der Preis für die Veranstaltung in Offenbach ist nicht ohne. 145 Euro muss bezahlen, wer an der Party teilnehmen will.

Offenbach – Endlich wieder auf große Konzerte gehen, sich auf vollen Tanzflächen im Club die Nächte um die Ohren schlagen – das könnte es vielleicht schneller wieder geben als gedacht. In Offenbach geht bald der Probelauf für eine „Schnelltest-Party“ über die Bühne. Nur auf Covid-19 negativ Getestete haben Zutritt. Könnte das womöglich die Lösung sein für Veranstaltungen in Zeiten der Pandemie?

Wiedereröffnung von Clubs: Sind Corona-Schnelltests die Lösung?

Mit Ganzkörperschutzanzug in den Club, tanzen in Lichtkreisen, die auf der Tanzfläche aufleuchten, Konzertbesuche in Plexiglasboxen – es gibt derzeit einige Ideen und Versuche, wie es auch größere Live-Veranstaltungen in Coronazeiten geben kann. Jetzt will eine Firma das Feiern wie in Zeiten vor Corona möglich machen: ohne Mindestabstand, ohne Maske, ohne Berührungsangst. Ihre Idee: Corona-Schnelltests für die Gäste.

Gerade habe sich der Event-Dienstleister Satis&Fy, zugleich Betreiber der Veranstaltungshalle Fredenhagen an der Sprendlinger Landstraße, das „Okay“ vom Gesundheitsamt geholt. Schon am 10. Juli soll der Probelauf mit 200 Menschen in Offenbach starten.

Corona-Schnelltests: Sogar „knutschen“ könnte beim Feiern in Clubs möglich sein

Das Prinzip funktioniere so, erklärt Francesco Elsing, Leiter Innovation des Unternehmens: Mittags würden in Frankfurt und eventuell auch in Offenbach Corona-Teststationen für die Gäste eingerichtet. Im Verlaufe des Nachmittags erhielten die Getesteten ihre Ergebnisse und der Veranstalter eine Liste der auf Covid-19 negativ getesteten Personen – nur sie erhalten Zutritt. „Der Test ist im Grunde ein Persilschein für die Zeit von 18 Stunden“, sagt Elsing. Denn so lange sei der Test gültig. Weitere Schutzmaßnahmen gebe es dann nicht: sich beim Tanzen nahe kommen, „sogar knutschen wäre theoretisch inklusive“, so Elsing.

Klingt erst mal nach ziemlich guten Nachrichten für Partygänger, aber vor allem auch für die Organisatoren von kulturellen Events, für Clubbetreiber, Theatermacher, Konzertveranstalter und Künstler. Erst kürzlich hatten sie in der Frankfurter Jahrhunderthalle unter dem Motto „5 vor 12“ auf ihre miserable Situation aufmerksam gemacht: Sie forderten von der Politik Perspektiven, um den Betrieb wieder aufnehmen zu können. Händeringend sucht die Branche nach Möglichkeiten, Veranstaltungen weitgehend risikoarm zu gestalten.

Statt Corona-Schnelltest gab es in Köln Plexiglasboxen

Ein Versuch war vor Kurzem das Konzert von Popsänger Vincent Weiss in der Kölner Lanxess-Arena vor 900 Menschen, die in kleinen Grüppchen in Plexiglasboxen im Saal verteilt waren. Eine andere Idee ist der „Micrashell“ genannte Schutzanzug für Konzert- und Clubbesucher, den eine US-amerikanische Firma entworfen hat: Er soll virenundurchlässig sein, besitzt einen Helm mit Filtersystem, LED-Leuchten und sieht ein wenig aus wie aus einem Science-Fiction-Film der 1960er-Jahre. Rauchen, trinken, Händchen halten, umarmen soll mit dem „Micrashell“ möglich sein.

Für Tanzveranstaltungen werden derzeit außerdem Konzepte entwickelt, nach denen sich die Besucher in auf den Boden gemalten Parzellen bewegen sollen, oder von einem Lichtkreis verfolgt werden. Kommen sie einem anderen Kreis zu nahe, gibt es ein Warnsignal, zum Beispiel ein rotes Licht.

Wiedereröffnung von Clubs: Experte ist von Corona-Schnelltests überzeugt

Nach dem Prinzip der „Distance-Disco“ hatte auch der Offenbacher Technoclub Robert Johnson eine Veranstaltung organisieren wollen; Open-Air am Mainuferparkplatz – genehmigt wurde sie von der Stadt nicht, sagt Klaus Unkelbach, Geschäftsführer von Robert Johnson und MTW-Club. Das Problem sei ohnehin, dass das Nachtleben unter Einhaltung des Distanzgebots nun mal weitgehend reizlos sei. Der Schnelltest – könnte er nun die ersehnte Lösung sein?

Der Frankfurter Virologe, Mikrobiologe und Infektionsepidemiologe Klaus-Peter Hunfeld jedenfalls ist von der Idee durchaus überzeugt: „Die Schnelltests sind technisch umsetzbar, also warum nicht?“, findet er. Der Professor berät das Research Institute for Exhibition and Live-Communication (R.I.F.E.L.), das wiederum Handlungsempfehlungen zur Veranstaltungssicherheit unter Corona gibt.

Restrisiko bleibt auch bei Corona-Schnelltest

Ein von medizinischem Fachpersonal korrekt durchgeführter Covid-19-Test erkenne mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit das Virus, so Hunfeld. Und ein negativ getesteter Mensch könne nach dem Test durchaus 24 Stunden lang als weitestgehend nicht-infektiös gelten, da die Inkubationszeit des SARS-CoV-2 mehrere Tage dauere und die Virusausscheidung bereits vor Krankheitsausbruch beginne. „Ein Restrisiko gibt es aber immer“, sagt der Professor.

Das allgemeine Hygieneverhalten, also Händedesinfektion, in den Ellbogen niesen, sollte auch bei einem Negativergebnis beibehalten werden, empfiehlt Hunfeld. „Aber es wäre durchaus vorstellbar, dass man bei einer Veranstaltung, bei der vorher getestet wurde, auf den Mundschutz und die strengen Distanzvorgaben außerhalb von Risikozonen verzichten könnte.“

„Schnelltest-Party“ in Offenbach sollte kein Superspreading-Event werden

Zusätzliche Sicherheit könnte außerdem ein Tracker geben, der die Bewegungen des Besuchers aufzeichnet, ähnlich wie bei der Corona-App. Im Falle des Falles könnten so alle Kontaktpersonen schnell identifiziert werden. Grundsätzlich sieht der Virologe bei einer „Schnelltest-Party“ keine Gefahr eines Superspreading-Events, bei dem eine infizierte Person viele andere ansteckt.

Ein Wundermittel für alle Arten von Veranstaltungen seien die Schnelltests allerdings auch nicht – wegen des zwar sehr geringen, aber doch existenten Restrisikos: Große Festivals oder Massen-Raves, bei denen tausende Menschen sehr eng gedrängt stehen und sich unvorsichtig verhalten, seien auch mit einem Schnelltest derzeit nicht zu verantworten.

Wiedereröffnung von Clubs: Das Feiern könnte sehr teuer werden 

Einige Veranstalter in Offenbach sehen die Idee der „Schnelltest-Party“ ohnehin skeptisch. Für MTW-Geschäftsführer Unkelbach müsste ein solches Testverfahren eine nahezu hundertprozentige Sicherheit geben, um es als Perspektive ernst zu nehmen. Birgit von Hellborn, Geschäftsführerin von Capitol und Stadthalle Offenbach, bezweifelt, dass sich das rein logistisch umsetzen lasse. „Außerdem: Wer bezahlt denn die Tests?“, fragt sie. „Zugegeben“, sagt Francesco Elsing, „der Preis für die Eintrittskarten steht noch nicht fest.“ Es könnte durchaus sein, dass sie um die 100 Euro kosten, darin enthalten sei der Preis für den Test. Aber es gebe Überlegungen, einen Mengenrabatt mit den Laboren zu vereinbaren.

Bis das Konzept breitflächig in der Veranstaltungsbranche ankommt, könnte also schon allein wegen der Kosten und der Testkapazitäten doch noch ein wenig Zeit vergehen. Dennoch: Einen Versuch ist es allemal wert, findet Mikrobiologe Hunfeld, der kein schnelles Ende der Pandemie sieht: „Viele Probleme werden uns noch eine ganze Zeit begleiten. Das Wichtigste ist: Wir müssen weitermachen, uns an die neuen Gegebenheiten anpassen und die Möglichkeiten ausschöpfen, die wir haben.“

„Schnelltest-Party“-Karten soll es bald im Vorverkauf geben, Location ist das Fredenhagen. Informationen zum Programm folgen; eine Liveband soll spielen.

VON LISA BERINS

In vielen Teilen der Club-Szene wächst die Sorge wegen der Pandemie. Das Robert Johnson hatte daher ein Corona-Fundraising gestartet.

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