Rebecca Siemoneit-Barum moderiert "Festival der Artisten"

Lindenstraßen-Star über Serien-Aus und Job beim Flic Flac Kassel

Sie freut sich auf den Monat im schwarz-gelben Zelt auf dem Friedrichsplatz: Rebecca Siemoneit-Barum sagt, dass Kassel ein bisschen Heimat für sie ist. Hier lebt auch ihre beste Freundin.

Rebecca Siemoneit-Barum wird in Kassel das "Festival der Artisten" moderieren. Wir sprachen mit ihr darüber und über das Ende der "Lindenstraße".

Ab dem 20. Dezember gastiert das Festival der Artisten wieder auf dem Friedrichsplatz in Kassel. Die Schauspielerin Rebecca Siemoneit-Barum wird die Show moderieren. Rebecca Siemoneit-Barum ist einem großen Fernsehpublikum als Iffi Zenker aus der „Lindenstraße“ bekannt. Dass die Kultserie in der ARD im Jahr 2020 eingestellt werden soll, hat viele Menschen überrascht beziehungsweise traurig gemacht. 

Das Kasseler Publikum kann die 41-jährige Schauspielerin und Sängerin, die ein Spross der Zirkusfamilie Siemoneit-Barum ist, demnächst live erleben. Rebecca Siemoneit-Barum moderiert ab dem 20. Dezember das „Festival der Artisten“ des Zirkus Flic Flac auf dem Friedrichsplatz. 

Wir sprachen mit ihr über das Ende der „Lindenstraße“, ihre Pläne und das Flic Flac-Engagement in Kassel.

Sie spielen mit einer kurzen Unterbrechung seit 1989 die Iffi Zenker in der „Lindenstraße“, nächstes Jahr sind Sie 30 Jahre dabei. Wie haben Sie auf die Nachricht reagiert, dass 2020 Schluss mit der „Lindenstraße“ ist?

Rebecca Siemoneit-Barum: Die Nachricht hat mich aus dem Nichts getroffen, weil es keine Ankündigung gab. Ich hatte einen freien Tag und war bei meinen Eltern in Einbeck. Als ich gerade schön mit dem Hund spazieren ging, hat mir ein Freund aus Zürich einen Screenshot aus der Bild-Zeitung mit der Nachricht geschickt. Er sagte, ich hoffe, Du weißt das. Ich schrieb ihm: Nein, aber es ist schön, es von Dir zu hören.

Waren Sie auf das Ende vorbereitet?

Siemoneit-Barum: Wir wussten ja, dass diese Verhandlungen stattfinden. Man hat aber im Vorfeld überhaupt nichts Negatives gehört. Deshalb bin ich grundsätzlich davon ausgegangen, dass wir noch zwei Jahre bekommen. Dementsprechend war das überraschend. Aber ich sehe das eben auch sehr differenziert. Ich bin schon sehr lange in dem Geschäft und Abschiede kenne ich auch schon. 2011 habe ich ja selbst für drei Jahre die „Lindenstraße“ verlassen. Was im Nachhinein auch wichtig war, sonst würde ich mit der Situation jetzt vielleicht auch anders umgehen.

Seit knapp 30 Jahren in der „Lindenstraße“ dabei: In Folge 260 „ Erkenntnisse“ (25. November 1990) gibt Iffi Zenker (Rebecca Siemoneit-Barum) Klaus Beimer (Moritz A. Sachs) einen Kuss. 2verheiratet. Fotos: 

Was bedeutet die „Lindenstraße“ für Sie?

Siemoneit-Barum: Ich freue mich, dass wir noch ein ganzes Jahr haben, in dem wir weiterhin tolle Folgen produzieren können. Ich habe, seitdem ich 2014 wieder eingestiegen bin, jedes Jahr als Privileg und Geschenk empfunden, Teil dieser großartigen Produktion zu sein und als Schauspielerin einen derart gut bezahlten und beständigen Job zu haben, der auch noch so viel Spaß macht.

Können Sie die Entscheidung der ARD nachvollziehen?

Siemoneit-Barum: Nein.

22 Jahre später sitzen die beiden in Folge 1370 „Aideu für immer?“(4. März 2012) zusammen am Tisch. Zwischenzeitlich waren Iffi und Klaus in der „Lindenstraße“ auch mal.

Wenn Sie Mitspracherecht beim Drehbuch hätten: Was soll in der letzten Folge der „Lindenstraße“ passieren? Was für ein Ende wünschen Sie Iffi Zenker?

Siemoneit-Barum: Jetzt kommt ja sogar der Tod infrage. Ich habe nie groß in die Drehbücher reingeredet, weil ich ja mein eigenes Leben schon so gestalte, wie ich möchte. Ich fand es immer spannend, mich bei Iffi überraschen zu lassen. Ich denke, das wird eine große Aufgabe für die Drehbuchautoren. Ich werde jedenfalls jeden Schabernack mitmachen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sie sich beruflich neu orientieren müssen. 2008 wurde der familieneigene Zirkus „Barum“ aufgegeben. Wie sind Sie damit umgegangen?

Siemoneit-Barum: Das war damals ein Riesenschock. Ich war ja seit 2001 mit meiner Familie wieder bei meinen Eltern im Zirkus. Und hatte eigentlich vor, das Unternehmen mit meinem Bruder zu übernehmen. Da kam es völlig überraschend, als mein Vater sagte, er möchte den Laden lieber schließen, weil er keine Zukunft mehr für den traditionellen Zirkus sieht. Das war damals absolut schockierend, wir haben über Wochen geweint und geschrien. Aber was soll’s: Auch da musste ich mich den Gegebenheiten anpassen.

Die Moderation des „Festivals der Artisten“ bedeutet also auch eine Rückkehr zu Ihren Wurzeln?

Siemoneit-Barum: Nun, ich bin nie weg gewesen. Mein Mann ist ja Akrobat, meine Tochter ist jetzt Akrobatin. Wir alle sind im Showbusiness und haben dadurch immer viel Interaktion mit Zirkus, wenn wir auch keinen eigenen mehr haben. Und ich habe immer wieder Moderationen für hochwertige Programme gemacht und auch Regie geführt. Letztes Jahr bin ich für eine Flic-Flac-Produktion in Duisburg eingesprungen. Daraufhin hat mich Chef Benno Kastein gefragt, ob ich das Jubiläumsprogramm in Kassel moderieren möchte. Ich führe hier auch Regie und mache die Probenleitung und solche Geschichten. Darauf freue ich mich sehr.

Also haben Sie auch Einfluss auf den Ablauf?

Siemoneit-Barum: Genau. Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen. Ich finde die Flic-Flac-Produktionen hochprofessionell und sehr aufregend. Einen ganzen Monat in Kassel zu sein, ist sehr schön. Das ist ja ein bisschen Heimat für mich. Hier lebt ja auch meine beste Freundin.

Zum Zirkus „Barum“ gehörten immer Tiernummern, ihr Vater Gerd Siemoneit-Barum selbst ist ein berühmter Dompteur im Ruhestand. Stört es Sie, dass es bei Flic Flac gar keine Tiere gibt?

Siemoneit-Barum: Nein, das stört mich nicht, denn Zirkus hat so viele verschiedene Auslegungsmöglichkeiten. Flic Flac war seiner Zeit schon immer voraus. Nicht unbedingt wegen des Konzepts ohne Tiere, sondern weil Flic Flac so ist wie er ist. Ich finde es wahnsinnig up to date, was Flic Flac macht. Es ist temporeich, es ist aufregend. Flic Flac trifft den Zeitgeist. Ich liebe allerdings auch den traditionellen Zirkus mit Sägespäne, Tiergeruch und Orchester. Das wird für mich immer das Schönste auf der Welt bleiben.

Als Sie 2001 mit dem Zirkus „Barum“ in Kassel waren, erzählten Sie, dass ihr Leben perfekt ist und Sie der glücklichste Mensch der Welt sind. Würden Sie das immer noch unterschreiben?

Siemoneit-Barum: Auf jeden Fall. Glück muss man können. Das ist mein Leitspruch. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ein sehr positiver Mensch und sehr optimistisch bin. Ich hatte phantastische Zeiten mit meiner Familie im Zirkus. Ich bin unheimlich froh, dass meine beiden Kinder einen Großteil ihrer Kindheit im Zirkus verbringen konnten. Das hat sie unheimlich geprägt.

Nach dem Ende des Zirkus vor zehn Jahren habe ich so viel erlebt, so viel getan, bin gereist. Das wäre ja so alles nicht möglich gewesen, wenn es weiter gegangen wäre mit dem Zirkus „Barum“. So sind alle Situationen im Leben: Wenn sich eine Tür schließt im Leben, dann öffnet sich eine andere. Es ist unglaublich spannend, an diesen Weggabelungen zu stehen und immer wieder neu entscheiden zu müssen, wohin die Reise geht.

2010 sind Sie dann in die CDU eingetreten und haben sogar 2011 bei der Kommunalwahl in Niedersachsen kandidiert. Engagieren Sie sich heute noch in der Kommunalpolitik?

Siemoneit-Barum: Nein, ich bin nicht mehr politisch aktiv, werde aber immer ein politischer Mensch sein. Damals, nach dem Ende des Zirkus, waren wir ja noch in Einbeck. Wenn man in so einer kleinen Ortschaft lebt, ist man als engagierter und aktiver Mensch immer schnell dabei, mitzureden. Allerdings habe ich damals völlig naiv unterschätzt, dass meine Kandidatur überhaupt jemanden interessieren würde. Ich dachte, ich mache etwas für die Kinder und für das Dorf. Das war schon ein Schock, dass das so große Wellen geschlagen hat.

Sind Sie noch Mitglied der CDU?

Siemoneit-Barum: Ja. Ich wollte nicht austreten. Das kriegt dann auch jeder wieder mit – und das gibt dann auch wieder eine Diskussion. Es war eine interessante Erfahrung, aber ich will nicht mehr politisch aktiv sein. Ich bin Künstlerin und dabei sollte es bleiben. Aber ich habe es damals ernst gemeint auf dieser lokalpolitischen Ebene.

Was machen Sie derzeit noch neben der Lindenstraße?

Siemoneit-Barum: Ich habe gerade zwei Musical-Produktionen, das Karl-Marx-Musical in Trier und das Rockmusical „Das Zauberschloss“ in Bremen abgeschlossen. Demnächst habe ich noch ein paar Drehtage bei der Lindenstraße und komme dann am 14. Dezember direkt nach Kassel.

Rebecca Siemoneit-Barum (41) wurde 1977 in Ulm während eines Gastspiels des Zirkus Barum geboren. Ihr Vater ist der berühmte Dompteur Gerd Siemoneit-Barum und ihre Mutter die britische Schauspielerin Roz Early. Schon mit vier Jahren war sie das erste Mal in der Manege, verließ den Zirkus 1989, als sie die Rolle der Iffi Zenker in der Lindenstraße übernahm. Zwischen den Folgen 1411 (30. Dezember 2012) und 1513 (28. Dezember 2014) war sie in der Sendung nicht zu sehen. In der Zeit spielte sie in zahlreichen Theaterproduktionen. 1998 heiratete sie den Hochseilartisten Pierre Bauer. 1998 wurde Sohn Joshua geboren, ein Jahr später kam Tochter Rachel auf die Welt. Sie lebt in Berlin und Freiburg.

Karten für das "Festival der Artisten"

Der Zirkus Flic Flac gastiert mit seinem „Festival der Artisten“ in diesem Jahr zum zehnten Mal in Kassel, vom 20. Dezember, bis 13. Januar 2019. Zu diesem runden Geburtstag kündigt der Zirkus ein besonderes Programm an: Nur Preisträger der vergangenen Festivals sollen auf dem Friedrichsplatz ihr Können zeigen. Karten kosten zwischen 21 und 56 Euro. 

www.flicflac.de/kassel

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