Die Kleinlok im Vorgarten: Eschweger bietet privates Bahnmuseum zum Verkauf

+
Sammlertraum: Hans-Friedrich Weissbach in seiner Kö-Kleinlok, Baujahr 1933. Eine ganze Bahnhofsstation hat sich der 80-Jährige um den Stahlkoloss im Vorgarten gestaltet. 

Eschwege.  Der Eisenbahnfanatiker Hans-Friedrich Weissbach aus Eschwege hat sich sein privates Bahnmuseum geschaffen. Schweren Herzens stellt er beides nun zum Verkauf.

Fahrkarten gibt es zwar, aber nicht zu kaufen, und die Lokomotive rollt nur bis zum Gartentor. Der Bahnbetrieb, den der 80-jährige Eschweger Hans-Friedrich Weissbach unterhält, erstreckt sich auf knapp 100 Quadratmeter Dachgeschosswohnung mit Vorgarten – doch das ist umso bemerkenswerter. In knapp 40 Jahren hat Hans-Friedrich Weissbach, „eisenbahnverrückt“ laut eigener Aussage, seinen kleinen „großen“ Bahnhof zusammengetragen. 

Wohnungsflur: Grafikdesigner Hans-Friedrich Weissbach hat für jeden Einrichtungsgegenstand den perfekten Platz ausgesucht. Nichts wirkt zufällig. Detail: Sogar die Wohnungstür ist passend zum Bahnthema lackiert.

In der privaten Sammlung des Eschwegers fehlt es an rein gar nichts: Als Garderobe etwa dient eine Gepäckablage, die Platte des Küchentischs ruht auf drei Waggon-Puffern, und Abteilleuchten mit orange-grünen Farbwechseln rücken die Sitzgruppe im Wohnzimmer ins rechte Licht.

Prunktsück der Sammlung: Eine ölgefeuerte Kö-Kleinlok

Eien Lok im Vorgarten: Hans Friedrich Weissbach hat sich seinen Kindheitstraum erfüllt.

Unglaubliche 16 Tonnen schwer ist das Prunkstück der Sammlung, die ölgefeuerte Kö-Kleinlok (Kö 4445), einst mit Hilfe eines Tiefladers vom thüringischen Nordhausen nach Eschwege transportiert. „Mit der Lok habe ich mir einen Traum erfüllt“, sagt Hans-Friedrich Weissbach. 

Das metallene Monstrum, Baujahr 1933, aber erweist sich als Prüfstein: In einem Zustand, „schlichtweg erbärmlich“, kommt es in der Kreisstadt an. Über Wochen wird die Lok unter Einsatz eines Sandstrahlgebläses von Ruß, Rost und Ölrückständen befreit – „und so etwas funktioniert nur, wenn man verständnisvolle Nachbarn hat“, sagt Hans-Friedrich Weissbach. Der Grafikdesigner möbelt die 80-PS-Diesellok schließlich nicht nur optisch auf, sondern versieht sie mit der Hilfe befreundeter Handwerker auch noch mit einer komplett neuen Elektrik.

Eisenbahnfan seit frühester Jugend

Rührend: Hans-Friedrich Weissbach mit seiner ersten Eisenbahn.

Eisenbahn – das ist das Lebensthema des Eschwegers. Ein Foto ist ihm ans Herz gewachsen: Es zeigt den jungen Hans-Friedrich Weissbach, etwa acht Jahre alt, vor einer Spielzeugeisenbahn. „Wunderschön“ sei sie gewesen, von seinem Onkel handgefertigt, mit glänzendem Lack versehen und in den Nachkriegsjahren etwas unschätzbar Wertvolles für den Jungen. Aufgenommen worden ist die Fotografie von seinem Vater. „Dieses Bild erklärt einfach alles, die ganze Spinnerei“, sagt der 80-Jährige und lacht. 

Der Qualm, der Dampf, durchschnitten von scharfen Pfiffen, welche die Abfahrt der Züge ankündigten, die blinkenden Leuchtsignale, der Geruch nach Metall, Ruß und Kohleöfen, ja, auch die akkuraten Uniformen des Personals mit den vergoldeten Knöpfen – die Faszination Bahn, die Hans-Friedrich Weissbach in seiner Jugend ergriffen hat, wird ihn nie wieder loslassen.

Irgendwann, es muss um das Jahr 1960 herum gewesen sein, findet er in einem Tender, mitten in einem Haufen Kohlen, eine Lampe, ganz schmutzig und verrußt. „Die nehme ich mit“, habe sich der Eschweger gedacht – „stört ja niemanden.“ Das erste Stück seiner Sammlung ist gefunden.

Jedes Stück im Privatmuseum ist ein Original

Ehrenplatz: die Bahnlampe. Sie ist das erste Stück in der Sammlung des 80-jährigen Eschwegers, zu der unter anderem auch klassische Bahnhofsuhren gehören – natürlich voll funktionstüchtig.

Wie viele noch folgen – Hans Friedrich Weissbach kann es nicht zählen. Auf Flohmärkten stöbert er nach historischen Emaille-Schildern – „damals Blech-Pest genannt, heute eine echte Rarität“ –, und nach Bahn-Memorabilien. Jedes einzelne Stück seines Privatmuseums ist ein Original, darauf legt der Grafikdesigner wert. Wie neu sehen die Stücke aus; jede Lichtmaschine, jeder Wasserstandsanzeiger und jede Loklampe wird aufgearbeitet und gesandstrahlt, bevor sie bei ihm einzieht. 

Viel läuft auch über Mund-zu-Mund-Propaganda und den Tausch unter Eisenbahnfreunden in ganz Deutschland. So gibt es etwa einen seltenen Neigungswinkel-Anzeiger der Großherzoglich Mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn (M.F.F.E) für eine Märklin-Eisenbahn. Und für Kilometersteine, die an der Strecke zwischen der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik standen, macht sich Hans-Friedrich Weissbach in den Wintermonaten auch schon einmal mit dem Schlitten auf den Weg.

Komplette Bahnsammlung soll nach Möglichkeit zusammen bleiben 

Begrüßt die Gäste: Ein Schaffner in Originaluniform.

Ohne seine Wohnung mit dem herrlichen Blick über die Dächer von Eschwege gibt es auch keine Bahnsammlung mehr – das steht für Hans-Friedrich Weissbach fest. Der 80-Jährige trennt sich von beidem, „schweren Herzens, aber das Alter drückt“. 

Mit seiner Ehefrau zieht der Eschweger, der sich selbst gern als „verkappten Lokalpatrioten“ bezeichnet, nach Baunatal. Für den nun anstehenden Verkauf hat sich der Eschweger drei Varianten überlegt: 

  • Der Käufer übernimmt nicht nur die Wohnung, sondern auch die komplette Sammlung. „Ich hätte gern, dass alles beieinander bleibt“, sagt der 80-Jährige. 
  • Der Käufer übernimmt die Wohnung und das komplette Bahnhöfchen. 
  • Ist beides nicht möglich, löst Hans-Friedrich Weissbach zunächst die Sammlung auf und verkauft danach seine Wohnung.

Der Verkauf soll privat im Gebotsverfahren erfolgen.

Hans-Friedrich Weissbach hat ein privates Bahn-Museum

Kommentare