Stationiert in Kassel

Lastwagen rettet Leben: So sieht es in Nordhessens einzigem Intensivmobil aus

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Stationiert am Klinikum Kassel: Notfallsanitäter Helge Thiele vor dem Intensivtransportwagen des Rettungsdienstes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Kassel.

Wohl keiner möchte eine Fahrt in diesem Lastwagen erleben. Und doch ist das Intensivmobil ein ganz wichtiger Baustein der Gesundheitsversorgung in Kassel und Umgebung. 

Die rollende Intensivstation ermöglicht den sicheren Transport von schwerstverletzten oder schwerkranken Patienten. 

Herzstück des Intensivmobils ist die Trage

Das Herzstück des 7,5-Tonners ist die spezielle Intensivtrage. Wobei mit diesen Hochtechnologie-Gerät niemand mehr getragen werden kann. Denn das gute Stück wiegt 300 Kilogramm und kann einen Patienten mit einem Körpergewicht bis 300 Kilo sicher transportieren. 

Die Trage rollt auf Rädern und ist eine „mobile Intensivstation“, sagt DRK-Rettungsdienstleiter Stephan Moritz. Geräte zur Überwachung sämtlicher lebenswichtiger Funktionen, zur Wiederbelebung und Beatmung des Patienten sind an der Trage installiert. 

Auch Blutgasanalysegerät, Herzschrittmacher und Ultraschallgerät gehören zur Ausstattung, dazu Perfusoren und ein Infusiomat für die Gabe von Medikamenten. 9000 Liter Sauerstoff und Akkus sorgen dafür, dass die mobile Intensivstation das Leben eines Patienten eine Stunde lang auch ohne die Strom- und Atemluftversorgung aus dem Transportfahrzeug erhalten kann. 

Trage wird mit der Hebebühne geladen 

Der Transporter verfügt über eine Hebebühne, mit der die Intensivtrage geladen und entladen wird. Ist die Trage an Bord, wird sie mit Spezialbefestigungen am Wagenboden verriegelt. „Die steht bombenfest“, sagt Moritz. 

Hebebühne am Heck: Die Lastwagen-Technik ist nötig, um die bis zu 600 Kilogramm schwere Intensiv-Trage in den Transporter und wieder heraus zu bekommen.

Solche mobilen Lebensretter sind noch selten in Deutschland. Die Kasseler Intensivtrage hat die Seriennummer 007. Bisher wurden vom Hersteller Starmed neun Exemplare gefertigt, „davon sind vier in Deutschland im Einsatz“, weiß Moritz. 

In Nordhessen ist es das Kasseler Intensivmobil das einzige. 

Im Intensivmobil sind Fachleute an Bord

Besetzt wird das Fahrzeug mit Notfallsanitätern des DRK und Fachärzten des Klinikums Kassel. So sind die Patienten stets in den besten Händen. „Wir sind mit dem neuen Fahrzeug total zufrieden“, sagt Professor Dr. Ralf Muellenbach, Chef der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. 

Monitor über der Intensivtrage: Assistenzarzt Christian Weiser im Innenraum des insgesamt 400 000 Euro teuren Kasseler Intensivtransportwagens.

Er und seine Kollegen wissen die rollende Intensivstation auch für Einsätze mit dem Ecmo-Gerät zu schätzen. Diese hochmoderne, transportable Pumpe in der Größe einer Sprudelkiste kann den Kreislauf und die Sauerstoffversorgung eines Patienten mit schweren Herzoder Lungenschäden sichern. Das Klinikum ist eines der führenden Ecmo-Zentren in Deutschland. 

Bereits seit dem Jahr 1994 gibt es in Kassel IntensivTransporter, seit Ende vergangenen Jahres das neue Fahrzeug. Die Einzelanfertigung lockt bundesweit Fachleute nach Kassel, die sich beim Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) über die modernste Technik informieren wollen. 

Es gibt 350 Einsätze pro Jahr 

Der Kasseler Intensivtransporter ist fast täglich im Einsatz – etwa 350 Fahrten sind es im Jahr. Die Verlegung von Intensivpatienten erfolgt meist im Umkreis von 100 Kilometern – etwa von einem kleineren Krankenhaus in die Hochleistungsmedizin des Klinikums Kassel. Oder von dort in Reha-Einrichtungen in der Region.

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