„Unethisches Geschäftsmodell“

Urlaub plus Corona-Impfung – Angebot für Reiseanbieter sorgt für Diskussion

Klingt verlockend: In den Urlaub fahren und dabei noch eine Corona-Impfung mitnehmen. Ein Reise-Anbieter aus Frankfurt will das nun möglich machen.
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Klingt verlockend: In den Urlaub fahren und dabei noch eine Corona-Impfung mitnehmen. Ein Reise-Anbieter aus Frankfurt will das nun möglich machen. (Symbolbild)

Ein Reiseanbieter aus Frankfurt will Corona-Impfungen mit einem Urlaub verbinden. Das sogrt nicht nur für Begeisterung.

  • Die Impfungen gegen das Coronavirus* in Deutschland laufen schleppend.
  • Ein Anbieter aus Frankfurt will nun Impfreisen anbieten.
  • Die Reaktionen in sozialen Netzwerken sind eindeutig.

Frankfurt – Erst seit wenigen Wochen werden in Hessen Menschen gegen Corona geimpft. Zunächst sind die über 80-Jährigen an der Reihe. Bis alle Menschen in Deutschland die Erst- und Zweitimpfung erhalten haben, wird es wohl noch Monate dauern. Zuletzt kamen immer mehr skandalöse Fälle von Vordränglern und Menschen, die Impfstoff zur privaten Verwendung zur Seite schafften, ans Licht. Nicht weniger fragwürdig ist das Angebot eines Frankfurter Reiseveranstalters.

Von Frankfurt aus auf Corona-Impfreise: Angebot für Gesundheitsurlaub

Der Anbieter „Fit Reisen“ aus Frankfurt will seine Kunden mit Impfangeboten während des Urlaubs locken. Wie „Fit Reisen“ mitteilte, arbeite man derzeit mit Hotelpartnern an Konzepten für eine Corona-Impfung während einer mehrwöchigen Urlaubsreise. „Diese soll im Rahmen eines Gesundheitsurlaubs bei einem fachkundigen Arzt stattfinden“, schreibt der Anbieter auf seiner Homepage.

Zwar gibt es noch keine konkreten Angebote, Ziele oder Zeiträume für solche Reisen, dennoch nimmt „Fit Reisen“ schon Anmeldungen für Impfreisen entgegen – allerdings ohne Garantie, ob das Angebot tatsächlich gemacht werden könne, sagte eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage. Von Preisen ab 2000 Euro pro Person für einen solchen Urlaub ist die Rede. Laut einer Sprecherin von „Fit Reisen“ sei die Idee von einem Kunden gekommen.

„Fit Reisen“ aus Frankfurt will übrig gebliebenen Corona-Impfstoff nutzen

Die Rechnung bei „Fit Reisen“ in Frankfurt lautet: Länder, die ihre Bevölkerung in absehbarer Zeit durchgeimpft haben, könnten Impfstoff übrig haben. Dieser könnte dann an die Touristen weitergegeben werden, wie eine Sprecherin bestätigt. Israel, die Seychellen oder die Vereinigten Arabischen Emirate werden als mögliche Ziele genannt. Aus Israel kam direkt eine Reaktion: „Es gibt derzeit keine Möglichkeiten für Touristen in Israel, sich impfen zu lassen. Es werden keine Impfreisen angeboten“, sagte Ella Zack Solomon, Direktorin des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros für Deutschland, Österreich und die Schweiz dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Zwar betont „Fit Reisen“, nach eigenen Angaben der größte Anbieter für Gesundheits- und Wellnessreisen in Europa, dass eine behördliche Genehmigung für eine Corona-Impfung während des Urlaubs Grundvoraussetzung sei, schließlich verfüge man ja nicht selbst über Impfstoff, sondern nur die Länder. Dennoch ist die Aufregung im Netz groß.

Impfreise-Angebot aus Frankfurt: Lauterbach nennt das „unethisches Geschäftsmodell“

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach gegenüber dem WDR bereits von einem „unethischen Geschäftsmodell“. Sollten in einem Land Impfdosen übrig bleiben, solle man den Corona-Impfstoff Ländern zur Verfügung stellen, die Schwierigkeiten hätten, ihre Bevölkerung zu impfen. Auch im Netz sind die Reaktionen überwiegend negativ. „Ich bin lieber weiterhin vorsichtig im Umgang mit meinen Kontakten und irgendwann bin ich dann ja auch mal ‚offiziell‘ dran“, lautete noch einer der sachlicheren Kommentare auf Facebook.

Bei „Fit Reisen“ in Frankfurt zeigt man auf der einen Seite Verständnis für die Kommentare, auf der anderen Seite bemüht man sich, die Wogen zu glätten. „Das Thema Impfen ist natürlich kontrovers, deswegen können wir die Reaktionen nachvollziehen. Es soll aber ein seriöses Angebot sein. Wir wollen die Impfreisen nur anbieten, wenn wir von Behörden im Ausland die Genehmigung dafür bekommen, dass Menschen aus dem Ausland dort geimpft werden dürfen. Gesundheitsreisen sind für uns nicht neu, deswegen sind wir der Idee von Kunden nachgegangen“, sagte eine Sprecherin.

Angebot für Corona-Impfreise aus Frankfurt auf Ältere zugeschnitten

Zudem soll das Angebot vor allem auf ältere Menschen zugeschnitten werden, die auch Zeit für einen mehrwöchigen Urlaub haben. Auch ein österreichischer Verleger will Impfreisen ins Ausland anbieten und muss dafür in den sozialen Netzwerken viel Kritik einstecken. (Erik Scharf) *fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Die in der EU zugelassenen Corona-Impfungen gelten als gut verträglich. Doch viele treibt die Frage um, ob die Impfung Jahre später Folgen für die Gesundheit haben könnte.

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