Gebäude in Bad Wilhelmshöhe wird nicht mehr benötigt

Aus für HR-Fernsehstudio in Kassel: Hessischer Rundfunk will Gebäude verkaufen

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Das Fernsehstudio an der Wilhelmshöher Allee (hinten) soll verkauft werden. Für den Gutshof links im Bild, der ebenfalls der Sendeanstalt gehört, gibt es laut HR aktuell noch keine Pläne.

Das Fernsehstudio des HR in Kassel soll verkauft werden. Das hat Intendant Manfred Krupp nach Informationen unserer Zeitung während der Personalversammlung Ende vergangenen Jahres verkündet.

Vanessa Zaher, Sprecherin des Hessischen Rundfunks, bestätigte auf Anfrage, dass sich der Sender mit einer möglichen Veräußerung des Fernsehstudios an der Wilhelmshöher Allee beschäftigt. Auch eine Vermietung des Gebäudes sei möglich.

Mit dem Verkauf oder der Vermietung würde eine 25 Jahre andauernde Geschichte enden. 1994 war das Fernsehstudio mit einer Eröffnungsgala in Betrieb genommen worden. Für 45 Millionen Mark war das aus dem Jahr 1972 stammende Kasseler HR-Studio umgebaut und erweitert worden. Der damalige Intendant Klaus Berg sah darin ein Zeichen der Zukunftssicherung. Seit 2016 wird in dem Fernsehstudio allerdings schon keine Sendung mehr aufgezeichnet.

Pressesprecherin Zaher betonte: "Durch eine eventuelle Veräußerung würde sich für den Standort Kassel nichts ändern." An diesem Standort mit seinen 200 festen und freien Mitarbeitern würden die genutzten Einrichtungen und Aufgaben bleiben. Nach Informationen unserer Zeitung sehen einige Mitarbeiter in der Entwicklung aber eine Herabstufung Kassels. Außerdem sollen viele die Befürchtung haben, dass weitere Aufgaben nach Südhessen gehen.

Wir klären die wichtigsten Fragen:

Worum geht es bei dem geplanten Verkauf genau?

Es geht um das gesamte Gebäude, in dem das Fernsehstudio untergebracht ist und das sich neben dem Gutshof befindet. Neben dem Fernsehstudio gibt es hier zum Beispiel auch Regie- und Redaktionsräume. Ein Verkauf oder eine Vermietung des Gebäudes hätte auch zur Folge, dass einige Mitarbeiter in das alte Produktions- und Sendestudio umziehen müssten.

Das Fernsehstudio wiederum gehört zu dem Neubau, der 1994 fertiggestellt worden ist. Damals hatte der Hessische Rundfunk insgesamt 45 Millionen Mark investiert, die auch in Sanierungsmaßnahmen und die technische Einrichtung flossen. Das Fernsehstudio war seinerzeit mit modernster Technik ausgestattet worden. Der damalige Intendant Klaus Berg sagte, der Neubau dokumentiere, "wie ernst wir unsere Verantwortung für das ganze Land und insbesondere für den Raum Nordhessen nehmen".

Blick in das Archiv: Im September 1994 wurde das HR-Fernsehstudio in Kassel eröffnet. Jetzt soll das Gebäude verkauft werden.

Neben dem Fernsehstudio und dem Produktions- und Sendestudio gehört dem Sender auch der Gutshof, in dem sich ein Restaurant und die Kantine des Hessischen Rundfunks befinden. Der Gutshof sei derzeit verpachtet, erklärte Pressesprecherin Vanessa Zaher. Was mit ihm passieren soll, dazu gebe es aktuell keine Pläne.

Mit wem ist der Hessische Rundfunk überhaupt noch in Kassel vertreten?

Die Aufgaben der annähernd 200 festen und freien Mitarbeiter seien nach wie vor sehr vielfältig, sagt Zaher. In Kassel wird demnach die Berichterstattung für Nordhessen gesteuert – sowohl im Hörfunk als auch in den Bereichen Fernsehen und Online. Es gibt zum Beispiel die Redaktion, die sich um aktuelle Beiträge kümmert – wie jene für die Hessenschau.

Auch die Wissenschaftsredaktion soll in Kassel bleiben. Sie ist für die Sendung "Alles Wissen" zuständig. Allerdings ist es nach Informationen unserer Zeitung jetzt schon so, dass die Sendung zwar hier konzipiert, aber in Frankfurt fertiggestellt wird. Dazu muss ein Redakteur nach Südhessen fahren. Das nährt die Befürchtung der Mitarbeiter, dass die komplette Redaktion bald nach Frankfurt verlagert wird.

Fernab davon sollen Formate wie "Jetzt mal Klartext" und "Herkules" auch in Zukunft im Studio Kassel produziert werden. Dafür stehen in dem alten Gebäude auch Produktions- und Sendestudios zur Verfügung. Live-Fernsehsendungen mit Publikum sind ohne das Fernsehstudio nicht mehr möglich. Im Hörfunkbereich wird weiter die Welle HR 4 von Kassel aus bedient.

Wie begründet der Hessische Rundfunk die Verkaufsabsichten?

Laut Sprecherin Zaher wird das Fernsehstudio seit der Zusammenlegung der Studioproduktionen am Standort Frankfurt nicht mehr benötigt. Für die Zusammenlegung im Jahr 2016 habe es zwei wichtige Gründe gegeben: Um laufende Kosten einzusparen, sei die Auslastung des Studios in Frankfurt optimiert worden. Zudem hätten die Investitionskosten für neue technische Anforderungen nicht in Relation zum Nutzen gestanden. Dabei wäre es etwa um die Umstellung auf HD-Fernsehen gegangen.

Wie lange ist der HR eigentlich schon an der Wilhelmshöher Allee?

Der Sender ist bereits seit 1972 dort ansässig, nachdem das Studio in der Ahrensbergstraße nach 20 Jahren zu klein geworden war. Damals war Kassel das wichtigste Außenstudio des HR.

Was waren die wichtigsten Sendungen?

Im Kasseler Fernsehstudio wurden beispielsweise die Sendungen „Dings vom Dach“ und „Straßenstars“ aufgezeichnet. Für die wichtigste Live-Sendung aus Kassel brauchte es aber noch acht Übertragungswagen. Am 21. Mai 1970 konnte der Hessische Rundfunk so über das historische Treffen zwischen Willy Brandt und Willi Stoph berichten.

Der HR in Kassel: Die Geschichte des Studios in Bildern

Hier befinden sich die Gebäude des HR in Kassel:

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