Wurstskandal

Hessische Behörden machten Fehler bei Wilke

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Der Kreis soll das Regierungspräsidium Kassel und das Verbraucherschutzministerium nur unzureichend über Mängel in dem Unternehmen informiert haben.

Nordhessischer Wursthersteller wurde offenbar unzureichend kontrolliert. Ministerin gibt dennoch Entwarnung für Verbraucher.

Bei der Kontrolle des inzwischen geschlossenen Wurst-herstellers Wilke haben die Behörden Fehler gemacht. Das berichtete Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) am Mittwoch in Wiesbaden. „Der Betrieb war durchfeuchtet, der war nass ohne Ende“, sagte sie in einer Ausschusssitzung des Landtags. Dies hätte schon bei früheren Kontrollen durch den für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Kreis Waldeck-Frankenberg auffallen müssen, sagte die Ministerin. Die Firma wird mit drei Todes- und 37 Krankheitsfällen durch verdorbene Ware in Verbindung gebracht.

Der Kreis soll das Regierungspräsidium Kassel und das Verbraucherschutzministerium nur unzureichend über Mängel in dem Unternehmen informiert haben. Bei einer Kontrolle am 5. September soll es zudem zu „Unstimmigkeiten“ gekommen sein. Nachdem Wilke aufgrund von Listerien-Erkrankungen ins Blickfeld geraten war, sollte es an diesem Tag eine gemeinsame Inspektion des Betriebes durch den Kreis, das Regierungspräsidium sowie das Landeslabor geben.

„Als unsere Mitarbeiter zur verabredeten Uhrzeit bei Wilke eintrafen, kam ihnen am Eingang bereits die Gruppe aus dem Landkreis entgegen“, sagte der Kasseler Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber (CDU). Der gemeinsame Kontrollgang habe nicht mehr stattgefunden.

Der Fall

In der Wurst der Firma Wilke aus Twistetal-Berndorf sind Listerien nachgewiesen worden. Drei Menschen sollen an den Keimen gestorben, mindestens 37 erkrankt sein.

Der Betrieb ist inzwischen geschlossen, alle Waren sollen aus dem Handel genommen worden sein.

Verbraucher können sich bei der Hotline 06151/126082 informieren. Sie ist erreichbar montags bis donnerstags von 8 bis 16.30 Uhr sowie freitags von 8 bis 15 Uhr. 

Laut Hinz berichtete der Kreis, ein Großteil der zuvor festgestellten Mängel in dem Betrieb sei abgestellt worden. „Wir müssen das klären“, sagte sie dazu im Ausschuss. Der Kreis Waldeck-Frankenberg sei aufgefordert, bis zum 25. Oktober einen Fragenkatalog des Ministeriums zu beantworten.

Linke, SPD und FDP hatten zur Sitzung umfangreiche Berichtsanträge an die Ministerin gestellt. Sie sollten unter anderem klären, ob Hinz oder ihre Mitarbeiter möglicherweise zu spät und unzureichend auf die durch Wilke-Produkte ausgelösten Todes- und Krankheitsfälle reagiert haben. Zudem habe es schon 2014 Hinweise auf Hygienemängel bei dem nordhessischen Unternehmen gegeben.

Hinz sagte dazu, erst am 16. September habe sicher festgestanden, dass es einen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und Wilke gebe. Das Ministerium habe von da an alles getan, was aus damaliger Sicht erforderlich gewesen sei. Es habe auch nicht der Eindruck bestanden, dass man durch eine Weisung an den Kreis habe eingreifen müssen. „Der hat ja mit uns kooperiert“, sagte Hinz. Sie räumte allerdings ein, dass eine Nachricht des Bundesamts für Verbraucherschutz vom 12. August, das über einen Verdacht gegen Wilke informierte, in der Fachabteilung des Ministeriums liegengeblieben war. „Diese Mail wurde in ihrer Relevanz nicht sogleich erkannt.“

Laut Hinz gibt es keine Hinweise darauf, dass in anderen Lebensmittelbetrieben in Hessen ähnliche hygienische Mängel wie bei Wilke herrschen. Auch sei davon auszugehen, dass alle Wilke-Produkte aus dem Handel genommen worden seien.

Nächste Woche will die Ministerin mit ihren Amtskollegen aus den anderen Bundesländern beraten, wie die Lebensmittelüberwachung verbessert werden kann. Dazu zählten eine ausgeweitete Meldepflicht und mehr Weisungsbefugnisse der Länder.

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