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Corona-Tests in Hessen: Wer sie kostenlos bekommt und wer 3 Euro zahlt

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Von: Alexander Gottschalk, Lea-Sophie Mollus

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Auch in Hessen gibt es ab sofort nicht mehr für jeden kostenlose Corona-Bürgertests. Die neuen Regelungen im Überblick.

Wiesbaden - Corona-Schnelltests sind ab sofort nicht mehr für alle Hessen gratis. Wie in anderen Bundesländern auch fällt ab Donnerstag (30. Juni) der allgemeine Anspruch auf mindestens einen kostenfreien Bürgertest pro Woche weg. Man sehe keine Veranlassung, den Bund aus seiner Verantwortung zu entlassen, erklärte das Hessische Sozialministerium am Dienstag (28. Juni).

Die Bundesregierung hatte entschieden, dass es ab Ende Juni nicht mehr für jedermann Antigen-Schnelltests auf Staatskosten geben soll. Kostenlos bleiben die Corona-Schnelltests nur für bestimmte Risikogruppen. Konkret heißt das: Wer sich ab jetzt in Teststellen oder Apotheken testen lassen möchte, zahlt in der Regel mindestens drei Euro aus eigener Tasche.

In Sachen PCR-Tests ändert sich zunächst nichts. Wer einen positiven Antigen-Schnelltest vorlegen kann, bekommt die Laboruntersuchung kostenlos – egal ob es sich beim Schnelltest um einen Bürgertest aus der Apotheke oder dem Testzentrum oder um einen im Supermarkt gekauften Selbsttest handelt.

Keine kostenlosen Corona-Bürgertests in Hessen: Land sieht „Haushaltsrisiko“

Der Bund hat es den Ländern freigestellt, die kostenfreien Schnelltests weiter eigenständig zu finanzieren. Hessen verzichtet auf diesen Schritt. Das hiesige Sozialministerium beruft sich auf eine klare Aufgabenabgrenzung bei der Pandemiebekämpfung: Der Bund habe die Testzentren finanziert, die Länder die Tests in den Schulen, bei Kitas, Verwaltung sowie die Impfzentren.

Die Kostenübernahme bei den Bürgertests und die damit verbundene Verwaltungsarbeit „könnten zu einem für den Landeshaushalt nicht tragfähigen Haushaltsrisiko in schnell dreistelliger Millionen-Höhe führen“, hieß es aus Wiesbaden. Die Entscheidung der hessischen Landesregierung sorgt dennoch für Kritik.

Hessen: Kritik an Wegfall von kostenlosen Corona-Tests wird laut

„Der Wegfall kostenfreier Testmöglichkeiten für alle verschärft die soziale Ungleichheit im Gesundheitssystem weiter“, teilte dazu Christiane Böhm von der hessischen Linken mit. „Wer nicht weiß, wie das Essen am Monatsende finanziert werden soll, wird keine drei Euro für einen Corona-Test aufbringen können.“

Coronatest
Bürgertests sollen in Zukunft 3 Euro kosten. © Frank Hoermann / SVEN SIMON/Imago

Arme Menschen treffe die Corona-Pandemie „viel härter, sozial wie gesundheitlich“. Es sei eine „Schande“, dass dieser „Trend nun erneut verstärkt“ werde, so Böhm. Ihr stieß weiterhin sauer auf, dass der Zugang zu kostenfreien Tests im Hessischen Landtag erhalten bleibe. Sie forderte, dass der gesamte Beschluss rückgängig gemacht werden solle.

Corona in Hessen: Drei-Euro-Tests ersetzen kostenfreie Bürgertests

Auch viele Testzentrumsbetreiber sind mit dem Ende der kostenlosen Corona-Schnelltests unzufrieden. „Die Politik hat nichts gelernt“, sagte beispielsweise DRK-Marburg-Gießen-Kreisverbandschef Christian Betz dem Radiosender FFH. Gerade den Zeitpunkt des Wegfalls sieht er angesichts steigender Corona-Zahlen in Hessen („saftige Sommerwelle“) als Fehler an.

Aber was kosten die Bürgertest in Testzentrum oder Apotheke denn jetzt nach der Umstellung? Im besten Fall drei Euro. Wer nachweisen kann, dass er noch am selben Tag eine Familienfeier, ein Konzert oder eine andere Veranstaltung „in Innenräumen“ besuchen wird, zahlt diesen festgelegten Betrag für einen Bürgertest.

Einen Drei-Euro-Test bekommt auch, wer eine rote Corona-Warnapp hat oder wer vorhat, Menschen ab 60 oder mit Vorerkrankung zu treffen. Die neue Regelung soll sogenannte Super-Spreader-Events verhindern. Neben dem Berechtigungsnachweis (bspw. Konzertkarten) wird für den Bürgertest ein gültiges Ausweisdokument vorausgesetzt.

Für die Bürgertest-Anbieter soll laut Tagesschau der „Erstattungspreis“ von 11,50 Euro auf 9,50 Euro gesenkt werden. Zu den drei Euro, die im Regelfall der Kunde zahlen muss, kommen demnach nochmal 6,50 Euro hinzu, die der Bund zuschießt. (Alexander Gottschalk und Lea-Sophie Mollus mit dpa)

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