Nahverkehr

Straßenbahnen sollen länger werden - so plant die Stadt

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Straßenbahn der Linie 14 in der Mainzer Landstraße mit Ziel Gustavsburgplatz im Gallus, die Verlängerung dorthin im Dezember 2018 ist die jüngste Erweiterung im Frankfurter Straßenbahnnetz gewesen. 

Immer mehr Fahrgäste nutzen Busse und Bahnen. Das Problem: Der Stadt bleibt keine Zeit, bis neue Strecken gebaut sein könnten.

Frankfurt – Gut in Schuss ist er schon. Aber wenn der Straßenbahn-Oldie vom Typ O aus den 1960er-Jahren morgens an die Haltestelle vorfährt, schauen immer wieder Fahrgäste ein wenig ungläubig. Natürlich stimmt die Liniennummer 17 oder 18, auch lässt der Fahrer jeden einsteigen. Doch das Fahrgefühl von anno dazumal wirkt doch äußerst kontrastreich in der Stadt der Wolkenkratzer.

"Es geht derzeit nicht ohne die alten Fahrzeuge", sagt Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Zwar reisen Nahverkehrsenthusiasten aus der halben Welt an, um das zu erleben. Doch besonders die Behindertenverbände sehen die Straßenbahnen mit ihren hohen Stufen kritisch. Schließlich müssen außer dem O-Wagen auch bereits fünf alte P-Wagen aus den Siebzigerjahren in der Hauptverkehrszeit helfen. Ihre Zahl wird im Dezember sogar noch um zwei weitere ansteigen: Diese zwei sind notwendig, wenn die Linie 14 im Gallus vom Gustavsburgplatz bis zur Mönchhofstraße verlängert wird.

45 neue Straßenbahnen hat die für den Betrieb zuständige Verkehrsgesellschaft VGF zwar schon bestellt - zuletzt zwei weitere für die 14er-Verlängerung. Doch erst in zwei Jahren beginnt deren Auslieferung. Reserven hat die VGF bis dahin keine mehr. "Der Bestand ist völlig ausgelastet", sagt Oesterling. Angesichts der stark steigenden Nachfrage müsste das Angebot dennoch wachsen. Schließlich müsse man sich auf "60.000 bis 70.000 weitere Einwohner" einstellen.

Frankfurt: Liniennetz optimieren

Damit ein besseres Angebot wenigstens vom Lieferbeginn der neuen Züge der Serie T an möglich wird, arbeitet die städtische Nahverkehrsorganisation Traffiq nun daran, das "Liniennetz zu optimieren". Denn auch der Neubau von Tram-Linien benötigt lange Jahre Vorlauf. "Die Ringstraßenbahn ist die nächste Strecke, die gebaut wird", kündigt der Stadtrat an.

Derzeit müsse das Vorhaben noch auf die Entscheidung über die Trasse des U 4-Lückenschlusses zwischen Bockenheim und Ginnheim warten. An der Bundesbank sollen beide Linien verknüpft werden. Sobald die Entscheidung gefallen sei, solle die Ringstraßenbahn zwischen Ginnheim und Bornheim via Wilhelm-Epstein-Straße, Dornbusch und Marbachweg und Gießener Straße möglichst schnell realisiert werden, sagt Oesterling. Realistisch dürfte die erste Tram aber bestenfalls Ende 2022 rollen.

Mit einem zusätzlichen Mittelwagen könnten die schon bestellten Fahrzeuge vom Typ T aus der Reihe Citadis des französischen Herstellers Alstom auf 38 Meter verlängert werden. Foto: Alstom

So lange aber kann die Stadt mit dem Ausweiten des Angebots nicht warten. Denn auch an anderer Stelle drängen immer mehr Fahrgäste in Trams und Busse. Zum Beispiel mit der fortschreitenden Bebauung im Gallus zwischen Güterplatz und Mönchhofstraße sowie im Ostend am Honsell-Dreieck an der Hanauer Landstraße. Dafür muss die Kapazität auch auf den vorhandenen Linien steigen. In dem Konzept werde vorgeschlagen, entweder noch mehr neue Fahrzeuge zu bestellen, erklärt Oesterling, oder die vorhandenen zu verlängern. "Oder eine Kombination aus beidem."

Mit einem zusätzlichen Mittelwagen könnten die schon bestellten Fahrzeuge vom Typ T von 31,5 auf 38 Meter verlängert werden. Die Fahrzeuge aus der Reihe Citadis des französischen Herstellers Alstom sind für eine solche Verlängerung bereits konstruiert. "Gerade noch so" passten die langen Bahnen zumindest mit dem Bereich zwischen den äußeren Türen noch an die nur 30 Meter langen Straßenbahnhaltestellen, so Oesterling.

Straßenbahnen: Bis zum 5-Minuten-Takt

Vorteil dieser Variante sei zum einen, dass die bereits barrierefrei umgebauten Haltestellen nicht erneut umgebaut werden müssten. Zudem vermeide der Einsatz längerer Trams weiteren Bedarf an Fahrern, betont der Stadtrat.

Doch auch um den Kauf weiterer Straßenbahnfahrzeuge dürfte die Stadt nicht herumkommen. Denn insgesamt soll der Tram-Takt dichter werden. "Das heutige Grundkonzept mit dem 15-Minuten-Takt stammt ja noch aus der FVV-Zeit von 1976", erinnert der Verkehrsdezernent. Wegen steigender Nachfrage seien einige Linien auf 10-Minuten-Takte verstärkt worden, andere auf 7,5-Minuten-Takte. Beide Takte aber passen nicht zusammen: Dort, wo sich die Strecken mehrerer Linien überlagern, entstehen so keine sauber getakteten Zugfolgen, dadurch eine ungleiche Auslastung.

Künftig solle der 10-Minuten-Takt auf allen Linien gelten, mit Verdichtung auf einen 5-Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten. Um die Linien gleichmäßiger auszulasten, gebe es zudem Überlegungen, die Streckenäste anders zu verknüpfen. Ergebnisse will Oesterling bis Jahresende vorlegen. Zuletzt hatte die Stadt im Dezember die westlichen Äste der U-Bahnlinien U 6 und U 7 (Heerstraße und Hausen) getauscht.

Das Straßenbahn-Konzept ist Teil des neuen Nahverkehrsplans. Dessen Entwurf hat Traffiq-Geschäftsführer Tom Reinhold den Stadtverordneten bis Jahresende versprochen. Während der Gesamtplan das nächste Jahrzehnt im Blick hat, soll es bei der Tram schneller gehen, sagt Klaus Oesterling: "Wir wollen das Netz in den nächsten drei bis vier Jahren überarbeiten."

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann 

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